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NOVEMBER 2017 _ Reutlingen

Networking im 3D-Minigolf

Vergnügen im Schwarzlichtbezirk

Das bunte Leben im Meer ist ein Hauptmotiv: Hendrik Motzers Minigolf-Anlage in der Passage am Reutlinger Parkhaus Stadtmitte erstrahlt unter UV-A und beeindruckt - durch die entsprechende Brille betrachtet – mit 3D-Optik. Der Marketing-Club Neckar-Alb tauchte dort an einem trüben November-Abend ab.

Das Thema Bälle in Löcher ist erst seit 2016 Teil von Motzers Geschäftsmodell. Zuvor drehte sich fast alles um Löcher in Bällen: Bowling-Kugeln bohren, Bowling-Bahnen bauen, Bowling-Sportler trainieren, Bowling-Zubehör verkaufen oder Bowling-Center betreiben bestimmten für Motzer die vergangenen vier Jahrzehnte, die er nach eigenen Angaben in der Branche tätig ist. Club-Vizepräsident Edgar Lehmann, der durch den Abend führte, stieß mit seiner Frage „Hast Du schon mit zehn Jahren angefangen?“ einen ausführlichen Bericht über die Entwicklung von Motzers Unternehmen Bowl-Star im Speziellen und der Freizeitbranche im Allgemeinen an.

Pins stellen die Motzers schon seit den 60er-Jahren auf. Die Eltern hatten zunächst in Stuttgart Bowling-Bahnen, bis sie Mitte der 70er-Jahre in die Reutlinger Innenstadt umsiedelten. Mittlerweile „seit 40 Jahren an einem Standort in der Freizeitbranche“ zu bestehen, führte Motzer plakativ auf drei Faktoren zurück: „Glück, Zufall und gutes Marketing“. Ein paar eigene Entscheidungen waren indes auch dabei, wie Motzer ausführte: Mit 19 Jahren begann er, Bowling-Ausrüstung aus den USA zu importieren – „am Anfang in zwei Paketen zu jeweils 15 Kilo, das war damals ein absolutes Abenteuer“. Der florierende Handel stellte ihn dann 1983 vor die Wahl, die Karriere als Profi-Sportler oder das Geschäft voranzutreiben. Motzer entschied sich für „Bowling als Business“, er übernahm 1986 den elterlichen Betrieb und in den folgenden Jahren weitere Bowling-Center in Wiesbaden und Kassel. Dazu kam in Berlin der „größte Bowling-Shop Europas“. Sein Glück sei es dabei gewesen, dass sowohl Bank als auch Vermieter ihm damals als 23-Jährigen unterstützten, das Gewerbe weiter auszubauen. Auch der Zusammenhalt in der Branche selbst habe ihm geholfen: „Ich war der Jüngste und die anderen Betreiber von Bowling-Anlagen haben mich geschult.“ Der Zufall kam zu Hilfe, als sich in Reutlingen in der unmittelbaren Nachbarschaft Expansionsmöglichkeiten ergaben. „Innerstädtisch, über 4 Meter Deckenhöhe, mit direkter Anbindung an den Bahnhof und nahe am Kino“, beschrieb Motzer die Vorteile des Objekts, das ihm eine Erweiterung von 1.200 auf 3.000 Quadratmeter ermöglichte. Zusätzliche Flächen seien für die Vermarktung wichtig gewesen: Gemeinsam zum Bowling zu gehen, sei die beliebteste betriebliche Freizeitaktivität mit sportlichem Aspekt. Auf Grundlage der Firmenkundendatenbank „hatten wir in der Vorweihnachtszeit schon Aktionen mit 30.000 Briefen, und wir waren sehr glücklich über die Geschäfte, die wir dadurch gemacht haben“, umriss Motzer eine Hauptzielgruppe. Diese sei in der Freizeitbranche nur dann auf Dauer anzusprechen, wenn es gelinge, neue Trends schnell umzusetzen und die Angebote attraktiv zu halten.

„Seit 1986 hatten wir in Reutlingen 15 Modernisierungsmaßnahmen“, vermittelte Motzer einen Eindruck von der Schlagzahl bei den Investitionen. Nicht alle hätten sich gerechnet, so sei etwa die Renovierung der Kegelbahnen Anfang der 90er Jahre „rausgeschmissenes Geld“ gewesen, sparte Motzer auch Misserfolge in seiner Chronik nicht aus. Auf jeden Fall wurde klar, dass ihm ein Schritt seitwärts lieber ist als Stillstand, was er am Beispiel der in Reutlingen angegliederten Gastronomie verdeutlichte: Das ursprüngliche Konzept der Pizzeria habe gegen das „Angebot der Italiener“ vor Ort einen schweren Stand gehabt. Daraus resultierte die Umwandlung in das heutige „Pancake House“, auch wenn es in der Belegschaft gemischte Reaktionen gegeben habe und im Hause Motzer während der Entwicklung der Rezepte Proteste gegen die Zwangsernährung mit Pfannkuchen laut wurden. Zur Vorgehensweise bei der Erstellung der Getränkekarte – White Russian steht übrigens nicht darauf - verriet Motzer nur so viel, dass seit 2015 ein Automat Cocktails mixt. Mit einem Lächeln blickte er auf die Vorbereitungen für den eigenen kleinen Golfplatz zurück: „Vor drei, vier Jahren“ habe sich der Trend zum Putten mit 3D-Brillen in den USA vom Schwarzlicht-Bowling abgeleitet und Fahrt aufgenommen. In den Bau der Bahnen flossen dann praktische Erfahrungen ein, wohl auch die, dass jeder Spaß ein Ende hat: „Ich habe meine Frau genötigt, tagelang mit mir durch Deutschland und Holland zu fahren und Minigolf zu spielen.“

 

Den spielerischen Aspekt beim Minigolf hob Motzer besonders heraus. Aber auch beim Bowling komme dem sportlichen Wettkampf nur noch eine untergeordnete Rolle zu. Wieder bei Olympia dabei zu sein, wäre demnach für Bowling zwar nicht alles, für die Branche in Deutschland aber doch ein Garant für doppelte Umsätze. Nur darauf hoffen will Motzer nicht mehr so recht: „Verkrustete Strukturen machen es uns unmöglich, fernsehtauglich zu werden“, nannte er als größte Hürde den eigenen Verband. „Curling hat da einen guten Job gemacht“, erkannte der ausgebildete Bowling-Coach die erfolgreiche Lobby-Leistung einer weitaus weniger verbreiteten Disziplin an, die keine Vergangenheit mit Millionen Aktiven in den USA und ehemals hochbezahlten Profis hinter sich hat. Auf der Überholspur schickten sich dagegen E-Sports an, in der Gunst beim IOC und dem Publikum aufzusteigen: „Die füllen schon Stadien mit 70.000 Zuschauern.“

Wichtiger als Medaillenträume sei für das Kerngeschäft allemal die Familie – nicht zuletzt die der Gäste beim Kindergeburtstag an der Bowling-Bahn. Schon seit 1993 garantieren aufblasbare Barrieren an den Rinnen den jüngsten Gästen Erfolgserlebnisse bei den ersten Würfen und erhalten so das weitere Interesse am Spiel. A propos Kinderbande: Die Nachfolge hat Hendrik Motzer bereits mit dem eigenen Nachwuchs geregelt. Den nächsten Schritt in die Zukunft geht er aber selber an, mit einer Reminiszenz an die 80er-Jahre: 2018 will er in Reutlingen eine Laser-Tag-Arena eröffnen – Schwarzlicht bietet sich da an.

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