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News vom Marketing-Club Neckar-Alb

Anleitungen für den PraKIkant

MCNA-Lunch // Juli 2025

"KI ist mehr als ein weiteres IT-Projekt", gab sich Oumar Langer, Geschäftsführer des Stuttgarter Unternehmens KI Schulungen, beim Format "Lunch and Learn" im Juli gewiss, dass der Arbeitsalltag bereits umfänglich von Künstlicher Intelligenz tangiert, wenn nicht gar durchdrungen ist. Von den wissenshungrigen Club-Mitgliedern beim lehrreichen Mittagessen im Tübinger Restaurant "Japengo" hatten praktisch alle Anwendungsbeispiele parat, von der Zusammenfassung von E-Mails über Content-Creation für die Website bis hin zu steuerlichen Gutachten "mit erstaunlichen Ergebnissen, manchmal stimmen sie sogar", wie Siegbert Dierberger von Versuchen bei der RWT schmunzelnd berichtete.

"Die KI halluziniert gewaltig", räumte Langer unumwunden ein, dass die Sprachmodelle aus den im Internet kursierenden Inhalten die jeweils wahrscheinlichste Antwort auf eine Frage zusammenstellen, was nicht unbedingt harten Fakten oder anwendbarem Recht entsprechen müsse. Zudem seien die meisten Anwendungen als "People Pleaser" programmiert, die im Zweifel eher das vermeintlich gefälligste Resultat ausgeben. Unabhängig davon stelle sich für Unternehmen aber die Frage, "wenn nicht mehr Google sondern ChatGPT nach einer Restaurantempfehlung in Tübingen gefragt wird", wie man in diese Ergebnisse hereinkomme. Bezahlte Suchergebnisse gebe es noch nicht und auf die SEO-Keywords auf der eigenen Website komme es auch nicht besonders an. Vielmehr müssten sich Firmen darum kümmern, mit "hochqualitativen Inhalten auf hochfrequentierten Plattformen" aufzutauchen, um von der KI als relevant wahrgenommen zu werden. Dies könne etwa auch Trustpilot oder Wikipedia sein, sagte Langer, den Vorstandsmitglied Judith Kaltarar nach einer Zusammenarbeit bei ERBE für den Club kontaktiert hatte.

Um echten Nutzen bei der Arbeit aus der Technologie zu ziehen, komme es auf die Aufgabenstellung, also die Prompts, an. "Stellen Sie sich die KI wie einen Praktikanten in Ihrem Betrieb vor. Je genauer die Prompts sind, desto besser lernt und arbeitet er." Wobei sich die Zahl der Informationseinheiten, Tokens, die gängige KI-Modelle gleichzeitig verarbeiten können, zuletzt sprunghaft nach oben entwickelt habe, wie Langer mit Blick auf die Bildgenerierung anmerkte. Videos seien bereits so weit, dass einige Firmen ihre eigenen künstlichen Influencer auf den einschlägigen Plattformen Angebote darbieten lassen. "Gruselig", kommentierte Langer ein Beispiel - und meinte damit nicht die Qualität des recht lebensecht plaudernden Avatars. Blindes Vertrauen sei im Umgang mit KI nicht angebracht, aber Kommunikation in beiden Richtungen: "Fragen Sie Ihre Anwendung, wie die Prompts aussehen müssen, damit sie bessere Ergebnisse liefert, arbeiten Sie mit Perspektivwechseln und Szenarien mit der Vorgabe 'Stell Dir vor, Du bist...'. Lassen Sie sich Fragen stellen. Ich führe da richtige Gespräche." Entsprechend sei es auch wichtiger, den Umgang mit den angewendeten Tools kontinuierlich zu verbessern, als sich ständig nach Neuerungen umzuschauen, zumal derzeit rund 30.000 KI-Tools auf dem Markt seien.

Anhand mehrerer Tools demonstrierte Langer, wie sich ein Wust an Informationen schnell und übersichtlich in unterschiedliche Endformen aufbereiten lässt - "das kann dann ein HTML-Code oder ein Video-Transkript sein" - oder auch wie mit wenigen Stichworten und Klicks ein Grundgerüst für eine Präsentation zum Wirtschaftsstandort entsteht, in die sich dann je nach gewünschter Tiefe noch eigene Daten und Bilder einhängen lassen. Wie er persönlich einen automatisierten Workflow mit dem Tool "N8N" - laut Langer "der einzige deutsche Stern" - erstellt, erklärte der KI-Profi anhand eines Podcasts, den er interessant, aber viel zu lang findet: In diesem Prozess wird das Audio-Format nach Erscheinen von ChatGPT in Textform umgewandelt, auf die relevanten Teile eingedampft und per E-Mail zugestellt, wobei es bei der Relevanz wiederum auf die Vorgaben in den Prompts ankomme. Der Vorgang lasse sich zu einem Newsletter erweitern, wobei Langer empfahl, diesen nur bis zum Entwurf zu automatisieren: "Was Sie unter Ihrem Namen versenden, fällt auf Sie zurück. Sie können sich nicht auf die KI herausreden."

Für das Haupteinsatzgebiet von KI hatte Langer eine Definition parat, die fast wortgleich schon David Reger, Gründer von Neura Robotics, beim Club-Abend im Juni 2024 verwendet hatte: Wiederkehrende Aufgaben, die keinen Spaß machen. "Man muss aber auch zusehen, dass man eigene Fähigkeiten erhält. Ich schreibe bewusst Texte auf Französisch selber", unterschied Langer zwischen Arbeitserleichterung und Bequemlichkeit. Und generell gab Langer, nicht ganz ohne Hinweis auf die eigene berufliche Daseinsberechtigung, zu bedenken, dass "Sie mit der KI ihre Steuererklärung machen können, für Beratung braucht es aber den Menschen." Dass an einer Wiederholung an sich nichts dröge sein muss, zumal sich die Technologie stetig rasant verändert, bestätigte Christoph Koppensteiner, der zum Schluss bei Langer gleich für einen weiteren Termin im Sommer 2026 vorfühlte. Und im Gegensatz zur KI-Etikette, in der stromfressende Förmlichkeiten verpönt sind, bedankte sich der Club-Präsident beim Referenten angemessen ausgiebig.