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MÄRZ 2019 _ Reutlingen

„Digitaler Workflow – der Weg zum Büro der Zukunft!“

Am Anfang stand der Kopiervorgang

Bernhard Morgenstern gründete 1971 sein Unternehmen, als das Monopol von Xerox auslief und preisgünstigere Fotokopierer aus Japan Verbreitung in den Büros fanden - riesige lärmende Kisten, die so heiß liefen, dass die Spitzenmodelle inklusive Feuerlöscher ausgeliefert wurden. So stieg Robin Morgenstern, Sohn und Nachfolger des Unternehmensgründers, in die Firmengeschichte ein, die auch von der Ausbreitung der Elektronik auf und neben den Schreibtischen erzählt.

Anekdotenreich schritt Robin Morgenstern, selbst Jahrgang 1977, den Zeitstrahl von der analogen Anfangszeit bis in die digitalisierte Gegenwart ab. Wählscheiben und Thermofax, einst deutlich teurer als heute ein Thermomix, erschienen dabei länger her zu sein, als sie es tatsächlich sind. Ob er selbst noch Gelegenheit hatte, Spiritus von Matrizen-Abzügen zu schnüffeln oder gar den Versuch unternahm, ein eierschalfarbenes Diktiergerät mit einer Nikotinschicht zu vergolden, blieb offen. Jedenfalls waren früher nicht nur die Arbeitsmittel anders, auch die nicht selten verqualmte und oft von isoliertem Nebeneinander geprägte Arbeitswelt war eine andere. Dass er von manchen modernen Entwicklungen "die aus den USA zu uns herüberschwappen" nicht komplett überzeugt ist, ließ Morgenstern bei dieser Gelegenheit auch anklingen: Das Verschwimmen von Arbeits- und Freizeit oder hauptsächlich von Gruppendruck getriebene Projekte bewertete Morgenstern als kritisch.

Trotz klar deutlich sichtbarer Meilensteine wie Personal Computer, E-Mail oder Cloud-Speichern seien die Übergänge im technischen Fortschritt nicht immer die kürzesten Wege gewesen. Zuweilen seien Umwege und Brückentechnologien nötig gewesen, erklärte Morgenstern. Das Smartphone und seine mobilen Geschwister mit größerem Touch-Display seien erst von den privaten Anwendern in den Unternehmensalltag getragen worden. So hätten für Warentransporte Tablets anfangs nur zögerlich Akzeptanz gefunden, wohl in der Sorge, dass sie die Fahrer als Vesperbrettchen verwenden würden, wie Morgenstern scherzte. Den elektronischen Lieferschein ermöglichte in diesen Fällen ein Bond-Gimmick aus der Ära Desmond Llewelyns: Per Kugelschreiber mit eingebauter Kamera wurden die Formulare gleichzeitig auf- und abgezeichnet.

Thomas Späth, Vertriebsleiter beim nach eigenen Angaben größten unabhängigen Dokumentensystemhaus Baden-Württembergs, demonstrierte am Tablet, wie sich auf einer fiktiven Baustelle in nur einer aktuellen Anwendung Videos, Messergebnisse und Protokolle zusammenfassen und mit Projektmanagement und Warenwirtschaft verknüpfen lassen. Enorme Erleichterung bringe der digitale Rechnungseingang. "Wenn sie am Tag fünf Rechnungen mit ein paar Posten prüfen müssen, dann brauchen Sie das nicht", schränkte Späth seine Investitionsempfehlung in die Morgenstern-Software ein. Bei 50 Eingängen mit jeweils mehreren Seiten werde das Programm jedoch nie müde oder unkonzentriert und verrutsche auch nicht in der Zeile, da es einfach auf unterschiedliche Vorlagen verschiedener Lieferanten zu trainieren sei.

Etwas Schwung aus dem digitalen Workflow nahm Moderatorin Sabine Dörr: Nicht, weil sie sich an die vorbereitenden Bastelarbeiten für Farbkopien der ersten Generation zurücksehnte, für die sie eine detaillierte Anleitung vortrug, sondern weil sie als Chefin von tisoware selbst vom Fach ist: "Alles immer vorausgesetzt, dass man Netz hat", verwies sie auf die "Deutsche Digitalisierung-Realität".

 

Hintergrund:
Rund 50 Prozent der Deutschen sitzen täglich im Büro. Gehören auch Sie dazu? Falls ja, können Sie sich noch an den Anfang der Großraumbüros erinnern? Oder an die Zeit, als die Farbe und moderne Informationstechnik ins Büro einzog? Arbeiten Sie heute mobil im Homeoffice?
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