Für Mitglieder

rückblick

OKTOBER 2019 _ Reutlingen

E-Mobilität bei Porsche

Vom Pferd erzählt

Als ein „junges lebhaftes Wildpferd“ übersetzte Moderator Dr. Klaus Adam den Namen des Protagonisten beim Oktober-Clubabend im Porsche-Zentrum Reutlingen und konstatierte dem Zuffenhäuser Fohlen beim Blick in die Runde einen noch größeren Publikumszuspruch als 2015 „bei Ferrari“. Nicht anwesend war nur der Taycan.

Aus Gründen - Hausherr Harald Ruff, Geschäftsführer der Hahn Sportwagen Reutlingen GmbH, lud für den 18. Januar 2020 zur offiziellen Premiere ein – durfte sich der erste vollelektrische Porsche noch nicht bei einem Händler zeigen. Eine Enthüllung wie einst beim Maranello-Rappen 488 GTD blieb somit aus. Ruff konnte dem auch Gutes abgewinnen: “Es ist besser, die Produktion sauber anlaufen zu lassen, als ein Auto in den Markt zu drücken.“ Vorbereitungszeit auf das neue Gefährt dürfte den zukünftigen Besitzern gelegen kommen, wie die zum Anlass errichteten Beratungsstände eines Energieversorgers und eines Elektroinstallationsbetriebs andeuteten.

Die Begeisterung Robert Meiers für das neue Modell, das er als Projektleiter verantwortet, schien sich ohnehin kaum bremsen zu lassen. In seiner detailreichen Präsentation stellte der Ingenieur klar, dass es sich um einen „echten elektrischen Porsche“ handele, den er auch selbst arbeitstäglich zwischen seinem Wohnort Karlsruhe und dem Entwicklungszentrum Weissach bewege. „Wir waren damit schon im Ski-Urlaub“ und die bei einem Auto mit 150.000 Euro Einstiegspreis als Referenzobjekt wohl unvermeidliche Golftasche passe sogar doppelt in den Kofferraum, pries Meier die (Winter-) Alltagstauglichkeit des Fahrzeugs. Die Reichweite bezifferte er mit bis zu 450 Kilometern, abhängig von „artgerechter Fahrweise“, die dank Rekuperation der Bremsenergie „bis in den Bereich, an dem das ABS anschlägt“ für Bleifüße leicht erlernbar sei. Kleine Einschränkungen räumte Meier allenfalls bei der Zahl der Sitzplätze ein: Die zwischen den Modellreihen 911 und Panamera eingeordnete Sportlimousine nehme bis zu fünf Personen auf. Hinten in der Mitte sei es aber auf längeren Strecken „ vielleicht nur für ein Kind angenehm“, sagte er mit angelegten Armen. 

Als „immer wieder beeindruckend“, charakterisierte Meier die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 200 in unter 10 Sekunden. Den Ausdruck „Tritt in den Rücken“ hatte in einem Vortrag beim Marketing-Club davor zuletzt der Astronaut Ernst Messerschmid mit positiver Konnotation gebraucht. Geschwindigkeit bringe der Taycan nicht nur in der Spitze (260 Kilometer km/h) sondern auch an der Schnellladesäule: Von 5 auf 80 Prozent in 22,5 Minuten. Die im Unterboden als stabilisierendes Element verbaute Batterie sorge mit ihren 670 Kilogramm für einen extrem niedrigen Schwerpunkt, der in der Formgebung seine Entsprechung finde.

Als „breit und flach“ beschrieb Meier die Karosserie, die windschlüpfriger als jeder andere Serien-Porsche sei. Die „muskulöse Diffusor-Optik“ des Hecks werde nur möglich, „weil man keinen Auspuff unterbringen muss“, hob Meier die neuen Gestaltungsfreiräume hervor, die Elektromobilität mit sich bringe. Jedoch seien auch hier Design und Ausstattung Grenzen gesetzt, wie Club-Präsident Michael Rampf auf seine Frage nach einer Anhängerkupplung „nicht zum Holzmachen, für den Radträger“ erfuhr.

An die Ackergäule aus Friedrichshafen, die einst bei der Feier des 30jährigen Club-Bestehens nostalgisch über das Gelände der Uracher Künkele-Mühle tuckerten und dabei die Präsentation von Tesla kontrastierten, brauchte Rampf auch gar nicht mehr zu erinnern. Die VW-Mutter Porsche hat mit dem Thema Diesel für sich komplett abgeschlossen, wie Meier ausdrücklich betonte. Es sei ein für das gesamte Unternehmen wichtiges Ziel, jährlich 20.000 Taycan „mit Ökostrom und Klima-neutral in der Lieferkette“ zu bauen – und vor allem in den Verkehr zu bringen. „60 Prozent des Panamera sind derzeit Hybride. Wir brauchen Vollelektrisch als weitere Säule“, verwies Meier auf den CO2-Ausstoß der gesamten Porsche-Flotte, den es zu drücken gelte. Kein Zufall also, dass auch Frank-Steffen Walliser; Baureihenverantwortlicher für den 911er, in der ersten Reihe aufmerksam lauschte: Wie gut der Taycan, den es auch in der Ausstattungsvariante „Turbo“ geben wird, in die Hufe kommt, davon könnte auch die Zukunft der Aufladung im Abgasstrom abhängen.

Hintergrund: Die Automobilindustrie befindet sich derzeit in ihrem wohl größten Umbruch. Themen wie diezunehmende Digitalisierung oder die Transformation zur Elektromobilität erfordern hoheInvestitionen und bergen sowohl Chancen als auch Risiken. Gibt es im Zeitalter vollelektrischerFahrzeuge überhaupt noch die Berechtigung für einen Sportwagen? An dieser Stelle wollenwir uns an ein Zitat von Ferry Porsche erinnern: "Das letzte Auto, das gebaut werden wird,wird ein Sportwagen sein."Dr. Robert Meier, Projektleiter Gesamtfahrzeug Baureihe Taycan, wird zeigen, wie gutElektromobilität zu Porsche passt und wie der Sportwagenhersteller sein Portfolio und seineAntriebstrategie ausrichtet, um fit zu sein für die Zukunft. Im Mittelpunkt stehen dabei Einblickein die technischen Highlights des Taycan, dem ersten vollelektrischen Porsche.

© 2020 Marketing-Club Neckar-Alb e.V.