Für Mitglieder

rückblick

APRIL 2019 _ Reutlingen

„Die Welt des Sportmarketings“ + Podiumsdiskussion

Auf dem Stockerl mit dem Hackl-Schorsch

"Ich mache ja jeden Blödsinn mit", nannte Georg Hackl im Reutlinger Domino-Haus einen der wichtigsten Aspekte, die ihn auch noch lange nach der aktiven Athleten-Karriere zum begehrten Werbeträger machen. Den Auftritt beim Marketing-Club Neckar-Alb meinte der frühere Weltklasse-Rodler damit sicherlich nicht, denn bei aller Gaudi begründeten die Gesprächspartner auf dem Podium ihren Einsatz für den Sport mit rationalen Argumenten.

Der Club-Abend im April verknüpfte die Perspektiven von Sponsor, Ausrüster und Sportler. Moderator Michael Rampf berichtete von eigenen Versuchen auf dem Eis, die soweit führten, dass er sogar einmal einen Pokal aus den Händen Hackls empfangen habe. So in die Spur gesetzt, übernahm Frank Essig, Marketing-Chef der Eberspächer Climate Control Systems GmbH & Co. KG, den Part am Abzugbügel. "Wir sind überall vor Ort, wo man als Automobilzulieferer sein muss. Wir haben 10.000 Mitarbeiter an 80 Standorten", ließ Essig die Muskeln von Eberspächer spielen. Der Nutzen für ein im B2B-Bereich tätiges Unternehmen sei schwer zu beziffern, räumte er ein. Messbar sei für den Sponsor aber die Medienpräsenz. Dies gelte insbesondere für die Engagements von "Social-Media-Persönlichkeiten" aus den Bereichen Trial-Bike, Segeln oder Freeskiing, deren Image Eberspächer international auf seine Sparten Abgasreinigung, Klimatisierung und Elektronik für Fahrzeuge zu übertragen trachte. Als Testimonial sei Hackl insoweit eine Ausnahme, da er zwar ausschließlich im deutschsprachigen Raum zum Einsatz komme, dafür aber die gesamte Produktpalette vertrete. Gerade was Aussagen über Produktqualität und Innovationen betreffe, bringe der als Schlitten-Tüftler bekannte Technik-Bundestrainer Hackl besonders viel Vertrauenswürdigkeit mit.

Für die Paddelschläge war dann Handschuhfabrikant Reiner Seiz zuständig. Hoch einzuschätzen seien für die Seiz Technical Gloves GmbH die Kontakte, die sie als Ausrüsterin von Wintersportlern an Eiskanälen, Sprungschanzen und im kommenden Winter auch an Snowboard-Pisten knüpft. Sportlicher Erfolg, wie die sechs Goldmedaillen, die deutsche Athleten bei den olympischen Spielen in Korea mit Seiz-Handschuhen ergriffen, hätten die Marke auf dem Arbeitsmarkt bekannt gemacht. "Einiges wird einfacher, wenn die Leute schon mal das Logo gesehen haben", umschrieb Seiz sein Bemühen um Fachkräfte. Dass Seiz, der 2016 als Gastgeber des Clubs noch über die Tücken der Lederverarbeitung und die Vorteile gestrickter Feuerwehrhandschuhe referiert hatte, überhaupt zum Sport kam, war eine Sache schnellentschlossenen Zupackens gewesen: Einem großen Sportartikler seien einige Winter-Nischen zu klein geworden. Seiz stieß mit Schwung in diese Lücke. "Bei Rodeln und Skeleton haben wir eine Ausrüstungsquote von fast 90 Prozent - das Produkt hat seine Vorteile." Mit Understatement bezüglich der eigenen Fachkompetenz hielt sich Seiz erst gar nicht auf: "Wir sind Ausrüster der Snowboarder geworden, ohne vorher einen einzigen Handschuh verkauft zu haben." Dass er gleich mit drei unterschiedlichen Modell-Linien für die drei Weltcup-Disziplinen an den Start gehen kann, begründete Seiz mit den Umständen in der Branche: "Es gibt keine Handschuh-Macher mehr, nur noch Marken und Designer." Gerade die gemeinsame Produktentwicklung mit den Sportlern sei der große Pluspunkt für die Metzinger Firma, wenngleich es auch Grenzen gebe. So versuchten besonders die prominenteren Skispringer, individuelle Extravaganzen entwickeln zu lassen, die der Vertrag mit dem Verband so nicht vorsehe.

"Dann geht's dahin", umschrieb Georg Hackl die Beschleunigung durch die Schwerkraft in der Eisrinne. Als unbezahlbar stufte er die technische Partnerschaft mit Unternehmen ein: Windkanal, Sensordaten oder Materialentwicklung brächten die kleine und deswegen durchweg auf Höchstleistung getrimmte Sportart weiter voran. Wenn dann Termine im Rahmen der Wettkämpfe anstünden, "dann hat man eigentlich keine Zeit dafür, aber man begleitet es gerne." Rennrodeln sei mit wenigen Hundert Aktiven hierzulande kein Breitensport, erklärte Hackl, der die vier Kunsteisbahnen in Deutschland als großen internationalen Standortvorteil bezeichnete. Deshalb habe er in seinem eigenen Werdegang schon früh die professionelle Ausrichtung angestrebt: Die Ausbildung zum Schlosser legte Grundlagen für den Schlittenbau, die Förderung durch die Bundeswehr sicherte ihm die Möglichkeit, sich ganz auf den Spitzensport einzulassen. Wie er als vielfacher Olympiasieger und Weltmeister nicht nur wegen seiner Erfolge sondern auch als Persönlichkeit das Gesicht seines Sports und öffentlichkeitswirksamer Markenbotschafter wurde, das illustrierte er mit der "Blödsinn"-Bemerkung. Die bezog sich auf seine Titel bei den vom Werbefernsehen ausgetragenen "Wok-Weltmeisterschaften". Steuern lasse sich so ein chinesisches Kochgeschirr kaum, "aber ich hatte immer den Vorteil, dass ich wusste, wie es nach der Kurve weitergeht".

Hintergrund
Sportmarketing ist ein wesentlicher Bestandteil im Marketing-Mix vieler Unternehmen. Oft und vor allem im B2C-Bereich, um die Marke zu stärken, dort wo die Kaufkraft zu erwarten ist. Häufig wird zudem auf Sponsoring gesetzt um die Arbeitgebermarke zu pushen.
Welche Motivation besitzt die Firma Eberspächer Climate Control Systems sich im Wintersport durch Sponsoring zu engagieren? Und warum benennt man einen ehemaligen Weltklasse-Rodler zum Markenbotschafter? Diese und andere Fragen beantwortet Frank Essig.

Die Firma Seiz Technical Gloves ist weltweit führend im Bereich von Feuerwehrhandschuhen und technischen Strickhandschuhen. Was bewegt dieses innovative Unternehmen, sich als Ausrüster im Bereich des Wintersports zu engagieren? Und wie kommt man mit den Playern in diesem Bereich des Hochleistungssports überhaupt in Kontakt? In diese Strategie gewährt Geschäftsführer Rainer Seiz Einblick.

Und welche Aspekte sind für einen Profisportler wie auch für den Sportverband entscheidend, Partnerschaften im Bereich von Sponsoring einzugehen und Zusammenarbeit mit Ausstattern nachhaltig und gewinnbringend einzugehen? Diese und mehr Fragestellungen beleuchtet die Podiumsrunde mit Georg Hackl, ehemaliger Weltklasse-Rodler und heute Technik-Trainer der Rodelnationalmannschaft.

© 2019 Marketing-Club Neckar-Alb e.V.