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News vom Marketing-Club Neckar-Alb

Jetzt muss nur noch der Fahrer raus

MCNA vor Ort // Oktober 2025

Wenn es darum geht, beim Marketing-Club den Ausdruck von Begeisterung im Originalton Alb abzubilden, ist das langjährige Mitglied Marion Münch zuverlässige Lieferantin entsprechender Zitate. "Ihr send au Mordskerle",  bewertete sie den Auftritt von Kevin und Luca Arnold beim Club-Abend in Oktober in Aichelau, wo die beiden Jungunternehmer die Ziele ihrer Technologiefirma Arnold NextG vorstellten - natürlich erst nachdem ihr Vater Roland Arnold, Gründer von Paravan, das Publikum mit seinen eigenen Anekdoten auf Temperatur gebracht hatte.

Vision, Mission und Revolution sind Begriffe, die beim Marketing-Club nicht tabu sind, aber meist mit einschränkenden Zusätzen und vorsichtigen Erklärungen der Referenten verwendet werden, um nicht zu vollmundig zu erscheinen. Im Ambiente der neuen Halle der Arnolds, mehr Technikschau und Unternehmensmuseum als Firmengebäude, hätte vorgetäuschte rhetorische Zurückhaltung nicht gepasst. Schon gar nicht, als Roland Arnold erzählte, mit welcher Chuzpe seine Frau Martina sich einst anschickte, Schrauben-Milliardär Reinhold Würth bei dessen erstem Besuch in Aichelau knapp abzufertigen, weil sie die Kinder zum Fußballtraining bringen musste. 

"Wir sind mit Hubschrauber aufgewachsen, Mercedes und Porsche waren vorhanden", setzte Kevin Arnold, CEO bei Arnold NextG, gleich zu Beginn seines Parts im Podiumsvortrags einen Kontrapunkt gegen die Ausführungen seines Vaters zu dessen bescheidenen Anfängen. Roland Arnold beschrieb plastisch, wie er sich in seiner Jugend mit Stallausmisten auf den Höfen der Umgebung an Scheunenfunde herantastete, durch "Mittagsarbeit" für die Latzhosen-Kasse des Meisters seine Mechaniker-Lehrstelle erwarb und im eigenen Reifenhandel mehr schlecht als recht nach Augenmaß Räder auswuchtete. Den in den Hintergrund getretenen Reifenhandel - Roland Arnold hatte zwischenzeitlich Paravan zum führenden Unternehmen in Sachen Mobilität für Menschen mit Behinderung aufgebaut und, so Moderator Christoph Koppensteiner, "nebenbei die technische Grundlage für autonomes Fahren gelegt" - übernahmen die Söhne. "Damit sie lernen, wie man einkauft. Und damit sie Menschenkenntnis bekommen," erklärte Roland Arnold seinen Ausbildungsansatz, bei dem er eher auf Zupacken als auf Zuhören setzt, denn "wenn ich denen bloß was erzähle, hat das sowieso keinen Wert." Luca Arnold fügte ein praktisches Beispiel an: “Wenn man eine Felge zerkratzt hat, muss man erst wieder fünf Sätze Räder montieren, bis man den Schaden ausgeglichen hat.”

Dass im Hause Arnold insgesamt wenig gesprochen wird, erschien bei rund zwei Stunden Podiumszeit indes eher unwahrscheinlich. Und der Unterhaltungswert dieser Gespräche wurde zwischendrin auch erahnbar, als Roland Arnold die Eigenständigkeit seiner Söhne hervorhob: "Die handeln mittlerweile selber ihre Steuern aus." Von Kevin Arnold gab es darauf augenrollend die trockene Replik: "Da gibt es nichts zu verhandeln."  Dass beide Junioren ihre Ausbildungen , Kevin als Mechatroniker, Luca im kaufmännischen Bereich, im Familienbetrieb absolviert haben, stellte Kevin Arnold als großen Pluspunkt dar: "Wir haben die Philosophie aufgesogen." Zudem stellte Roland Arnold klar, dass es eine harte Schule gewesen sei: "Ich habe meine Mitarbeiter dafür belohnt, wenn sie die Söhne vom Chef richtig hergenommen haben." 

Folgerichtig hat auch Arnold NextG die ehrgeizige Zielstellung, Soft- und Hardware für autonomes Fahren als Komplettsystem auf den Markt zu bringen. "Wir wollen nicht nur ein Automobilzulieferer sein. Wir liefern keine Komponenten",  machte Kevin Arnold eine klare Ansage zum eigenen Anspruch. "Wir machen Arme, Beine, Nervenstrang für Gas, Bremse und Lenkung. Und über die Sensorik bringen wir dem Fahrzeug das Popometer bei, das Gefühl des Fahrers." Für flächendeckende Pkw-Straßenzulassungen sei es in Europa jedoch noch deutlich zu früh. Aktuelle Einstiegsmärkte seien Anwendungen mit Nutzfahrzeugen in abgesperrten Bereichen. Als Beispiele nannte Kevin Arnold, Landwirtschaft, Baumaschinen und vollautomatisierte Containerhäfen. Wie das junge Unternehmen strategisch tickt, verdeutlichte Kevin Arnold an einem Gedankenspiel: “Wenn ein Spediteur 200 Lastwagen hat, von denen 100 mangels Fahrer auf dem Hof stehen, wird er nicht für den vierfachen Preis neue autonome Fahrzeuge kaufen, weil er das Geld nicht hat. Er wird aber auch die Lastwagen nicht verkaufen können. Da müssen wir die Nachrüstlösung anbieten.” Bis es so weit ist, müsse NextG Zwischenschritte gehen, etwa mit der Fernsteuerung von Fahrzeugen von einer Zentrale aus.

Dass von Roland Arnolds Erzählungen bei der nächsten Generation so gar nichts hängenbleibt, verneinte Kevin Arnold übrigens indirekt. Die Abschnitte der Paravan-Historie mit dem Einstieg und dem Rückkauf von Würth sowie die Schaeffler-Episode, die Roland Arnold als sein persönliches Scheitern bezeichnete, hatte der Senior ausführlich und mit teils deftiger Wortwahl dargelegt. Kevin Arnold hat daraus seinen persönlichen Schluss gezogen: "Ich habe gelernt, dass die Großen nicht zum Mittelstand passen."