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News vom Marketing-Club Neckar-Alb
I sott a Motorrädle hau
MCNA vor Ort // Juni 2025
"Das erste was man als Nachfolger machen muss: Den elterlichen Betrieb radikal digitalisieren", stieg Fabio Limbächer selbstbewusst, aber für einen Vertreter der Gen Z thematisch nicht überraschend in seinen Vortrag beim Club-Abend im Juni an der Reutlinger Motocross-Strecke ein. Der Prokurist des deutschlandweit größten Motorradhandels Limbächer & Limbächer überließ seinem Vater Klaus Limbächer die dreieinhalb Jahrzehnte Firmenhistorie und den Nachwuchskräften des 1. Rad- und Motorsportclubs Reutlingen die spektakulären Sätze im Gelände. Selbst erklärte Fabio Limbächer nähere Ziele und die entsprechenden Zielkonflikte: "Wenn es nach mir geht, ist der Betrieb in zwei Jahren komplett papierlos - aber nicht nach den Mitarbeitern."
Auf das angemessene Tempo kommt es an. Das machten die vier jungen Talente deutlich, die Florian Allramseder, Vorsitzender des 1.RMC, zu Beginn des Abends für ein paar Demonstrationsrunden auf die Strecke schickte: Wer nicht beherzt am Gasgriff dreht, kommt nicht über den Buckel und zeigt keine großen Sprünge. Wer das Augenmaß verliert, riskiert eine Bruchlandung. Marketing-Club-Präsident Christoph Koppensteiner bedankte sich nicht nur für die Gastfreundschaft im Clubhaus an der Lohmühle und die Vorführung, sondern auch für den "hohen gesellschaftlichen Wert, wenn junge Menschen ihre Leidenschaft entdecken und entwickeln können." Hier konnte wiederum Klaus Limbächer einhaken, der von den Anfängen des Zweiradgeschäfts mit seinem Bruder Fritz auf dem elterlichen Grundstück in Echterdingen Anfang der 90er-Jahre erzählte. "Fast 20 Jahre hat es gedauert, bis wir die Substanz der Firma aufgebaut haben", fasste Limbächer senior die Schritte über die Umsiedlung in eine Filderstädter Industriebrache, die Verträge mit immer weiteren Herstellern und die Übernahme mehrerer Betriebe zusammen. Mittlerweile vertritt Limbächer & Limbächer 14 Kraftradmarken und betreibt zwei Häuser mit E-Bikes, was der Unternehmensgruppe in einem ansonsten recht kleinteiligen heimischen Markt eine herausragende Stellung verleihe.
Klaus Limbächer sprach vom Vertrauen seiner Eltern in deren Söhne, als diese beim Start des Unternehmens mit ins Risiko gingen. Entsprechend plädierte er dafür, die jüngere Generation früh in die Verantwortung zu nehmen. Das gelte für seinen Sohn Fabio, der bereits während der Lehre in der 2018 übernommenen Betzinger Motorradhandlung Speer Führungsaufgaben übernahm, als auch generell für die Azubis im Unternehmen, die sich während der Ausbildung fachlich und persönlich zu vollwertigen Mitarbeitern entwickeln sollen. "Neun von zehn Auszubildenden wollen nach ihrem Abschluss bei uns bleiben", betonte Klaus Limbächer, wie wichtig es sei, den Fachkräftenachwuchs konsequent einzubinden. Mit Blick auf das derzeit organisatorisch reduzierte Oldtimer-Geschäft ließ Klaus Limbächer anklingen, dass seine Branche auf die Ausbildung der Jugend setzen muss, denn trotz geringer Fluktuation sei schon Personal, dass sich noch mit der bewährten Technik auskennt, schwer zu finden.
Bei einer Zwischenfrage kam Club-Schatzmeister Thilo Schmid auf BMW zu sprechen, was sowohl seinem Sitznachbarn Frank Hindennach, Geschäftsführer bei Menton, als auch Fabio Limbächer selbst ein Lächeln entlockte. Fabio Limbächer berichtete von einem Praktikum, dass er einst bei Menton absolviert hatte und ließ etwas kokett offen, ob er dort wohl einen Ausbildungsplatz bekommen hätte. Durch die Aufgabe bei Speer kam es jedenfalls anders: "Ich habe meine Azubi-Aufgaben vor und nach den Öffnungszeiten erledigt und den Tag möglichst nah an den Kunden verbracht", gab Fabio Limbächer einen Hinweis, wie es zu einem seiner liebsten Digitalisierungsprojekte im Unternehmen kam. "Verkäufer sind Künstler", schloss er sich nicht explizit aus, "besonders wenn sie ihre Provisionen abrechnen." Und weil geduldiges Papier besonders viel Kreativität erlaubt und noch mehr Aufwand in der Buchhaltung produziert, wurde dieser Prozess von indischen Programmierern "auf eine halbe Minute eingedampft - und die Buchhaltung kann mit einem Klick genehmigen oder ablehnen."
Das neue CRM liefere automatisierte Erstantworten auf Anfragen per E-Mail. Bei der Annahme von Telefonaten gebe es jedoch noch eine Hürde auf Seiten der Kunden, wenn sie mit dem System interagieren sollen: "30 Prozent legen lieber gleich auf – noch. In zwei Jahren werden wir jede Pizza bei der KI bestellen," zeigte sich Fabio Limbächer sicher, dass diese Hemmschwelle bald fällt. Ein interner Chatbot für die Mitarbeiter habe sich in der Praxis nicht gelohnt, denn "das bekommt man mittlerweile so im Internet", räumte Fabio Limbächer ein, dass man nicht immer bei der Avantgarde dabei sein muss. Vom KI-Einsatz in der Einarbeitung neuer Mitarbeiter durch Video-Module zeigte er sich aber voll überzeugt, auch wenn es zu seinen persönlichen Lasten gehe: "Durch die Videos nehmen mich die Neuen gleich als Chef wahr. Der Klaus macht nachmittags Feierabend und zu mir kommen sie noch um 20 Uhr." Was aber nicht heißen soll, das Klaus Limbächer alles Neue auf seinen Sohn abwälzt. Bei der Vermarktung elektrischer Motorräder, die Limbächers hatten eine ausgewachsene Motocross-Maschine mitgebracht, nahm der Firmengründer die Hersteller in die Pflicht, die in diesem Bereich nach seinem Geschmack nicht ihre Möglichkeiten ausnützten und zu brav auf abgasfrei und leise setzten. Der Freizeitspaß Motorrad verkauft sich demnach nicht über Emissionen, sondern über Emotionen.