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DEZEMBER 2017 _ Kirchentellinsfurt

Schüschke: "„Über den Wolken und am Boden: Eine Marke und viele Märkte“

Hände waschen nicht vergessen!

Von Währungsrisiken, Preisdrückereien internationaler Großkunden und Vorgaben von Investoren ist beim Marketing-Club Neckar-Alb immer mal wieder zu hören. Um ehemalige Tischlereien geht es dabei aber selten. Im Dezember war es also für Thomas Mauthe und Judith Kaltarar an der Zeit, inmitten der Produktion die Geschichte der Schüschke GmbH & Co. KG zu erzählen.

„Wer sich in letzter Zeit in einem Kindergarten in der Umgebung oder in einem Airbus die Hände gewaschen hat, der hat wahrscheinlich ein Becken von Schüschke benutzt“, packte Dr. Klaus Adam, Alt-Präsident des Clubs, zur Einführung die regionalen und globalen Aspekte der „Solid Solutions“ aus Kirchentellinsfurt in einen Satz. Schüschke-Geschäftsführer Thomas Mauthe, selbst erst seit 2016 im Unternehmen, führte den Zusammenklang von Bodenständigkeit und dem Geschäft mit Luft- und Schiffahrt aus. Grundmaterial ist dabei Varicor, ein Gemisch aus Aluminiumhydroxid-Pulver und Kunstharz, das sich in komplexe Formen gießen lässt. Mauthe zählte viele positive Eigenschaften des durchfärbbaren Mineralwerkstoffs auf: Geringes Gewicht, Feuerbeständigkeit und die  hygienisch-porenlosen Oberfläche, aus der sich auch nach längerem Gebrauch „Macken herausschleifen lassen -  für Laien sieht das dann aus wie neu“. Ohne dieses Material „geht bei uns das Licht aus“, erklärte Mauthe, was für Schüschke eigentlich das Beste an Varicor ist: Das in Gaggenau ansässige Vertriebsunternehmen ist mit dem gleichen Investor verbandelt, der auch seit einigen Jahren die Mehrheit an Schüschke hält. Unternehmensgründer Uwe Schüschke hatte keinen Nachfolger in der Familie und kam noch weit vor seinem eigenen geplanten Eintritt in den Ruhestand  mit den Silver Investment Partners zu einer soliden strategischen Lösung: Über die Stufen als Geschäftsführer, zeitweise neben Mauthe, und Berater stieg er seit 2014 aus der Firma aus und behielt noch eine Minderheitsbeteiligung.

Mitte der 90er-Jahre hatte der Schreinermeister Schüschke seinen Betrieb als Zulieferer für Airbus etabliert. Rund 90 Prozent des Umsatzes erzielen die rund 70 Mitarbeiter mit der Ausstattung von Flugzeugen, erklärte Mauthe. Von Massenproduktion könne dabei nicht die Rede sein, denn „jeder Waschtisch ist anders“. Dass dies nicht nur eine Floskel ist, verdeutlichte Mauthe mit einem gedanklichen Spaziergang durch eine größere Passagiermaschine, in der sechs verschiedene Formen eingebaut werden, um Platz für zusätzliche Sitzreihen oder teuer zu vermietende Beinfreiheit herauszuquetschen. Wegen ständigen Änderungen lasse sich kaum auf Vorrat prozieren. Der Mehrwert für die jeweilige Airline, treffliches Verkaufsargument des Flugzeugherstellers, lasse sich jedoch nicht einfach in Gewinn für Schüschke ummünzen, rechnete Mauthe vor: „Die Entwicklung eines Werkzeugs kostet uns bis zu 45.000 Euro. Die will Airbus natürlich nicht bezahlen.“ Dazu werde in der Branche in Dollar abgerechnet, mit langen Zahlungszielen und entsprechenden Kursrisiken.

Investitionen in neue Anlagen aber auch andere Geschäftsfelder seien mit Bedacht zu tätigen, nannte Mauthe Gründe, warum sich das Unternehmen mit der Lieferung von jährlich rund 4000 Flugzeug-Waschtischen vornehmlich auf seine Kernkompetenz konzentriert und sich nicht auf scheinbar brach liegende Marktpotenziale stürzt: In Wohnhäusern „sind wir das letzte Gewerk, da werden gerne vorherige Mehrausgaben herausgeschwitzt“, sagte Mauthe.  In öffenlichen Gebäuden und mittlerweile auch in der Medizintechnik sei Schüschke stärker vertreten. Yachten „mit zehn oder zwölf Waschtischen“ seien eine lukrative Nische, jedoch „in Kreuzfahrtschiffen müssen innerhalb von drei Wochen 2000 Nasszellen eingebaut sein. Dafür haben wir gar nicht die Größe.“ Beim Aufbau solcher Kapazitäten würde das Unternehmen eher Gefahr laufen, sich gehörig zu verheben, blickte Mauthe, selbst Ingenieur und gelernter Industriemechaniker, auf die ohnehin schon anstehenden Aufgaben, die einen großen Teil des Mittelstands betreffen. Demnach stehen in der industriellen Anlage Modernisierungen im Umfang von 2,5 Millionen Euro an. Die neue IT-Infrastruktur, die den „Datenwust der Digitalisierung“ bewältige, sei da noch nicht mit drin, geschweige denn die Belegschaft dafür qualifiziert. „Und wenn ich die Roboter habe, wo bekomme ich die Mechatroniker her?“, schloss Mauthe die derzeit dringlichsten Fragen an.

Das Thema Employer Branding griff Judith Kaltarar, Marketing-Leiterin bei Schüschke, auf. Jede Zielgruppe bedürfe einer eigenen Sprache: In der Luftfahrtbranche Englisch, im Gespräch mit Architekten Hochdeutsch  „und wenn ein Installateur anruft, dann antworten wir auch mal auf Schwäbisch.“ Um die eigene Produktvielfalt darzustellen und vor allem potenzielle Mitarbeiter anzuspreche,  seien Bilder das Mittel der Wahl. In den sozialen Medien bevorzugt Kaltarar deshalb Instagram, während Facebook für Schüschke keine Rolle spielt. Mit einem jährlich neu aufgelegten Print-Magazin stellt sich Schüschke nicht zuletzt als Arbeitgeber vor. In Stellenanzeigen legt Kaltarar großen Wert auf die Fotos. Von den einschlägigen Bilddatenbanken riet sie in diesem Zusammenhang ab, damit man nicht dem eigenen Motiv auf einem „Plakat an der Tankstelle“ wiederbegegne. Bilder von und mit den eigenen Mitarbeitern seien weitaus besser geeignet, um die „Menschen in den Mittelpunkt“ zu stellen.

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