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News vom Marketing-Club Neckar-Alb
Ab in den Urlaub
MCNA vor Ort // März 2025
Umsatz- und Mitarbeiterzahlen eines Unternehmens reichen manchmal nicht aus, um die Wirkung eines Unternehmens zu erklären. EPflex-Geschäftsführer Georg Uihlein griff bei der Vor-Ort-Veranstaltung im März auf eine andere Kategorie zurück: "Täglich werden 30.000 Patienten mit unseren Drähten minimalinvasiv behandelt." Das Vertriebsgeheimnis, wie der in Dettingen/Erms ansässige Medizintechnikhersteller zu den heutigen Dimensionen gekommen ist, verriet Georg Uihlein gleich mit: "Wir haben abgearbeitet, was an Aufträgen reinkam."
Die vermeintlich gute alte Zeit, als sich eine Marktnische fast von selbst weitete, liegt nur eine Unternehmergeneration zurück. Zumindest erweckte Club-Präsident Christoph Koppensteiner mit seinem Blick ins Jahr 1994 diesen Eindruck, "als die USA noch ein freies Land und Europa sicher waren und Bernhard Uihlein in der Garage neben dem Kettcar zu tüfteln begann." Dessen Söhne Dr. Johannes und Georg Uihlein, die seit 2019 die Geschäftsführung bilden und sich beim Club-Abend die Gastgeberrolle teilten, waren damals vom Laser beeindruckt, den ihr Vater aufgestellt hatte, aber auch vom Arbeitspensum des Firmengründers. "Alleine hätte keiner von uns den Betrieb übernommen", räumte Georg Uihlein freimütig ein, dass beim Generationswechsel Teamwork gefragt war. Dazu habe dann auch ein Moderator gehört, der eine Charta für den Familienbetrieb erstellt und die Werte und die Vision festgeschrieben habe. "Mit diesem moralischen Vertrag sind wir mehr als happy", empfahl Georg Uihlein die Vorgehensweise. Die Nachfolge selbst sei indes eher im Hauruckverfahren vonstattengegangen: Nachdem die Söhne 2016 ins Unternehmen eingestiegen waren, nahm sich der Senior 2019 vier Wochen Auszeit - "manche nennen das auch normalen Jahresurlaub", ließ Georg Uihlein durchblicken, dass so etwas in der Familie wohl eher ungewöhnlich war. Nachdem der Chef bei seiner Rückkehr keine rauchenden Trümmer vorfand, "hatten wir einen Monat später einen Notartermin", so Georg Uihlein. Bis auf die Betreuung eines Großkundens habe sich Bernhard Uihlein seitdem aus dem operativen Geschäft herausgezogen.
Machen sei schon immer die Devise gewesen, was Georg Uihlein an einer anderen Anekdote aus der Gründungszeit des Unternehmens illustrierte: Damals habe der Betrieb den Auftrag für 4,5 Meter lange Führungsdrähte für den Gastrointestinaltrakt erhalten, sprich: Das Instrument muss sich geschmeidig um einige Darmwindungen herumbiegen. Ohne entsprechend große Werktische fand die Produktion nach Rücksprache mit dem Auftraggeber "auf dem gewischten Flurboden" statt. Das Biom im Einsatzbereich habe dies zugelassen. "Heute machen wir das im Reinraum der Kategorie 8", versicherte Georg Uihlein. Wie EPflex im Reinraum Oberflächen bearbeitet, schleift, beschichtet, markiert, schweißt oder klebt, damit sich Drähte biegen, Spiralfedern Gefäße vor Verletzungen schützen und sich über Schläuche die eigentliche Behandlung durchführen lässt, war bei der Führung durch die Produktion eingeschränkt zu sehen. Auf den fertig verpackten Produkten, neben Führungsdrähten vor allem Fangkörbe für Nierensteine oder hochflexible Schlingen, stehe zu 90 Prozent der Name eines anderen Herstellers, was Georg Uihlein auch damit erklärte, dass diese Abnehmer ihre Zertifizierungen für den US-Markt zur Anwendung brächten. Grundsätzlich decke EPflex die ganze Bandbreite von kleinen Stückzahlen bis zur Großserie ab, auch von der Bulk-Herstellung für andere Anbieter bis hin zum fertig sterilisierten und verpackten Produkt.
In einem kleinen Exkurs erklärte Georg Uihlein, dass der europäische Marktzugang in den vergangenen Jahren im Vergleich zu Amerika nicht nur schwieriger geworden sei, sondern die europäischen Regularien zuletzt Innovationen zum Stillstand gebracht hätten. Demnach habe die Branche "auch seit Jahrzehnten bewährte Produkte", wie Dr. Johannes Uihlein einwarf, neu zertifizieren lassen müssen. In der Folge gab es keine Neuentwicklungen und einige nützliche, aber unprofitable Produkte seien weggefallen, wie Georg Uihlein beklagte. Auch bei EPflex seien zuletzt im Innovationszentrum, wo "Kunden mit einer Aufgabe kommen und einem Muster gehen", so Georg Uihlein, Auftraggeber aus der EU rar gewesen: "Wir arbeiten an Entwicklungsaufträgen aus Nordamerika und Israel."
Die Weiterentwicklung minimalinvasiver Behandlungen als schonende Methode, die Leiden verringert, gehöre jedenfalls fest zur Mission des Unternehmens, wie Georg Uihlein ausführte. Und das Entwicklungszentrum bleibe weiterhin komplett in Dettingen, wie Dr. Johannes Uihlein versicherte. Mit der Produktion sehe es etwas anders aus: Dort sei zwar die Erweiterung um ein Werk IV komplett geplant und genehmigt, jedoch habe EPflex aus Personalmangel zunächst einen anderen Weg eingeschlagen und sich in einem Industriepark in Costa Rica eingekauft. Hohe Umweltstandards, ein gutes Bildungsniveau, fingerfertige Arbeitskräfte und die Unterstützung vor Ort hätten für die Produktionsstätte in dem zentralamerikanischen Land gesprochen, die 2026 in Betrieb gehen soll. "Wir verlagern nichts", versicherte Georg Uihlein, dass es sich um ein Expansionsvorhaben handle, wobei es der künftige Mindestlohn in Deutschland von 15 Euro und 5 Dollar für angelernte in Costa Rica schon sinnvoll erscheinen lasse, "einige Sachen dort machen zu lassen". Die Dettinger Belegschaft sei von der Internationalisierung jedenfalls begeistert, was laut Georg Uihlein vielleicht auch an der Perspektive liege, Trainings in einem attraktiven Urlaubsland durchführen zu können.