Für Mitglieder

rückblick

JANUAR 2017 _ Pfullingen

„moovel Group: Wie entwickelt ein Corporate Startup die Zukunft urbaner Mobilität“

 

 

Die Apokalypse des Neckartals

Als App-Anbieter für das Stuttgarter Feinstaubticket ist die Daimler-Tochter moovel in den letzten Wintern ins öffentliche Bewusstsein gedrungen. Die stehende Luft  am Neckartor ist Ausgangs- und Drehpunkt für viele Diskussionen und  Drohszenarien mit Verkehrseinschränkungen und Fahrverboten - und  zugleich Wind in den Segeln neuer Geschäftsmodelle im Bereich der Mobilität. Jörg Lamparter, seit rund einem Jahr Geschäftsführer von moovel, blickte im Januar für den Marketing-Club Neckar-Alb in eine Zukunft, in der das Sternzeichen nur dann Bestand haben wird, wenn sich der Automobilkonzern neu aufstellt

Zur Einführung gab Club-Vizepräsident Markus Berger einen Vorgeschmack auf seinen eigenen Vortrag zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Markenarchitektur im April: Nicht ohne den selbstironischen Hinweis , als "Apokalyptiker" verschrien zu sein, kritisierte Berger das Festhalten der Deutschen Industrie an althergebrachter Technik. Berger verwies auf die in Zeiten niedriger Zinsen mit üppigem Risikokapital ausgestatteten Start-ups im Silicon Valley, die bereits jetzt an jedem Geschäftszweig der alten Konzerne sägten. In dieser Investment-Lotterie mache ein Treffer alle Nieten wett.

Lamparter, ehemals in der Finanzsparte bei Daimler tätig, blieb in der gleichen Tonlage. Trotz zuletzt bester Kennzahlen stehe die Automobilindustrie im gesamten Neckartal vor großen Umbrüchen, denn wer jetzt an Elektroantrieben arbeite, sei auf einen großen Teil des Know-hows für  Verbrennungsmotoren nicht angewiesen.   Zuweilen klang Lamparter ein wenig wie einst die mittelständischen Automotive-Zulieferer, wenn ihnen übermächtige Konzerne arg zusetzten. So etwa im Verhältnis von Daimler zu Googles selbstgeschaffener Mutter Alphabet  mit ihrem vielfach höheren Börsenwert: "Alle sind zugleich Feind und Partner im Markt." Alphabets selbstfahrendes Auto stehe einerseits in Konkurrenz zu Daimler-Entwicklungen. Auf der anderen Seite verwende moovel die IT von Google: "Unsere Daten liegen in den USA". Dies sei übrigens auch ein Grund, warum moovel in Deutschland am Stuttgarter Marienplatz und nicht in der Zentrale sitze: "In einem Umfeld mit vielen Regeln und vielen Anwälten und mit den klassischen Daimler-Methoden geht es nicht."

Auch das moovel-Logo sei bewusst nicht Daimler, erklärte Lamparter, es stehe schlicht dafür "von A nach B" zu kommen. In Städten mit knappem Parkraum, Stau und Smog bedeute dies in naher Zukunft vor allem die Kombination aus ÖPNV, Carsharing, Fahrdiensten und auch Mietfahrrädern. Der Schlüssel zur Fortbewegung liege in der App auf dem Smartphone, die anhand der GPS-Daten des Nutzers mit ein paar Klicks und Wischern die wahlweise günstigsten oder bequemste Transportmöglichkeiten zusammenstellt und buchbar macht.  2,2 Millionen Kunden in zählt moovel derzeit in zehn großen Städten in den USA, wo das Unternehmen durch Firmenkäufe entstand. In Deutschland seien es um die 600.000 Anwender in Stuttgart und Hamburg, wobei Lamparter gleich einschränkte, dass die App selbst kostenlos und an ihr selbst nichts zu verdienen sei. Vielmehr gehe es darum, sich für die Zeit zwischen Kunden und eigentlichem Mobilitätsanbieter zu positionieren, wenn das nur kurzzeitig genutzte vernetzte selbstfahrende Elektrofahrzeug das Straßenbild in den Städten präge. Der noch in Deutschland vom Wettbewerb ferngehaltene Mitfahrvermittler Uber mache diese Strategie bereits vor -"mit einer Entschiedenheit als ob die in den Krieg ziehen" - und eher auf kurz als auf lang dem Taxigewerbe den Garaus. "Die Regulierung  wird fallen", gab sich Lamparter überzeugt.

Freilich bezog sich der Vortrag Lamparters, der selbst in Grafenberg wohnt, vor allem auf den von Reichweiten und Endhaltestellen begrenzten urbanen Verkehrsraum in den Ballungszentren. Die Gegenwart in der Pfullinger Nutzfahrzeuge-Ausstellung der Mercedes-Niederlassung stellte sich für die Flächen außerhalb der virtuellen Stadtmauern  etwas anders dar. Waren Nutzfahrzeuge früher vor allem Kasten- und Pritschenwagen, komme nun immer mehr Nachfrage aus dem privaten Bereich, zeigte Gastgeber Matthias Willy auf die ausgestellten Vans mit Camping-Ausstattung. 

Hintergrund:
Städte wachsen und entwickeln sich fortlaufend weiter. Damit ändern sich auch unsere Ansprüche und Bedürfnisse an die Art und Weise, wie wir uns in Städten fortbewegen. Ob mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Auto oder Fahrrad – es gibt viele Optionen, um unser Ziel zu erreichen. Die On-Demand-Economy und ihre neuen Technologien ermöglichen uns jederzeit und überall Zugriff auf Mobilitätsdienste. Die Verfügbarkeit ist aber längst nicht mehr der einzige Faktor. Ebenso entscheidend ist eine einfache, intuitive Nutzung.

Mobilitätskonzepte in Städten stehen vor dem Umbruch. Das Daimler-Tochterunternehmen moovel hat sich zum Ziel gesetzt, urbane Mobilität neu zu gestalten. 

Folgende drei Fragen sind dabei zentral: 

1. Wie können wir neue Technologien nutzen, um die innerstädtische Mobilität von morgen zu vereinfachen? 

2. Wie lassen sich urbane Mobilitätsangebote intelligent vernetzen?

3. Wie schaffen es etablierte Unternehmen, sich den Herausforderungen von morgen auf innovative Weise zu stellen?

Mit den drei Produkten moovel App, moovel transit und RideTap bietet moovel mit 220 Mitarbeitern ein einzigartiges vernetztes Angebot für urbane Mobilität.

© 2017 Marketing-Club Neckar-Alb e.V.