Was bei uns los ist
News vom Marketing-Club Neckar-Alb
Best Art is a Good Heart
MCNA vor Ort // Januar 2026
„Wir kriegen nichts und wir wollen nichts.“ Einen Satz mit weniger ambitioniertem Klang hat wohl kaum ein Gastgeber des Marketing-Clubs Neckar-Alb je von sich gegeben. Und dennoch brachte Jan Feil, Sohn von Museums-Mitgründer Bernhard Feil, beim Club-Abend im Neuen Kunstmuseum Tübingen lediglich zum Ausdruck, dass sich die Kombination aus Kunst und Handel ohne Subventionen selbst trägt und darüber hinaus Mehrwert für die Stadt bietet.
Eigentlich war der Club mit seinem Besuch etwas zu spät dran, denn das NKT hatte kurz zuvor, rund ein Jahr nach der Eröffnung, dem hunderttausendsten Besucher eine Dauerkarte spendiert. Oder der Club war eine Woche zu früh, da erst der 28. Januar als Tag der Pop Art gilt und die laufende Ausstellung mit dem Titel „HOME AWAY FROM HOME“ das Werk von James Rizzi zeigte. Dass der Nachlass des 2011 verstorbenen Künstlers aus Brooklyn in Tübingen so präsent ist, kommt nicht von ungefähr: Der Kunsthandel Art 28, den Bernhard Feil und sein Geschäftspartner Stephen Hamann betreiben, ist bereits seit über 20 Jahren Rizzis Verlag.
Den „Geschäftspartner“ betonte Bernhard Feil ausdrücklich, wobei er klar machte, dass auch hinter den verspieltesten Bildern, Skulpturen und Konstruktionen nüchtern kalkuliertes Business steckt: „Unser Großhandel bedient ein Netzwerk von 250 Galerien und stattet die AIDA-Kreuzfahrtschiffe mit Kunstwerken aus. Die Warenwirtschaft beruht auf SAP.“ Die Wurzeln in der IT-Branche, von der Feil und Hamann zur Kunst wechselten, kamen im Vortrag immer wieder zum Vorschein. „Daten lügen nicht“, erklärte Bernhard Feil der auf die Vermarktung durch Ticketing-Dienstleister und Displays sowie auf Social Media setzt: “Wir sind das erste Museum in Deutschland, das sich einen Markenbotschafter leistet.“ Der Schauspieler Phillip Danne. Arzt in einer Krankenhausserie, habe schon Fans aus Heidelberg für ein Selfie nach Tübingen gelockt, schmunzelte Bernhard Feil. Die „gut bezahlte“ Zusammenarbeit sei indes nur auf begrenzte Zeit ausgelegt. Wenn die Fanbase mit Botschaften des Museums abgedeckt sei, gelte es, die Popularität eines neuen Influencers anzuzapfen.
Eine weitere Datenquelle für das NKT ergibt sich aus der Tübinger Parkraumbewirtschaftung, die vielen Besuchern die Entscheidung für den Museums-Parkplatz mit Kennzeichen-Erkennung an den Schranken abnimmt. Die Herkunft der Fahrzeuge lasse darauf schließen, dass der Schwarzwald eine natürliche Barriere zum Rhein bilde. Werbung entlang der A81 und bis in die Kurpfalz zahle sich indes spürbar aus. Wichtig sei indes auch die Ausrichtung auf das Publikum. „Ich mache lieber Loriot als Anselm Kiefer“, gab Bernhard Feil zu bedenken, dass prestigereiche schwere Kost zwar kurzfristig das Haus fülle, aber auch Stammpublikum abschrecken könne. Auf die eigene unternehmerische Überzeugung und Unabhängigkeit legte er ohnehin großen Wert. So äußerte Bernhard Feil Unverständnis über zusammengestrichene Etats für Kultur in öffentlichen Haushalten, denn jeder darin investierte Euro bringe der Kommune wieder 2,60 Euro zurück, wie er aus einer Studie zitierte. Dennoch ziehe das Steuergeld auch die Vorschläge und Ideen aus der Politik mit sich. Wie gut die Museumsmacher darauf verzichten können, zeigte sich daran, dass Bernhard Feil Corona ironisch etwas Gutes abzugewinnen vermochte: Für den Neubau war kein Architektenwettbewerb notwendig, das NKT konnte direkt an den Wunschpartner vergeben. Dabei hatte Bernhard Feil noch einen Tipp parat: „Nehmen Sie die Handwerker, die der Architekt schon kennt.“ Das werde etwas teurer, aber man bleibe näher am Plan.
So gänzlich sein eigenes Ding mache das NKT, das mit Likörellen von Udo Lindenberg eröffnete, in Tübingen freilich nicht. Bernhard Feil reklamierte für sein Haus, der Treiber für einen gemeinsamen PR der heimischen Museen zu sein. Auch das Gastgewerbe habe ihm schon für zusätzliche Umsätze gedankt. Der Standort entspreche seiner eigenen Maxime der Verbindlichkeit im Geschäftsumgang: “Wenn ich dem Lieferanten sage, dass ich 10 Kilometer Leisten für Rahmen brauche, kann ich nicht nur 2 Kilometer abnehmen.“ In Tübingen müsse man besonders aufpassen und immer fair und offen sein. Darum werde das Museum im Laufe des Jahres seinen Vernissage-Raum an ein Kuratorium übergeben, „damit das kein Geschmäckle bekommt.“