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JULI 2017 _ Werkcafé im Werkzentrum Ludwigsburg

mymuesli - Träger Deutscher Marketing Preis 2016

Leidenschaft in Pappröhren

"Meine Lieblingssorte ist das Paleo-Müsli. Da ist weniger drin, dafür kostet es etwas mehr." Max Wittrock, einer von drei Gründern des Cerealien -Anbieters  mymuesli hatte bei seiner Präsentation als Träger des Deutschen Marketing-Preises 2016 fast auf jede Frage eine launige Antwort parat. Lediglich als Mario Stockhausen, Gastgeber im Ludwigsburger "Urban Harbour", wissen wollte, wie viele der 566 Milliarden angebotenen Kombinationen Wittrock selbst probiert hat, nannte dieser keine konkrete Zahl.

Bei allen Späßen und guter Laune stellte Wittrock in wohlgesetzten Nebenbemerkungen klar, dass es im gerade einmal 10 Jahre alten Unternehmen ums Geschäft geht. Das Modell mymuesli funktioniere nach einem klaren Prinzip: "Wir verkaufen Haferflocken für mehr Geld, als wir dafür bezahlen."

Beinahe wie im Script zu einem Feelgood-Movie reihte Wittrock amüsante Anekdoten aus der Gründungszeit des Unternehmens aneinander. Was er von den Anfängen mit Hubertus Bessau und Philipp Kraiss erzählte, klang zuweilen nach glücklichen Unfällen oder zumindest günstigen Zufällen. So etwa die Story von der markanten zylindrischen Verpackung: "Das wird als Marketing-Stunt gefeiert und wir nehmen das gerne mit", erklärte Wittrock. Tatsächlich habe sich aber mymuesli anfangs schwer getan, einen Lieferanten für die noch kleinen Stückzahlen zu finden. Schließlich kam es zur Zusammenarbeit mit einem Familienbetrieb, der ursprünglich ähnliche Dosen für Fischfutter produzierte. Das "Start-up-Buch" zum imaginären Film gibt es jedenfalls schon, ließ sich Wittrock den kleinen Werbeblock nicht entgehen. Es trägt den programmatischen Titel "machen".

So amüsant Wittrocks Ausführungen über die teils unbedarften Vorstellungen des Trios beispielsweise bei den Schritten vom Online-Handel über eigene Läden bis in die Supermärkte auch ankamen - "Werbekostenzuschuss? Bekommen den wir?" -, es war doch immer die Geschichte vom Glück der Tüchtigen und Unermüdlichen, die der studierte Jurist  aus der Perspektive des erreichten Erfolgs, jedoch nicht von einem Ende her erzählte. "Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem uns die Müsli-Welt weit offen steht", schilderte Wittrock die momentane Ausgangslage. Um aber gemeinsam weitergehen zu können, sei es nötig, sich regelmäßig einander zu vergewissern und sich immer daran zu erinnern, warum man einmal zusammen gestartet ist. "Unsere persönlichen Lebensentwürfe haben sich seit der Studentenzeit in Passau auseinanderentwickelt", begründete Wittrock, warum er mit seinen Gründerkollegen zu festen Terminen immer wieder die Gefühls- und Motivationslage auslotet. Lebe das Unternehmen intern eine "offenen Feedback-Kultur", differenzierte Wittrock bei den Rückmeldungen von außen.  Der direkte Dialog mit den Kunden sei grundlegend wichtig, ebenso wie die Mund-zu-Mund-Propaganda, auch wenn diese über soziale Medien erfolge. Dem Grundsatz "Höre immer auf die Kunden" stellte er aber die Regel "Höre niemals auf die Kunden, wenn es um Neues geht" entgegen. Vielmehr sei es geboten, auszuprobieren, sich zu trauen und Bauchentscheidungen zuzulassen. Wittrock warnte Start-ups davor, sich in "ständiger Selbstoptimierung" zu überfordern und in "Analyse-Paralyse" zu erstarren. Schließlich habe die selbst durchgeführte Marktforschung für den Online-Handel mit Müsli auch nur ein Debakel vorausgesagt.

Die Antwort auf eine der letzten Fragen aus dem Publikum, die nach dem wichtigsten Erfolgsbaustein, hatte Wittrock schon mitten in seinem Vortrag angefangen vorzubereiten. "Härter arbeiten" sei nicht unbedingt zielführend: "Man kann von niemandem eine 100-Stunden-Woche verlangen. Auch ich würde lieber 30 Stunden arbeiten. Jetzt sind es 55 Stunden - aber ich bin auf dem Weg", umschrieb er sein Bemühen, "smarter" zu arbeiten. Was es zum Erfolg unbedingt brauche, arbeitete er in einem Exkurs über den Weltrekordler David Blaine heraus, der "hat 25 Jahre trainiert, um 17 Minuten lang die Luft anzuhalten." Wittrock leitete daraus einen zentralen Begriff her: "Leidenschaft".

Hintergrund
2007 in Passau gegründet, 2009 schon mit einer Präsentation beim Marketing-Club Neckar-Alb, 2016 Träger des Deutschen Marketing-Preises: Beim Online-Versand von Lebensmitteln hat die mymuesli GmbH mit dem massenhaften Verkauf individuell zusammengestellter Körner- und Früchtemischungen für Furore gesorgt. Mittlerweile stehen auch fertige Packungen im Supermarktregal und die Kunden können sich ihr Frühstück in über 50 mymuesli-Läden in fünf Ländern zusammenstellen.

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