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DEZEMBER 2019 _ Aichtal

ALDI SÜD - Einfach nah

Aldi informiert

Am Donnerstag schauen, was Aldi zum Wochenende im Angebot hat? Mit dem Marketing-Club kein Problem – und das direkt in der Aichtaler Zentrale. Die Nachfolger von Karl Albrecht wollen Aldi Süd ein offeneres Image geben, als es der Unternehmensgründer und dessen den Norden beherrschender Bruder Theo einst anlegten. Darum durften die Besucher bei der Wanderung durch die Lagerhallen zwar nicht alles essen, aber vieles wissen.

„Aldi-Talk“, also im wesentlichen Smartphone-Tarife, nannte Club-Vizepräsident Michael Prax in seiner Anmoderation als die umsatzstärkste Produktgruppe des Unternehmens. Über sich selbst zu reden, damit tat sich die Handelskette aus Mühlheim /Ruhr über Jahrzehnte schwer. „Aldi war früher ein Mysterium“, grenzte Andreas Grupp, Leiter der Filialentwicklung bei Aldi Süd, das aktuelle Vorgehen bei Öffentlichkeitsarbeit und Werbung von der Abschottungsstrategie vergangener Tage ab. Wie groß dieser Sprung für das Unternehmen gewesen sei, illustrierte er an einer kurzen Frage: „Wofür bist Du Feuer und Flamme?“ Bei der Ansprache – in diesem Fall potenzieller Azubis – auf die  Höflichkeitsform zu verzichten, sei noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen. „Duzen ging im Unternehmen höchstens auf der gleichen Hierarchieebene. Stieg jemand auf, ging es zwingend zum Sie zurück“, blickte Grupp auf vergangene Zeiten.

Zur Fachkräftegewinnung seien allzu distanzierte Umgangsformen nicht geeignet, verwies Grupp auf zwei divergierende Zahlenwerte: „Wir haben einen Bekanntheitsgrad von 98 Prozent, gleichzeitig finden weniger als 3 Prozent der jungen Leute unsere Branche attraktiv.“ Home-Office könne ein Discounter nicht bieten, Arbeitszeiten an Wochenenden und Feiertagen seien auch bei einem der „größten Händler von Wein, Schlangengurken und Textilien in Deutschland“ unvermeidbar. Darum heiße es jetzt also bei Aldi-Süd „Einfach nah“, was sich auch auf die Kanäle in  Internet und Social Media beziehe, über die Aldi Nachwuchskräfte zu erreichen suche: „Wir haben ein 20-köpfiges Online-Team.“ Analog dazu beschreitet die Arbeitgebermarke Aldi neue Wege abseits Gehalt und Vergünstigungen. Als Beispiel führte Grupp eine für das Southside Festival errichtete Zelt-Filiale nebst eigenem Camp und Freizeitangeboten an. Für die vier Tage habe es aus der Belegschaft von Aldi-Süd auf Anhieb mehr Bewerbungen als Plätze gegeben. Die Mischung aus Arbeit und Erlebnis sei so gut angekommen, dass eine Wiederholung sicher sei. 

Die Nähe zu den Kunden erreiche Aldi derweil über das Immobilienmanagement, kam Grupp auf seinen Bereich zu sprechen. „Wir sind der Nahversorger vor Ort – egal wo.“ Den idealen Standort mit 1800 Quadratmetern Nutzfläche und gut 5000 Quadratmetern drumherum gebe es nicht mehr so oft, es sei denn, brach liegende Handelsflächen ehemaliger Baumärkte oder Kaufhäuser böten entsprechende Gelegenheiten. Deshalb seien urbane Center-Lösungen, auch in Verbindung mit anderen Vollsortimentern, oder Kombinationen mit Wohnraum, Gastronomie oder Fitness-Studios im kommen. Eine Kita in Stuttgart und ein Studentenwohnheim in Tübingen nannte Grupp stellvertretend.

Wie von Aichtal aus 52 Filialen täglich mit dem Grundsortiment von 1.600 Artikeln, etwas Markenware – laut Grupp unverzichtbar, damit die auf „One Stop“ eingestellte Kundschaft nicht anderswo ihren Einkauf tätigt – und den drei wöchentlichen Aktionen versorgt werden, war im Lager zu sehen. Im ständigen Dialog mit dem Computer über Headset kommissionierten hier die Fahrerinnen und Fahrer einer Armada von Fahrzeugen die Bestellungen für den nächsten Morgen. „In diesem heißen Sommer haben wir bis zu 30 Lastwagen-Ladungen an Getränken täglich umgeschlagen“, vermittelte Teamleiter Jürgen Buchsteiner, der eine der Gruppen führte, eine Vorstellung davon, wie es zugeht, wenn die Logistik auf hohen Touren läuft. Dabei plane das „Pick-by-Voice“-System, das Chargennummern über Kopfhörer vorgibt und sich per Ansage von Kontrollnummern über Mikrofon die jeweils richtige Position bestätigen lässt, mit kleinsten Mengen. So werde sichergestellt, dass in der Stuttgarter Innenstadt genügend und in Münsingen nicht zu viel Sushi im Regal liege. Angeliefert werde im Prinzip immer der tägliche Bedarf der Filialen. Logistik-Dienstleister fahren dafür zuvor die Lieferanten an, Direktlieferungen in die Filialen gebe es mittlerweile nicht mehr. Schwankungen beim Arbeitsaufkommen in der Kommissionierung pendelt Aldi über die Arbeitszeitmodelle aus, wie Buchsteiner erklärte: Viel Teilzeit ergebe mehr Hände und mehr Flexibilität.

Wer von Ballungsraum-Öffnungszeiten verwöhnt nach Führung und Vortrag noch schnell einen der über Aichtal ausgelieferten 100.000 Schoko-Nikoläuse zu ergattern trachtete, die Prax eingangs erwähnt hatte, erfuhr schließlich gleich vor der Filiale nebenan, was Grupp damit meinte: „Stadtmenschen kaufen anders ein.“ Im ländlichen Aichtal hatte der Aldi bereits um 20 Uhr zu.

Hintergrund:
Handel heißt Wandel. Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel ist einer, wenn nicht der am härtest umkämpfte Markt in Europa. Die Dynamik am Markt ist spürbar und in der Branche verändert sich Vieles. Die Händler überraschen ständig mit neuen Ideen, Angeboten und führen einen wöchentlichen Preiskampf. Das Ringen um die besten Filialstandorte ist nach wie vor allgegenwärtig. Die Einzelhändler lassen sich kreative Lösungen einfallen und realisieren flexible Filialtypen, um ihr Filialnetz auszubauen. ALDI Süd versteht sein Geschäftsprinzip in der „Einfachheit“. Egal wo, ALDI ist der Nahversorger vor Ort. Die Regionalgesellschaft in Aichtal bringt dem Club dieses Konzept näher und geht dabei insbesondere auf die unterschiedlichen Filialtypen, von der kleinsten Fläche bis zur XXL-Filiale mit Wohnraum, ein.“

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