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NOVEMBER 2018 _ Reutlingen

Goldbeck: Über Stahlträger vom Fließband, Begeisterung für Gebäude und digitale Perspektiven

Klimaexperten vor Ort

Albstadt, Pfullingen, Reutlingen, Tübingen und immer wieder Metzingen – in Neckar-Alb (ent)stehen derzeit viele neue Firmengebäude, Hallen und Parkhäuser, bei denen das Goldbeck-Logo am Gerüst prangt(e). Was der Firma aus Bielefeld so viel Präsenz auf regionalen Baustellen verschafft, ließ sich der Marketing-Club im November in Reutlingen zeigen, erst in der materiell realen Firmenzentrale der Aspect Quality GmbH, dann in der Virtual Reality der Bauplaner.

Dass Club-Vizepräsident Michael Rampf und Alexander Kraus, Leiter der Stuttgarter Goldbeck-Niederlassung, bereits im Kindergarten zusammen Klötzchen gestapelt hatten (und später in Grafenberg gemeinsam ans Werk gingen), mochte das Zustandekommen des Termins begünstigt haben. Gastgeber Markus Theurer begrüßte indes so viele Kunden und Lieferanten am 2017 fertiggestellten Unternehmenssitz, dass sich wohl ohnehin einmal ein Club-Besuch ergeben hätte. Seit 2006 traktieren Theurers Prüflabore systematisch Materialien mit Hitze, Kälte, Feuchtigkeit oder Salz, zunächst auf gemieteten Flächen in Lichtenstein und nun unweit der Stadtgrenzen zu Eningen und Pfullingen. Nach lediglich sieben Monaten Bauzeit habe Aspect Quality einziehen können, bescheinigte der Hausherr dem Generalbauunternehmen Goldbeck zügige Arbeit. Ein Anbau sei übrigens schon geplant und genehmigt, sagte der Theurer, denn die großen Klimakammern, in denen komplette Autotüren verschwinden und dann ganz schnell sehr alt aussehen, brauchen viel Energie und vor allem Platz. Mit Blick auf die Stellflächen vor dem Haus und den zahlreichen Fahrzeugen aus süddeutscher Produktion bat Theurer, trotz der von ihm vorgelegten Referenzen auf Beschwerden zu verzichten: „Wenn Sie Reklamationen haben, dann haben wir das Teil nicht getestet.“

Mit schwäbischem Humor hatte Goldbeck-Marketingleiter Jan Majer-Leonhard dank einiger Semester in Tübingen keine Probleme. Er hielt sich denn auch nicht erst mit Understatement auf, als er Goldbecks Aufstieg vom „Stahlbauer aus Ummeln“ zum „größten Bauunternehmen in deutscher Hand“ skizzierte. „Konzipieren – Bauen – Betreuen“ fasste Majer-Leonhard das Geschäftsmodell des „mit 1600 Ingenieuren und Architekten auch größten Ingenieurbüros Deutschlands“ zusammen. Die Planungsgruppen an den 40 Standorten stimmten fachübergreifend und mit Kenntnis der klimatischen Gegebenheiten vor Ort die Abläufe ab, was dann auf der Baustelle Zeit und Nerven spare. Kern des Geschäftsmodells sei jedoch die industrielle Vorfertigung von Bauteilen, die Ortwin Goldbeck vor rund 50 Jahren aus dem Automobilbau auf Gewerbebauten übertragen habe. „Wir denken in Produkten wie Büro oder Halle und übergeben immer ein ganzes System schlüsselfertig“, erklärte Majer-Leonhard. Dazu biete Goldbeck auch den Service für den Gebäudebetrieb an. Diese Sparte wachse gut, komme aber wegen der gleichzeitig zunehmenden Bautätigkeit im Konzern nicht über einen Anteil von 8 Prozent am Gesamtumsatz hinaus, gab Majer-Leonhard einen Einblick in die Geschäftslage: Derzeit übergebe Goldbeck jährlich 250 Hallen, 110 Bürogebäude und 60 Parkhäuser an die Kunden, von denen mittlerweile ein knappes Fünftel „im benachbarten europäischen Ausland“ sitze. Als Beispiel, vielleicht auch als Hinweis auf die Preisgestaltung, nannte er ein Parkhaus, für das Goldbeck 8 Meter lange Betonplatten per Bahn und Schiff von Tschechien nach Schottland transportiert habe. So habe der Plan reibungslos funktioniert.

„Die systematische Bauweise hilft, Projekte zu digitalisieren“, riss Majer-Leonhard den interaktiven Teil der Präsentation an. Die Goldbeck-Planer vermieden Kollisionen mit dem digitalen Tool „BIM“(Building Information Modeling“). Seit kurzem sei man aber auch in der Lage, Bauherren mittels Virtual Reality in die Planung einzubeziehen. Für Logistik-Hallen sei es vielleicht nicht ganz so interessant, mittels VR-Brille durch das Modell zu spazieren. Für die unzähligen Gestaltungs- und Ausstattungsvarianten von Büros biete VR jedoch bislang ungekannte Möglichkeiten, Vorstellungen für Räume und Proportionen zu vermitteln und dabei mit ein paar Handbewegungen Deckenverkleidungen auszutauschen, Möblierungen umzustellen oder Leitungen zu verlegen. Melina Führer, 3D-Spezialistin bei Goldbeck, demonstrierte die Erkundungs- und Gestaltungsmöglichkeiten in der Virtual Reality erst über den Beamer, dann waren die Besucher vom Club selbst dran. Fazit: Wer es probierte, war von der virtuellen Welt begeistert – und zumeist über den mit den eigenen Beinen zurückgelegten Weg erstaunt.

© 2019 Marketing-Club Neckar-Alb e.V.