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MAI 2018 _ Schloss Haigerloch

Chopard: Vom Pforzheimer Familienunternehmen zur Weltmarke

Werke voller Komplikationen

Die Filmfestspiele von Cannes und das italienische Oldtimer-Spektakel Mille Miglia sind für die Marke Chopard  im Frühjahr die wichtigsten Bühnen, um die Uhren- und Schmuckkollektionen zu zeigen. In diesem Mai kamen auch noch die Haigerlocher Schlossgespräche des Marketing-Clubs Neckar-Alb hinzu.

Ein achtköpfiges Social-Media-Team postet ansonsten, sobald Preziosen von Chopard öffentlichkeitswirksam zur Schau getragen werden. Der Club hatte im Haigerlocher Schloss aber erst einmal offline einen Echtzeit-Vorsprung. Andreas Nestele, General Manager für Deutschland, BeNeLux und Skandinavien, sowie Martin Brunner, Area Sales Manager für Süddeutschland und Luxemburg, setzten einen Akzent auf die Geschichte der Uhrenherstellung bei Chopard, zu deren Besonderheiten eine eigene Goldgießerei und die Manufaktur für mechanische Werke gehören. Damit stehe das Unternehmen so ziemlich alleine gegenüber dem helvetischen Monopol der Swatch-Group. Dazu zeichneten sie die Historie des Schweizer Unternehmens nach, das 1963 „angeblich für 10.000 Franken“, so Nestele, von der Pforzheimer Familie Scheufele übernommen wurde. Egal, ob diese Schnäppchen-Legende stimmt, die Präsentation verdeutlichte den Sprung von Luxus zu Exklusivität: Hatte Scheufele unter dem Markennamen „Eszeha“ goldene Uhren produziert, begab sich das Unternehmen mit Chopard in nochmals höhere Sphären.

Die rund 2000 Mitarbeiter in Deutschland und in der Schweiz verbauten jährlich in jeweils 60.000 Uhren und Schmuckstücken rund 15 Tonnen Gold und 2 Millionen Edelsteine, wie Nestele ausführte. Mit Blick auf die aufgestellten Vitrinen hatte denn auch Peter Voss, Reutlinger Juwelier und im Duo mit Club-Vizepräsident Edgar Lehmann Moderator des Abends, bereits vorab angemerkt, das Funkeln rühre „nicht allein von der Beleuchtung“ her. Zudem will Chopard künftig Gold nur noch aus nach ethischen Grundsätzen betriebenem Bergbau beziehen, was das Material nicht billiger machen dürfte. Dennoch komme der der Preis vor allem von der Technik und der Verarbeitung, wie Brunner anhand zweier Modelle mit identischem Innenleben demonstrierte: Die Differenz zwischen Edelstahl- und Platingehäuse lag demnach bei 4.000 Euro. Allerdings kostete die günstigere Variante bereits 24.000 Euro.


Wie Chopard tickt, was hinter den Zifferblättern steckt und warum sich das dann vielstellig auf den Preisschildern niederschlägt, das zeigte Uhrmacher Marlon Kronser mit viel Geduld und Begeisterung an seinem mitgebrachten Arbeitsplatz, den er mit Videokamera und Bildschirm ausgerüstet hatte. Von der feinen Mechanik wäre sonst kaum etwas zu sehen gewesen, schließlich arbeitete er mit den Ellenbogen und dem Kinn auf der Tischplatte. Ruhe und Ausdauer seien neben dem „Drehmoment in den Fingerspitzen“ gefragt . Allein eine Unruh, das schwingende Herzstück der mechanischen Uhr, von Hand  herzustellen, brauche einen vollen Arbeitstag. Das Biegen einer Breguet-Spiralfeder sei eine filigrane Angelegenheit. Wenn es auch nicht um Quantität gehe, wie Nestele sagte, erziele Chopard auch dehalb 40 Prozent seines Uhren-Umsatzes mit der Reihe „Happy Sport“, die vergleichsweise schlichte Quarzwerke antreiben. Dafür gleiten in Gold gefasste Brillanten über das Ziffernblatt, was der Marke in den 1970er-Jahren „einen großen Durchbruch“ beschert habe, wie Brunner anfügte.

Die Komplikationen eines Modells aus der nach Firmengründer Louis-Ulysse Chopard benannten Top-Serie L.U.C. erklärte Kronser doch lieber mit dem Beamer anhand von Animationen. Sein Vortrag über minutengenaues Repetieren und den Anschlag des Geläuts an geschliffenem Saphir klang nach viel Liebe zur Perfektion im Detail und ein wenig nach Clockpunk. Club-Schatzmeister Thilo Schmid sinnierte im Anschluss hörbar über das Verhältnis von Anschaffungskosten und alltagspraktischem Nutzen der edlen Chronographen. Dem ehemaligen Club-Präsident Prof. Dr. Gerhard Braun verschaffte sein eigener Zeitmesser dagegen einen unbezahlbaren Moment ironisch-snobistischer Coolness. An der Vitrine mit den Edelstahl- und Platin-Varianten gefragt, für welches Modell er sich entscheiden würde, schob er lachend den Ärmel hoch: „Das muss ich nicht mehr!“

Hintergrund:
Zum Weltruf des traditionsreichen Genfer Schmuck- und Uhrenherstellers haben technische Raffinesse, edles Design und viel Handarbeit beigetragen. Zur jetzigen Marktposition hat das Unternehmen seit den 60er-Jahren die Pforzheimer Familie Scheufele geführt.

© 2018 Marketing-Club Neckar-Alb e.V.