Was bei uns los ist
News vom Marketing-Club Neckar-Alb
Von Schnelldrehern und Bremsschuhen
MCNA vor Ort // März 2026
Weder Kufen noch Kettenantriebe waren Themen beim Frühlingsausflug nach Rosenfeld. Wobei, ein wenig um die Lieferkette ging es dann doch, als Gastgeberin Dr. Sarah Blickle-Fenner erklärte, warum Blickle Räder+Rollen so fest am Standort verwurzelt ist: "Die Fertigungstiefe gibt uns die Kontrolle über Qualität und Geschwindigkeit." Schneller und besser als der Wettbewerb zu sein, halte den Familienbetrieb, in dem mittlerweile die dritte Generation Blickles in der Geschäftsführung aktiv ist, auf der Position des Weltmarktführers nach Umsatz in einer "global mittelständisch geprägten Branche".
Bereits die Führung durch das Lager geriet zur Leistungsschau, denn Kisten und Paletten flitzten auf Blickle-Produkten durch die bis zu 40 Meter hohen Regale, in denen 30.000 Standardtypen einsortiert sind. Logistik sei zwar nur eine von mehreren Schwerpunktbranche, denn Räder und Rollen gehörten zum Grundbedarf jeder Industrie, erklärte Blickle-Fenner. Dennoch entscheide die Lieferfähigkeit mit: Blickle ist demnach in der Lage, 20.000 Artikel von Rosenfeld aus innerhalb von zwei Tagen zu den Kunden in Europa zu bringen. Die Fertigware bedeute indes nur die Hälfte des Geschäfts. "Für unsere Kunden machen wir Handstände auf dem kleinen Finger", berichtete Blickle-Fenner von rund 2.000 Entwicklungsaufträgen, die pro Jahr von Kunden eingehen. Wie der Durchmesser der Produkte von fingerdicken Röllchen in Schiebetürführungen bis 1,30-Meter-Rädern für Tunnnelbohrer reiche, so unterschiedlich sei auch der Zeitaufwand für Änderungs- und Neukonstruktionen. "Zwischen zwei Stunden und zwei Jahren ", so Marketingleiter Werner Herre, betrage der Aufwand für das 70-köpfige Ingenieurteam.
Insgesamt beschäftigt Blickle rund 950 der insgesamt 1.350 Mitarbeiter in Rosenfeld, wodurch die Gemeinde, laut Blickle-Fenner bereits in der Kreisstadt Balingen nicht mehr so richtig bekannt, statistisch über die Vollbeschäftigung hinausragt. Der benachbarte Stahlhändler Sülzle leiste dazu ebenfalls einen Beitrag, den Blickle-Fenner nicht unerwähnt ließ, denn "das sind unsere Vettern". Beide Unternehmen gingen demnach auf einen erfindungsreichen Dorfschmied mit vielen Nachkommen zurück. Club-Präsident Christoph Koppensteiner hatte nicht von ungefähr in seiner Einführung, Fleiß, Innovationen und Familie als Hauptbausteine der Firmengeschichte genannt. Wachstumstreiber sei jedoch eindeutig das Auslandsgeschäft mit rund zwei Dritteln des Umsatzes, Tendenz steigend. Die frühe Internationalisierung in den 70er-Jahren, als Blickle im örtlichen Industriegebiet wachsen konnte, bezeichnete Blickle-Fenner als ausschlaggebenden Erfolgsfaktor, denn derzeit entwickelten sich selbst Märkte wie Italien oder Spanien besser als Deutschland.
Wie Blickle in neue Märkte geht, erklärte Herre am Beispiel Vietnam. "Immer mit dem kompletten Setup", zählte er Online-Präsenz, gedruckte Kataloge und technische Unterlagen in Landessprache auf. Newsletter und Social Media, Suchmaschinenoptimierung und -werbung gehörten ebenfalls ab dem ersten Tag dazu, wie Messeauftritte. Dank KI seien die Übersetzungen mittlerweile ein überschaubarer Kostenfaktor, allerdings fange die Künstliche Intelligenz mittlerweile auch viele Kunden ab, bevor sie überhaupt auf die Website gelangten: "Denen sagt dann ChatGPT, dass die Rolle für ihre Anwendung passt." Ob die Auskunft auch stimmt, ließ Herre dahingestellt sein, jedenfalls sah er in diesem Zusammenhang Handlungsbedarf. "Blickle ist durch den Vertrieb und persönliche Beratung groß geworden", schaute auch Herre, selbst seit drei Jahrzehnten mit dem Marketing der Firma betraut, in die Unternehmensgeschichte zurück. Doch mittlerweile arbeiteten sich sogar Kunden, die es durch einen Besuch einfacher haben könnten, lieber durch den Webshop. Trotzdem sei einheimisches Personal vor Ort wichtig, schon allein wegen der kulturellen Eigenheiten, denen man von Rosenfeld aus nicht immer gerecht werden könne. So erledigten "die Kolumbianer" am liebsten jegliche Kommunikation per Online-Chat, hingegen seien "die Japaner" in Sachen Layout eigen: "Die wollen alles als Two-Pagers."
Umgekehrt stoße die deutsche Denke an ihre Grenzen. Blickle-Fenner erzählte von Bedenken beim Markteintritt in die USA wegen der Umsetzung des metrischen Systems in Zoll und Fuß. "Das war aber unser kleinstes Problem, die Art Geschäfte zu machen ist dort anders und wir haben unser Team amerikanisiert." Aus China, wo Blickle auch die Zweitmarke "Pegasus" produziert, hatte Herre eine ernüchternde Anekdote: "Die haben uns gebeten, von den Blickle-Katalogen 'Made in Germany' zu entfernen. Das gilt dort als langsam und teuer." Agilität verspricht dagegen das neuartige Antriebssystem "ErgoMove", das Blickle als Bausatz mit Elektroantrieb in auf Gewicht und Untergründe abgestimmten Konfigurationen anbietet. Manuel Fritz, der auch die Werksführung geleitet hatte, gab dazu noch eine kleine Vorführung, die deutlich machte, dass das Preis-Leitungsverhältnis nicht zuletzt von Zuverlässigkeit, Rollkomfort und Traglast abhängt.