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APRIL 2018 _ Reutlingen

Kreiskliniken Reutlingen: „Innovative Medizintechnik“

Mit Hochtechnologie gegen Defizite

"Ums Marketing müssen wir uns hier keine Sorgen machen, die Kundschaft wird gebracht", witzelte Martin Monninger zur Begrüßung im Reutlinger Klinikum am Steinenberg. Dass es tatsächlich ein wenig anders ist, bewies der Leiter der Pflege in der zentralen Notaufnahme, indem er seinen Besuchern die Tür zum Schockraum öffnete, die Apparaturen zeigte und die Abläufe erläuterte. Immerhin kam der Marketing-Club Neckar-Alb im April auch freiwillig ins Kreiskrankenhaus - und entließ sich noch am selben Abend ohne Beschwerden.

Wichtig sei es, die notwendigen Prioritäten zu kommunizieren, sagte Monninger. Der Schlaganfall habe in der Notaufnahme Vorrang vor einem schlimmen Husten. Wenn es dann zu Wartezeiten komme, gelte es, aufkommenden Unmut in der Schlange durch Informationen zu begegnen. In den Nachtstunden sei zudem ein Sicherheitsdienst zugegen. Nicht immer stehe es in der Notaufnahme Spitz auf Knopf, bezog sich Monninger auf „Digital Natives“, denen zuweilen als einzige Offline-Bezugsquellefür eine Schmerztablette das Krankenhaus einfalle. Auch gehe es längst nicht so dramatisch-hektisch wie in einschlägigen Fernsehserien zu. Dennoch durchleuchte das im Schockraum eingesetzte MRT mit gutem Grund Patienten binnen 90 Sekunden.

Modernste Technik und die damit verbundenen hohen Ausgaben zogen sich als Thema durch die gesamte Veranstaltung bei den Kreiskliniken. Dazu zählt auch der Operationsroboter Da Vinci, der mittlerweile in zweiter Generation den Chirurgen hilft, durch das Schlüsselloch hochpräzise und zitterfrei zu arbeiten. Das Gerät ermöglicht es dem Chirurgen, von seiner Station aus gleichzeitig mehrere Instrumente fernzusteuern, wobei die Kamerabilder auf mehrere Monitore übertragen werden, sodass sich niemand im Team verrenken muss, um das Geschehen im Patienten im Blick zu haben. Einige Besucher durften selbst an einem Modell die Steuerung ausprobieren, darunter auch der ehemalige Clubpräsident Dr. Klaus Adam, der in seiner Anmoderation eine Empfehlung zum Umgang mit Kunden gegeben hatte und diese nun an den Greifzangen selbst an den Greifzangen umsetzte: "Hochsensibel." 

"Die Wunde ist klein, umliegendes Gewebe wird geschont, die Patienten erholen sich schneller und die Operateure haben durch ergonomische Arbeitsbedingungen weniger Stress ", hob Dr.med. Hartwig Schwaibold, Chefarzt der Urologie, derweil die Vorzüge Da Vincis am Beispiel einer Prostata-Operation hervor. Zusammengefasst: Bessere Ergebnisse und geschonte Nerven.  „Die Prostata findet man eingentlich gar nicht auf den ersten Blick", drumherum könne bei einem Eingriff „sehr viel kaputtgehen", mochte Schwaibold die teure Technik auch als Investition in die Lebensqualität der Patienten verstanden wissen. Dennoch übernähmen die Krankenkassen die Anschaffungskosten, die beim ersten Roboter noch 2,2 Millionen Euro betragen hätten, nur zum Teil. Trotzdem führte Schwaibold auch ein ökonomisches Argument für Avantgarde in High-tech an: „Die Klinik kann so das ganze Paket anbieten und muss niemanden wegschicken.“

Auf das Thema Finanzen kam Norbert Finke, Vositzender der Geschäftsführung bei den Kreiskliniken, noch deutlicher zu sprechen. Er stellte die Kliniken des Landkreises an den Standorten Reutlingen, Bad Urach und Münsingen und deren öffenlichen Auftrag so vor: „Wir produzieren keine Güter sondern Gesundheitsleistungen. Krankheiten feststellen, heilen oder zumindest lindern und pflegen, so steht’s im Gesetzbuch." Für die Menschen im Landkreis Reutlingen seien die Kliniken ein Hauptbestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge, wofür im Leitbild „Wachstumsstrategie mit umsichtiger Sparpolitik“ festgelegt sei, was Finke weiter erläuterte: Seit 20 Jahren gehe in den Krankenhäusern die Erlös-Kosten-Schere auseinander, die Kostenoptimierung laufe der Tarifentwicklung hinterher. Und die öffentliche Förderung finanziere Investitionen wie die 45 neuen Ultraschall-Apparate im Jahr 2017 nicht vollständig: „Alleine für die Notfallversorgung bleiben wir jedes Jahr auf einer halben Million Euro sitzen.“ Das breite Leistungsspektrum, das lediglich Herzoperationen und Transplantationen ausklammere, sei deshalb nicht nur eine Verpflichtung, sondern biete auch die Möglichkeit, die eigene Position zu stärken. Nicht zuletzt, was die Attraktivität als Arbeitgeber anbelange: „Studenten kommen gerne in unsere Kliniken, weil es hier viel zu lernen gibt.“ Neben Medizinern gehören dazu auch Pflege- und Betriebswirtschaftler an der Dualen Hochschule. Die Mitarbeiterzufriedenheit hielt Finke ohnehin hoch, schließlich sei „in der Pflege der Arbeitsmarkt komplett leergefegt."

Hintergrund:
Als Betreiber des Klinikums am Steinenberg in Reutlingen, der Ermstalklinik in Bad Urach und der Albklinik in Münsingen gelten die Kreiskliniken als großer Arbeitgeber in der Region. Dank moderner Ausstattung und aktueller diagnostischer Verfahren decken die Kliniken ein breites medizinisches Leistungsspektrum ab.

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