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News vom Marketing-Club Neckar-Alb
Die Kundenbeziehung als Prozess
MCNA vor Ort // Februar 2026
Hohe Erwartungshaltung, wenig Klarheit: Künstliche Intelligenz ermöglicht es Unternehmen, unbegrenzt Inhalte für Kampagnen zu erzeugen und die Datenkrake alle verfügbaren Informationen im Netz einsammeln zu lassen. Über Nutzen und Nutzung werde aber noch in weiten Teilen der Wirtschaft gerätselt, stellte Oliver Widmann, Marketingleiter der Tübinger relyon AG, beim Club-Abend im Februar die Ausgangslage für die Frage des Abends dar: "Wie kann das Marketing durch Automatisierung den Umsatz mitgestalten, anstatt nur mehr Leads zu liefern?" Seine kurze Antwort rechtfertigte die folgenden detaillierten Ausführungen: "Es geht nicht um Kreativität, sondern um Systemlogik."
Widmann gab tiefe Einblicke, wie relyon Marketing und Vertrieb rückkoppelt, entlang der Customer Journey Messpunkte setzt und die Daten in einem Scoring auswertet. Während Club-Schatzmeister Thilo Schmid in seiner Begrüßung noch von der möglichst begeisternden Kundenreise gesprochen hatte, machte Widmann deutlich, dass es auf der Anbieterseite noch viel mehr herauszuholen gibt, wenn jeder Übergabepunkt als Conversion verstanden wird, um automatisiert die jeweiligen Anteile von Marketingmaßnahmen und Vertriebsaktivitäten am Ergebnis zuzuordnen, "damit man dann weitere Umsätze anregen kann."
Besonders greifbar wurde das komplexe System miteinander verschalteter Anwendungen, wenn es um die Kommunikation nach außen ging. So zeigte Widmann, wie sich für die "hyperpersonalisierte Ansprache" Kontaktlisten von Namen und Telefonnummer ausgehend weiter anreichern lasse, indem persönliche Online-Posts, die Firmen-Website, Publikationen oder auch Stellenanzeigen ausgewertet werden: "Hat der schon selber was über KI verfasst oder suchen die gerade jemanden in dem Bereich." Besonders gut, weil noch neuartig, komme derzeit die KI-generierte Sprachnachricht mit der Stimme von Ralf Meckle an, für die Widmann seinem Chef "zwei, drei Stunden lang" Sprachproben abgenommen hatte.
Für Gelegenheitsanwendungen sei ein KI-Werkzeugkasten, wie ihn relyon in Gebrauch hat, zu schnell in der fortschreitenden Entwicklung und auch zu teuer. Widmann sprach von einem Toolkit mit rund 300 Anwendungen. Bei den monatlichen Lizenzkosten komme man so schnell auf 2.000 Euro. Dass man dabei für die Einbindung von Alternativen offenbleiben sollte, illustrierte er anhand eines zweiminütigen Weihnachtsvideos, dass er nach eigener Aussage innerhalb von sechs Stunden Einstellung für Einstellung geprompted hatte: "Zwischendurch habe ich das chinesische Modell genommen, weil es bessere Ergebnisse brachte." Insgesamt sei beim Thema Bewegtbild für qualitativ überzeugende Ergebnisse noch "ein halbes Jahr" abzuwarten. Das Erstellen von illustrierten Blogposts, wichtig für die Relevanz durch Zitate, habe sich indes bei relyon bereits bewährt. Mit sorgfältigem Briefing ließen sich im Sprachstil abwechslungsreiche Beiträge erzeugen. Trotz genauer Endredaktion und zuweilen nötigem zweiten Versuch spare dies viel Arbeitszeit.
Bei aller Automatisierung ließ Gastgeber Ralf Meckle die menschliche Komponente in der Fragerunde nicht außen vor und bewies, dass es sich bei relyon um einen IT-Dienstleister handelt. "Wenn eine Rechnung nicht bezahlt wird, dann hat das ja einen Grund. Das kann auch am Support liegen." Und den Blick über den Tellerrand empfahl Meckle schließlich auch noch, als Dr. Daniela Eberspächer-Roth, Phd, anmerkte, dass ihr Geschäftsfeld der rollgeformten Profile nicht die ganz große KI-Spielwiese im Marketing biete: "Sie können die Automatisierung auch für Ihr monatliches Reporting einsetzen", pflügte der relyon-CEO vor dem informellen Teil gleich noch ein neues Themenfeld an.