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Was bei uns los ist

News vom Marketing-Club Neckar-Alb

Adrenalin und Endorphin

MCNA vor Ort // September 2025

MCNA, der Motorsport-Club Neckar-Alb - wer nur flüchtig auf die diesjährigen sommerlichen Aktivitäten im Programm schaute, konnte sich in diesem Jahr beim Marketing verlesen: Kart und Kettensägen-Meisterschaften bei Stihl, der Ausflug zur Reutlinger Motocross-Strecke und schließlich im September der Besuch in der Dettinger Garage von Speer Racing hatten alle die Drehzahlen im roten Bereich gemeinsam. 

Die Gastgeber David Fuchs und Wolfgang Finsler, die nach eigenem Bekunden Speer-Racing auf in langjähriger Zusammenarbeit basierendem blinden Vertrauen führen, zeigten bereits an ihren persönlichen Lebensläufen auf, dass sie sich in einer sehr speziellen Nische bewegen, in der die Dienstleister hohe intrinsische Motivation brauchen und darüber hinaus die Kunden keinen Igel in der Tasche haben dürfen. Club-Präsident Christoph Koppensteiner deutete in seiner Einleitung auf Finslers Armbeuge und erklärte "Benzin im Blut" als Grundvoraussetzung für alle Beteiligten. Damit alleine sei es indes noch nicht getan, wie Finsler ausführte: Strukturierte Organisation, intensive Kontaktpflege und vor allem Sicherheit seien Kernbestandteile der Angebote von Speer-Racing, die hauptsächlich darin bestehen, Fahrer (und eher selten Fahrerinnen) auf zwei und vier Rädern bei ihren sportlichen Ambitionen auf europäischen Rennkursen zu unterstützen. "Mit Flyer-Werbung oder einem Newsletter geht bei uns nichts", sagte Finsler. Sowohl als Arbeitgebermarke wie auch bei der "rar gesäten Kundschaft" sei für Speer-Racing der persönliche Kontakt in der Community das probateste Mittel. Immerhin lasse sich mittlerweile in den Social Media-Auftritten von Kunden und Partnern die Marke Speer-Racing platzieren – etwa in Form von Startnummern oder T-Shirts mit Logo. 

Während Speer-Racing bereits seit Mitte der 80er-Jahre im Rennmotorrad-Bereich aktiv ist, kam das Unternehmen erst vor rund 10 Jahren mit dem Thema Rennautos in intensiveren Kontakt, wie David Fuchs darlegte. Seit 2021 gibt es die Marke "Paragraph5", angelehnt an die Vorschriften zum Überholvorgang in den Straßenverkehrsregeln, die es beispielsweise möglich macht, im geliehenen Aston Martin auf Spikes über Eis zu driften. Fuchs legte allerdings den Fokus auf die Angebote unter der Rubrik "4Pros", die sich an Rennteams aus Serien für GT3-Fahrzeuge und Le Mans Prototypen richtet. "Paragraph 5" organisiert für die Rennställe die Testläufe, bei denen sich die Fahrer, also die Endkunden, mit ihren Autos für die Saison trainieren. "Der Rennstall verkauft Zeit hinter dem Lenkrad, wir verkaufen die Strecke und den Termin", brachte Fuchs das B2B-Geschäft auf den Punkt. Dabei komme es vor allem darauf an, Regularien und Rennkalender genauestens zu kennen, um dann die passenden Pakete zu schnüren. "Wenn man dann zwei namhafte Teams als Kunden hat, bringen die gleich noch ein paar andere mit", erklärte Fuchs, wie es Paragraph 5 "soweit ich weiß" in recht kurzer Zeit zum Marktführer in diesem Segment gebracht hat. "ISO-Zertifizierung und hohe Professionalität" führte Finsler als Alleinstellungsmerkmale im Wettbewerb an, was von Geschäftskunden aber auch Partnern wie BMW, für die Speer-Racing die Fahrschule für Rennmotorräder betreibt, honoriert werde. Beim Endkundengeschäft mit Motorradfahrern drohe indes schnell gefährliche Schräglage, wie Finsler anmerkte.

Allein auf Enthusiasmus und langjährige Branchenerfahrung könne man sich bei Speer-Racing nicht verlassen. "Unser Geschäftsmodell ist toxisch", sagte Finsler, der damit nicht die Emissionen meinte. Das Unternehmen müsse die Strecken ein Jahr im Voraus bezahlen, was pro Wochenende bis in den sechsstelligen Bereich gehe, ohne zu wissen, ob das Event dann auch ausgebucht sein wird. Die Marge hänge von den letzten zehn Prozent der Buchungen ab, rechnete Finsler vor. "Wir haben auch schon einmal 2.700 Euro Verlust pro Tag gehabt - und mussten trotzdem gut drauf sein." Die derzeit 8.000 Kunden pro Jahr betrachtete Finsler mit – zugegebenem – Zweckpessimismus mit Blick auf die Kunden. Diese bestehe hauptsächlich aus Personen zwischen 40 und 60 Jahren mit einem Netto-Einkommen ab 4.600 Euro aufwärts. Finsler zeigte dabei auf einen Motorrad-Hinterreifen, der mittlerweile 350 Euro koste und auf der Rennstrecke einen halben Tag lang halte. "Dann haben Sie ihr Motorrad aber noch nicht einmal umgeworfen – und bei uns ist nicht die Frage ob, sondern wann man stürzt." Gerade die Kundschaft aus dem Automotive-Bereich werde sich künftig zurückhalten, prognostizierte Finsler, der dabei den Finger am Puls der Branche hat: Wie Finsler mit bittersüßer Miene erzählte, ist Speer-Racing in Kirchentellinsfurt Vermieter für die vor dem Aus stehende Porsche-Tochter Cellforce. Club-Beirätin Dagmar Eisenbach brachte denn auch sehr behutsam in der Abschlussrunde Vorschläge zum Zuschnitt der Zielgruppen vor und regte Events speziell für Frauen oder mit niedrigeren finanziellen Hürden an. Im Gegensatz zur Rennstrecke war diese Vorsicht jedoch unnötig. Finslers Antwort kam mit strahlendem Lächeln: "Damit habe ich diese Woche schon einen Zettel vollgeschrieben."