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rückblick

SEPTEMBER 2017 _ Römerstein

„BeckaBeck – Handwerk und Innovation“

 

Unprätentiös aufgebrezelt

Am Anfang stand eine Entschuldigung: BeckaBeck-Inhaber Heinrich Beck begrüßte seine Gäste vom Marketing-Club Neckar-Alb in Römerstein als Single, denn seine Ehefrau Anita Beck weilte zu Beginn des September-Abends in der Römersteiner Bäckerei noch zur Fortbildung auf einer Apfelwiese.

„Wir müssen mit den Rohstoffen arbeiten, die hier wachsen. Ich brauche hier keine Maracuja-Sahne und die Amaranth-Pflanze gehört nach Peru.“ Damit erklärte Beck nicht nur die anfängliche Abwesenheit der Gastgeberin, sondern gab gleich einen tiefen Einblick in seine Denke: Über regionale Rohstoffe und Zutaten schaffe das seit 2011 als Bio-Betrieb für Brot und Brötchen zertifizierte Unternehmen nicht nur Alb-Identität sondern sichere vor allem Qualität. Dabei stellte Beck heraus, dass für ihn das gelungene Produkt vor dem verkaufsfördernden Etikett stehe und persönliche Beziehungen wichtiger als Siegel seien. Als ein Beispiel nannte er den hauseigenen Hefekranz: „Der Teig ist Bio. Oben drauf gehört aber Hagelzucker, der schmeckt in Bio wie Kandis. Deswegen nehmen wir konventionellen Hagelzucker und verkaufen den Hefekranz nicht als Bio.“ Mit Verweis auf das reichlich gedeckte Buffet brachte Beck sein Verständnis von Qualitätsnachweis zum Ausdruck: „Die belegten Weckle sind auch nicht Bio. Die Wurst ist vom Failenschmid.“

 

Das Thema Glaubwürdigkeit zog sich auch durch Becks Ausführungen zu seinen Lieferantenbeziehungen. Für den Lebensmittelbetrieb mit eigenen Filialen und Cafés sowie weiteren Verkaufsstellen zwischen Tübingen und Blaubeuren sei es schon wegen der eigenen Qualitätsansprüche wichtig, möglichst alles aus der Region zu beziehen und selbst in die Produktion Einblick zu haben oder gar daran beteiligt zu sein: „Wenn Du alles selber machst, bist Du nachher nicht angreifbar.“ Saisonale Einschränkungen nimmt Beck dabei als Selbstverständlichkeit: „Im Hochsommer machen wir keine Käsesahne. Dazu brauchen wir frische Eier und das ist bei hohen Temperaturen heikel.“

Den Begriff „Wir“ gebrauchte Beck häufig, allerdings nicht nur für seinen Betrieb, sondern er bezog auch oft die Landwirte und Lieferanten mit ein, bei denen er einkauft. „Wir können nicht zwei Äcker angeben und 16 Filialen haben – bei uns sind es 40 Bauern.“ Langfristige Lieferbeziehungen sind dabei für Beck das Mittel der Wahl. Preisdrückerei sei Gift, „dann geht das Getreide ins Biogas, weil es nichts mehr wert ist. Wir essen dann nur noch industrielle Weizensorten und bekommen Unverträglichkeiten oder es bleiben die Abfälle vom Acker wie Lupinen und Mais.“ BeckaBeck fördere dagegen über einen Verein den Erhalt alter Getreidesorten, zahle für den Alb-Weizen deutlich über dem Marktniveau, der Milch-Preis sei an den Brezel-Preis gekoppelt, „und meine Zahlen stimmen trotzdem.“ Das liege auch daran, dass er bei der Suche nach Filialstandorten nicht den üblichen Weg in der Branche gehe und die Miete an den Umsatz binden lasse. Als Mieter bringe BeckaBeck zusätzliche Frequenz und greife nicht nur Laufkundschaft ab, „das haben die Discounter und auch die, die Lebensmittel lieben, noch nicht begriffen“, machte Beck seinen selbstbewussten Standpunkt deutlich. „Faire Preise zahlen ja sowieso alle“, redete sich der Unternehmer mit Blick auf den Lebensmitteleinzelhandel ein wenig in Rage, „aber wir subventionieren ja lieber Wiesen und sehen zu, wie die Landwirtschaft wegstirbt.“

Stilles Zusehen scheint allerdings wirklich nicht Becks Sache zu sein: „Wir haben eigenen Kümmel gepflanzt und wenn wir die Genehmigung kriegen, bauen wir noch in diesem Jahr Mohn an“, umriss er, wie es in seinem über Jahrzehnte gepflegten Netzwerk ständig weitergeht. Zu den nächsten Zielen gehört auch – „nach einer längeren Pause“ – der Stuttgarter Weihnachtsmarkt, wobei Beck das Konzept betont locker und in seinem Entstehen als derart zufällig darstellte, dass richtig viel an Verhandlungen und Gehirnschmalz drinstecken muss. Die Stadt habe ihm als Repräsentant der Alb eine Fläche beim Königsbau angeboten, „auf der sich Umsatz nicht vermeiden lassen wird“, erklärte Beck grinsend. Als Spezialität habe er einen Stollen mit Äpfeln und Kirschen vorgesehen, die Aromen dafür „liegen bereits im Zucker“. Der Stand selber sei ein zweistöckiger Flying Space von SchwörerHaus, dessen durchaus auf Spektakel ausgelegte Entwürfe Beck mit dem ihm eigenen Understatement vorzeigte. Lediglich an einem Detail wurde deutlich, wie lange die Vorbereitungszeit gedauert haben muss und wie pragmatisch Beck mit Rückschlägen umgeht: „Die Äpfel kommen aus Schlat, die Kirschen aus der Türkei – in Deutschland sind in diesem Jahr keine zu bekommen.“ Moderator Markus Berger, der zusammen mit Beck Leitlinien für das Unternehmen entwickelt hat, damit Führung nicht nur persönliche Chefsache ist, gab der Präsentation eine vom Publikum akklamierte Höchstpunktzahl: „Ich kenne niemanden, der so unprätentiös über Innovationen spricht wie Heiner Beck.“

Hintergrund:

Heinrich Beck, Inhaber von BeckaBeck, war in vielen Bereichen Vorreiter, setzte sich gegen Widerstände durch und verfolgt bis heute immer neue Wege. Der Anbau alter Getreidesorten auf der Schwäbischen Alb, das Festhalten an handwerklicher Herstellungsweise des Teiges mit extrem langer Teigreifezeit oder das Mahlen des Getreides in traditionellem Mahlverfahren zeigen die tiefe Verwurzelung im Handwerk. Bei BeckaBeck ist wohl die Kombination von Handwerk mit Innovation das Geheimnis des Erfolges. Moderner Außenauftritt, kreative Produktideen und neue Wege der Vermarktung zeichnen das Unternehmen aus. Die Zusammenarbeit mit der Uni Hohenheim und die dadurch entstandene Verbindung von Handwerk mit Wissenschaft ist sicherlich einzigartig. Das Setzen auf altes Handwerk und dabei den Zeitgeist und die Innovation fest im Blick – das ist BeckaBeck.

© 2018 Marketing-Club Neckar-Alb e.V.