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FEBRUAR 2017 _ Metzingen

„Die Marke TUSSIES – unser Herz schlägt Pink“ mit Podiumsdiskussion zum Thema „Sponsoring“

 

Harz, aber herzlich

Mal wieder um einen Familienbetrieb ging es beim Marketing-Club Neckar-Alb im Februar - auch wenn in der Einladung "TuS Metzingen Handball Bundesliga GmbH" stand. Der Familienname lautete dabei eindeutig TusSies, freilich mit dem Mädchennamen Rott.

"Sponsoring" war das Stichwort des Abends, den die Kreissparkasse fast in Wurfdistanz zur Metzinger Öschhalle ausrichtete. Wobei Nähe zuweilen auch schwierig sein könne, wie TusSies-Geschäftsführer Ferenc Rott in seinem Vortrag über die Entwicklung von Team und Marke erklärte: "Die Euphorie über unseren Aufstieg in die erste Bundesliga hätte größer sein können." Tatsächlich schafften 2012 ebenfalls die Männer vom TV Neuhausen den Sprung ins Handball-Oberhaus. Wie klein nicht nur die Handball-Welt ist, hatte bereits eingangs Moderator Thilo Schmid anklingen lassen, der Sabine Schiller, langjährige Marketing-Club-Managerin, unter den Gästen begrüßte. Ihr Sohn Marcel hatte beim Neuhäuser Höhenflug entscheidend die Hände im Spiel - und damit die öffentliche Aufmerksamkeit geteilt.       

Bei aller Konkurrenz um Publicity und trotz des Schattendaseins des Frauenhandballs im Fernsehen trug Ferenc Rott eine Geschichte sich verstetigenden Wachstums vor. Danach habe es bei seiner Ankunft im Sommer 2009 noch nicht ausgesehen. Das Engagement seiner Ehefrau Edina, 30fache ungarische Nationalspielerin, als Spielertrainerin beim damaligen Zweitligisten entpuppte sich als Aufgabe, die weit über die Doppelfunktion hinausging. Im Etat klaffte damals ein riesiges Loch, Geldgeber hatten sich vom Verein abgewandt, Spielerinnen mussten auf Gehalt verzichten, so beschrieb Ferenc Rott die Ausgangslage: "Ich wollte nicht die Marke TusSies aufbauen, sondern unsere Familie retten." Deshalb habe er sich "erstmal nur für ein Jahr" als Handball-Manager versucht, obwohl er in seiner eigenen Sportlerkarriere Bälle immer nur mit Handschuhen angefasst hatte. Eigentlich sei es sein Plan gewesen, wie zuvor bei Darmstadt 98, Torwart-Talente auf den Fußballplätzen in Reutlingen oder Stuttgart zu formen. Jetzt hieß es, Sponsoren zurückzuholen und eine schlagkräftigen Kader aufzubauen. "Kein Geld schießt wenig Tore", formulierte Rott eine universale Profisport-Weisheit - keine deutsche Spielerin sei damals bereit gewesen, für so wenig Geld nach Metzingen zu wechseln. Bei der Arbeit im Sekretariat spannten die Rotts ihre älteste Tochter Ramona ein. Mit Spielerinnen aus Ungarn gelang es, das Team und die Finanzen zu stabilisieren.

Zu all dem Ärger kam dann im Dezember 2009 noch eine Provokation durch die lieben Nachbarinnen. Die im Sport wohl unerlässliche Rivalen-Anekdote erzählte Rott wie folgt: Der TV Nellingen bewarb sein Heimspiel auf den Fildern in Anlehnung an den bereits geläufigen Spottnamen  mit dem Spruch "Tussies haben keine Chance". Rott ärgerte sich so darüber, dass er aus Trotz einkaufen ging und seinen Spielerinnen auf der Bank rosa Heiligenscheine aufsetzte, sobald der Auswärtssieg feststand. In der Folge blieben die gelben Trikots wenn möglich im Koffer und die Pinkifizierung des Damenhandballs begann. Aufsehen erregen gehöre zum Geschäft, "wir müssen auch was verrücktes machen, ohne billig zu wirken", verwies Rott auf den 2012 erstmals erschienenen TusSies-Kalender. Die Sportlerinnen aus der Modestadt hätten mit wenig Textil "für Gesprächsstoff gesorgt", sah Rott den eigentlichen Zweck der Aktion erfüllt. Grundsätzlich sei aber nichts so sexy wie der sportliche Erfolg. Dank hoher Ziele und deren Umsetzung sei Metzingen eine attraktive Adresse für deutsche Nationalspielerinnen.

Anhand eines anderen Beispiels verdeutlichte Rott, dass manchmal im Marketing einfach nur das Ziel das Ziel sei: Als, Sportreporter sagen bei so etwas "ausgerechnet", in der Vorrunde der aktuellen Saison der frisch aufgestiegene TV Nellingen als Gast angesetzt und dafür die Stuttgarter Porsche-Arena gebucht war, mochte keine rechte Stimmung aufkommen. Zu chancenlos sah es für die Hornets aus. "Wir sind  weg vom Derby hin zum Publikumsrekord gegangen", fasste Rott den Wechsel in der Kommunikation zusammen. Über 6000 Zuschauer sahen den erwartet deutlichen Heimsieg.        

Aus den kurzen Wegen und der Nähe zur Basis haben die TusSies aber auch Kapital geschlagen. Eine Spendenkampagne von Privatleuten habe einen sechsstelligen Betrag erbracht. Auch darum habe man zunächst in der ohnehin räumlich eingeschränkten Öschhalle auf einen eigenen VIP-Bereich verzichtet. Mittlerweile kommt der Verein um die Business-Plätze nicht mehr herum, denn auf der Sponsoren-Plattform sind über 100 Unternehmen miteinander vernetzt.

Über "Patenschaften" seien Unternehmen und Spielerinnen "in der TusSies-Familie" miteinander eng verbunden, wie Spielmacherin Anna Loerper, mit weit über 200 Länderspielen ein Aushängeschild des deutschen Handballs, in der Podiumsrunde erklärte. Michael Bläsius, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Reutlingen, sieht sich in dem System abgestufter Sponsoring-Ebenen gut aufgehoben: "Das charmant-ehrgeizige Image strahlt auf die Sponsoren ab." Vom emotionalen Erlebnis her unterscheide sich ein Konto bei der Kreissparkasse nicht besonders von anderen Banken. "Mit dem Engagement bei den TusSies zeigen wir aber, dass wir das Geld für die richtigen Sachen einsetzen", führte der Gastgeber den Gedanken weiter aus. Marketing-Club-Vizepräsident Michael Rampf, als Geschäftsführender Gesellschafter der RAMPF Holding auf der Bühne, konstatierte: "Über die Werbung bei den TuSies verkaufen wir kein Kilo Gießharz mehr". Dafür erreicht Rampf über den Sport mehr Bekanntheit als Arbeitgeber. Von der professionellen Einstellung der Spielerinnen zeigte sich Rampf überaus angetan: "Dass sie zwischen Job und Training so zahlreich erschienen sind, zeigt: Die haben's verstanden." Für Loerper, die für den Marketing-Club noch etwas länger das Training schwänzte, war dies indes keine große Sache: " Uns wird von klein auf erklärt, dass wir neben dem Sport ein zweites Standbein brauchen und die Aktiven-Karriere mit Studium oder Berufsausbildung unter einen Hut bringen müssen. Wir Frauen im Handball sind da einfach clever." Rampf bestätigte Loerpers Aussage über die Familien-Bande: "Die absolute Lieblingslehrerin meines Sohnes ist Rechtsaußen Marlene Zapf."

Hintergrund:

Bei der Februar-Veranstaltung wird es pink. Der Club ist in Metzingen zu Gast bei den Handball-TusSies. Das Team tritt seit der Saison 2012/13 in der 1. Bundesliga an, wurde 2015/16 Deutscher Vizemeister und stand im Finale des EHF-Pokals. Zudem stellte die TuS Metzingen bei ihrem Heimspiel am 30. Dezember 2016 in der Stuttgarter Porsche-Arena mit 6.157 Zuschauern einen neuen Rekord in der Bundesliga auf.

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