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News vom Marketing-Club Neckar-Alb

Im "Total Look" aus der Wäsche schauen

MCNA vor Ort // Dezember 2025

Wer relevante Zahlen hören möchte, geht zum Marketing-Club Neckar-Alb: "80 Prozent der Frauen in Deutschland tragen die falsche BH-Größe", wusste Matthias Mey beim Club-Abend in Albstadt zu berichten. Damit lieferte der für Design, Vertrieb und Marketing zuständige Geschäftsführer der mey Handels GmbH auch gleich den Ansatz seines Unternehmens, als ehemaliger "Schlupfhosenkönig von der Alb" mittlerweile im Dessous-Geschäft mitzumischen:  Passform, Qualität und kompetente Beratung seien zumindest bei "den Frauen ab 30" im Premium-Segment gefragt.

Zur Begrüßung hatte Club-Präsident Christoph Koppensteiner noch auf die bis ins Jahr 1928 zurückreichende Firmenhistorie abgehoben, als der Gründer Franz Mey nachts aus dem Bett schreckte, wenn die Wirkmaschine die Maschen fallen ließ. Den Faden verlor Matthias Mey nie an dem nebligen Dezemberabend auf der Alb. Als Nachfolger der dritten Generation im "Familienunternehmen, das schließt auch unsere Mitarbeiter ein", berichtete er über Werte und alte Werbekampagnen "die ich liebe", aber noch mehr über den Wandel im Kaufverhalten, in den Vertriebskanälen und wie sich das Unternehmen mit neuen Produkten und Änderungen im Auftritt in den letzten anderthalb Jahrzehnten daran angepasst hat.  

Seit 2010 betreibt mey eigene Ladengeschäfte, jedoch mittlerweile nicht mehr wuchtig mit Ware vollgestellt, sondern luftig und hell, wie die Bilder der Präsentation zeigten. "Die Stores sind unsere Bühne",  erklärte Matthias Mey.  Ohne Filter von Partnern lasse sich in den 30 Geschäften die Marke inszenieren und auch verkaufen, wenn das Preis-Komfort-Verhältnis stimmt: "Ist es sauber? Sind die Kabinen geräumig? Will sich hier eine Frau ausziehen?"  

Der in der Branche einmalige Dreiklang aus Tag- und Nachtwäsche sowie Dessous, auf die auch beim Umsatz jeweils ein Drittel entfalle, ermögliche es mey, einen "Total Look" mit "starken Warenbildern im Fachhandel und starken Schaufensterkonzepten" anzubieten. Nicht zuletzt gehe es dabei auch darum, die Vorzüge "unsichtbarer" Produkte herauszustellen, etwa nahtlose Slips oder BHs, die sich nicht unter der Bluse abzeichnen - oder auch das "Drunterhemd" im Hautton mit V-Ausschnitt,  Einsätzen unter den Achseln und verlängertem Rücken, damit es nicht beim Bücken aus der Hose rutscht und Mann den Oberhemd-Kragen öffnen kann, ohne ein verschwitztes T-Shirt zu zeigen. "Damit machen wir mittlerweile 10 Prozent unseres Umsatzes bei den Herren", sagte Matthias Mey, dass die innovativen Produkte ihre Stärke nicht auf der Schaufensterpuppe, sondern erst durch die Beratung richtig ausspielen können. "Wenn niemand da ist, der Ihnen erklären kann, warum das teurer ist, dann kaufen Sie es auch nicht", betonte Mey die Bedeutung des Fachhandels.

Vor Ort in Albstadt schule mey pro Jahr 400 Verkäuferinnen inklusive Betriebsführung durch die Produktion, denn "Product first" sei das Leitmotiv. Trotz stagnierendem Online-Handel und Insolvenz-bedingtem Umsatz-Ausfall von rund 5 Millionen Euro im Einzelhandel erwarte mey für dieses Jahr ein neues Rekordergebnis. Das Wachstum sei nur zu erreichen, weil sich mey als relativ kleiner Marktteilnehmer - gemessen an globalen vertikalen Marken - wendig durch das "Haifischbecken" bewege und sich zuweilen auch etwas aufplustere, wie Matthias Mey anhand einer virtuellen Social-Media-Kampagne zeigte, die passend zum postfaktischen Zeitalter vorgab, dass mey zur letzten Bundestagswahl prominente Plakatflächen in Berlin mit nicht gänzlich unpolitischen Statements bespielt habe.  Prominenz aus der globalen A-Kategorie zu verpflichten, sei dagegen ein größeres Risiko, gab Matthias Mey einen kleinen Einblick in die finanziellen Größenordnungen: "Wir hatten da vor kurzem Verhandlungen. Da gibt man 1.5 Millionen Euro aus und hat noch keine Werbung gemacht." Letztendlich komme es für den Hersteller darauf an, den B2C-Bereich zu verstärken “Mir ist es egal, wo die Kunden kaufen. Hauptsache, sie kaufen mey.”