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SEPTEMBER 2018 _ Reutlingen

Groll: „Schwaben schlafen schwäbisch“

Ein Drittel optimieren

Kaum war die Sommerpause vorbei, begaben sich die Mitglieder des Marketing-Clubs Neckar-Alb wieder früh zu Bett, zumindest am Abend beim Sondelfinger Schlafsysteme-Hersteller Groll.

Geschäftsführer Hans Ulrich Schwenk führte die Gäste durch die Matratzen-Produktion vom Schaumstoff-Block bis zur Näherei, dabei schützte er Eigenentwicklungen im Maschinenbau vor neugierigen und fachkundigen Blicken. Dafür kommentierte er detailliert, wie aus Einzelkomponenten eine Matratze mit unterschiedlichen Härtezonen entsteht und als versandfertige Rolle eingepackt wird. Einige Mitarbeiter waren dazu länger geblieben, denn Groll fährt nur eine Schicht. Das liege nicht an Problemen mit wechselnden Ruhezeiten, vielmehr verzichte das Unternehmen aus Sicherheitsgründen lieber darauf, nachts Automaten alleine werkeln zu lassen.

„Wir hatten einmal die Feuerwehr wegen eines Fehlalarms da, das war richtig teuer“, erklärte Hans Ulrich Schwenk den Verzicht auf längere Produktionzeiten. Dennoch stelle Groll jährlich 10.000 Matratzen her, verortete der Geschäftsführer die knappen Kapazitäten nicht bei der Zeit sondern beim Platz. So habe sich die 2016 gebaute Lagerhalle schon bei der Fertigstellung als zu klein erwiesen. Groll habe deswegen weitere Lagerflächen dazu gemietet und nutze beispielsweise für die Produktion von Lattenrosten oder Näharbeiten „die verlängerte Werkbank – aber immer streng nach unseren Vorgaben“, wie Schwenk anmerkte. Die Produktqualität ist dabei nur ein Aspekt der strikten Kontrolle über alle Produktionsschritte wie Schwenk im weiteren Verlauf ausführte. „Wir haben über 100 Anmeldungen beim Deutschen Patent- und Markenamt, weil wir es leid sind, dass uns die Großen kopieren“, begründete er, warum er nicht alles zeigen wollte und lieber von der Personal-Entwicklung berichtete: Der Konstrukteur der neuesten Maschine zur Bearbeitung von Schaumstoffen hatte demnach als Werkstudent bei Groll angefangen.

Dafür ging Schwenk in einer für Präsentationen vor dem Marketing-Club bemerkenswerten Breite auf den Wettbewerb ein. Wie man sich bettet, so liegt man, sagt der Volksmund. Den Sieger bei der Stiftung Warentest gibt's für unter 200 Euro, sagen Anbieter von Einheitsmatratzen in ihrer aktuellen Werbung. Die Firma Groll hält sich offenkundig lieber an die alte Redensart. „Ich habe eine dieser Matratzen gekauft, aufgeschnitten und gleich entsorgt“, teilte Hans Ulrich Schwenk seine eigenen Erkenntnisse mit, wonach die Ware vom Online-Versand nicht mehr als 70 Euro kosten dürfe. Auch an den Testern, die mit spektakulären Bewertungen auf hohe Klickraten aus seien, ließ er kein gutes Haar.

„Wir schauen uns nichts bei Wettbewerbern ab, aber bei unseren Fachhändlern für unser eigenes Geschäft“, führte Marketing-Leiterin Nicola Schwenk, die dritte Generation im Familienunternehmen, in ihr Ressort ein. Das elektrisch verstellbare Schlafsystem iflex werde wegen des hohen Beratungsbedarfs nur im Studio verkauft, entsprechend hoch sei der Anspruch an die rund 450 Fachhändler, die das Groll-Sortiment fast nur in Deutschland vertreiben. Zur fachlichen Beratung arbeite Groll mit Physiotherapeuten zusammen, die auch regelmäßig vor Ort der Kundschaft von Ursula Schwenk bei der Auswahl der passenden Bettwaren behilflich sind. Dabei gehe es nicht nur um die Ausstattung von Schlafzimmern: „Viele kommen mit ihrem Wohnmobil zu uns und lassen die Erstausstattung austauschen“, erklärte Nicola Schwenk, warum die CMT für Groll zu den wichtigsten Messeterminen gehört.

Ohne Online-Präsenz kommt aber auch Groll nicht aus. Den „Shop“ stellte Prokurist Volker Reiff als Konfigurationswerkzeug vor, mit dem sich eine komplette Ausstattung zusammenstellen lässt. "Bei voller Preistransparenz, auch bei der Matratze für 1699 Euro", so Reiff, lasse der Vorgang bewusst den Abschluss weg, der eigentliche Kauf erfolgt über ein Fachgeschäft in der Region des Endkunden. "Wir kennen es alle: Man geht in den Laden, lässt sich ein Angebot machen und vergleicht dann erst mal im Internet", beschrieb Reiff den Konflikt zwischen stationärem und Online-Handel, den Groll vermeidet, indem man über die eigene Plattform Endkunden, Bestellung und Fachgeschäft zusammenbringt.  

Zum Abschluss ging es aus der Produktion zur Liegeprobe ins Bettenfachgeschäft. Als Moderatorin des Abends durfte es sich Club-Beirätin Sabine Dörr für das Erinnerungsfoto mit dem Groll-Führungsquintett bequem machen, während viele andere Besucher anfingen, die Optimierungsmöglichkeiten für ihre REM-Phasen auszuloten, ganz nach der Empfehlung von Hans Ulrich Schwenk: "Wir verbringen fast ein Drittel unserer Zeit im Bett, daraus sollten wir das Beste machen."

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