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Was bei uns los ist

News vom Marketing-Club Neckar-Alb

Transparent bis auf den Firmennamen

MCNA vor Ort // April 2025

Im Februar sprach ganz Deutschland über den Merz, beim Marketing-Club sprach im April der Mey. Genauer gesagt: Achim Mey, Gründer und Geschäftsführer von Mey Generalbau, der den Club in Tübingen willkommen hieß. Dass er dabei ein Werbeversprechen nicht einhielt, dafür war dem Gastgeber sicherlich niemand böse: Statt "Ein Mey. Ein Wort" gab es einen detailreichen Vortrag voller Praxisbeispiele darüber, wie das Unternehmen leistungsfähige Fachkräfte hinzugewinnt und im Betrieb hält - eine strategische Notwendigkeit, denn bis 2028 sollen zu den Standorten Tübingen, Balingen, Stuttgart und Villingen-Schwenningen noch zwei weitere hinzukommen. "Quantitative Leistungsfähigkeit ist bei uns ein Erfolgsfaktor", erklärte Mey die Notwendigkeit der Expansion für das Geschäftsmodell, das zum großen Teil aus der Planung und Koordination von Subunternehmen bei Sanierungsaufträgen besteht.

"Ich kenne niemanden, der die Dinge so voller Energie angeht und dann auch so konsequent durchdenkt", hängte Club-Präsident Christoph Koppensteiner in seiner Begrüßung die Latte für den Referenten hoch. Mey enttäuschte die Erwartungshaltung nachweislich nicht, wie der Schlussapplaus bewies. Vielmehr präsentierte er sich als Teil eines "Hochleistungsteams" als das sich die Belegschaft bei Mey selbst verstehe. So hätten die 120 Mitarbeiter im Jahr 2024 rund 9.500 Projekte, hauptsächlich die Beseitigung von Hochwasserschäden, umgesetzt. Die Auftragsflut, die schwere Unwetter in den letzten Jahren mit sich brachten, hätten das Unternehmen an seine Kapazitätsgrenzen gebracht, inklusive "enormer Mehrarbeit", auch an den Wochenenden. Kein Wunder also, dass Mey den Punkt "Wertschätzung" in seiner Präsentation weit vorne platzierte.

Die Bezahlung sei dabei nur ein selbstverständlicher "Hygienefaktor", so wie "ein Restaurant nicht mit seinen sauberen Toiletten wirbt". Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten nannte Mey als weitaus wichtigere Faktoren für die Mitarbeiter-Motivation und zwar "vom ersten Arbeitstag bis zur ordentlichen Trennungskultur". So fange bei Mey mittels Einarbeitungsplan, Mentor und Willkommensmappe "niemand bei Null" an und dank fest getakteter Feedback-Gespräche sei Arbeitnehmern wie Arbeitgeber jederzeit klar, "ob es passt oder nicht". Der Geburtstagsgruß vom Chef "auch aus dem Urlaub" per Textnachricht und weitere Aufmerksamkeiten zu Jahrestagen oder während besonders stressiger Phasen fördern bei Mey das Betriebsklima. Dabei gehe es nicht um teure Geschenke, "sondern darum, dass es von Herzen kommt". Hoodies oder Badeschlappen mit Mey-Branding tragen außerdem nicht nur zum Teamgeist sondern auch zur Außenwahrnehmung bei. Generell sei die "Zeit des Obstkorbs im Büro" vorbei, erklärte Mey. Stattdessen gehe es um "einen ganzen Blumenstrauß" jeweils passender Zusatzleistungen. So habe das Unternehmen den Rücken-Coach gezielt für die Bürokräfte angeheuert, den die Handwerker nicht bräuchten. Umgekehrt räumte Mey beim Thema Krankheitstage ein, habe er selbst erst lernen müssen, dass man mit einem verstauchten Fuß zwar weiter am Schreibtisch, aber nicht auf der Baustelle arbeiten könne. In das Prämiensystem fließe bei Mey die Gesundheit der Mitarbeiter ein, aber auch Faktoren wie Schadensfreiheit im Fuhrpark oder das pünktliche Abrechnen von Projekten, damit auch zeitnah die Rechnung gestellt werden kann. 

Was das Employer Branding nach außen anbelangte, stellte Mey fest, dass die effektive Direktansprache potenzieller Mitarbeiter Bekanntheit und Image voraussetze. Mey setzt dabei auf Sport- und Kultursponsoring, wobei letzteres "viel schwieriger zu branden" sei, denn im Zielbereich eines Stadtlaufes herrsche weniger Scheu vor großflächiger Werbung als auf einer Konzertbühne. "Wir gehen in Events, die sich ansonsten schwertun, Sponsoren zu finden und ziehen es da dann groß auf", verriet Mey eine bewährte Vorgehensweise. Bei den jüngst erworbenen Namensrechten für die Balinger Arena, Spielstätte von Profi-Handballern, sei es indes etwas anders gewesen. Dieses Projekt sei nicht allein finanziell zu stemmen gewesen, dafür "haben wir der Stadt ein affengeiles Konzept erstellt", so Mey, das jährlich fünf zusätzliche Großveranstaltungen in die Halle bringe. Die Motivation des Unternehmens, sich nicht nur über Geld sondern als aktiver Sponsor einzubringen, liege darin, den Menschen in der Region etwas vom Unternehmenserfolg zurückzugeben, gemäß dem Motto: "Tue Gutes und andere sehen es, aber tue nicht Gutes, nur damit es andere sehen."

Geradezu begeistert zeigte sich Mey von den Möglichkeiten, die Job- und Ausbildungsmessen bieten. "Da ist die Kommunikation oft besser als in einem Bewerbungsgespräch." Und als besonders effektvoll habe sich das 2019 erstmals durchgeführte "Top Job"-Audit erwiesen, das Mey als eine der ehrlichsten Auszeichnungen bezeichnete, auch weil es etwas koste. Eigentlich habe sich das Unternehmen vor allem für den unabhängigen Blick von außen interessiert. Als es dann auf Anhieb den Preis gab, "hat plötzlich der SWR angerufen und der Bürgermeister gratuliert. Wir werden erstaunlich oft darauf angesprochen." Positive Rückmeldungen gab es im Anschluss an den Vortrag auch aus dem Publikum. So legte Christian Zacke an die PR-Arbeitsleistung von Mey Generalbau den Maßstab seiner jahrzehntelangen Agentur-Erfahrung und nickte anerkennend zu Achim Meys Aussage, dass im letzten Herbst eine Stelle für die Leitung der Unternehmenskommunikation eingerichtet worden sei. Gerhard Fiedlers Expertise für Gewerbeimmobilien war es schließlich zu verdanken, dass doch noch ein Makel zur Sprache kam: Der Begriff Generalbau passe eigentlich nicht zum Geschäftsfeld der Gebäudesanierungen. Statt semantischen Winkelzügen gab es von Achim Mey volle Zustimmung. Seine Erklärung im Sinne voller Transparenz: Man habe vor Corona viel in Werbeflächen, auch am Unternehmenssitz, mit dem Firmennamen investiert - und seitdem sei das eben so geblieben.