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OKTOBER 2016 _ Rottenburg

Marke Somfy, „Smart Home“

Rolladen hoch !

"Stellen Sie sich eine allein lebende Seniorin vor, die in ihrer Wohnung umkippt: Über ihr Sensor-Armband geht der Notruf ab und wenn der Arzt kommt, geht für ihn die Tür auf."  Als Oliver Rilling, Leiter strategisches Produktmarketing bei Somfy, konkrete Beispiele nannte, wurde die über das Internet gesteuerte Haustechnik tatsächlich so "einfach und verständlich", wie es Clubpräsident Hans Steiner zu Anfang des Oktober-Abends in Rottenburg angekündigt hatte. Einfach für die Anwender, anspruchsvoll für die Anbieter und unumgänglich für den Fortbestand des Unternehmens sei die Transformation  des Zuhauses in ein Smart Home, erklärte Rilling in seinem Vortrag.

Der französische Konzern Somfy gilt als Weltmarktführer bei Antrieben und Steuerungen für Sonnenschutz und Rolläden. "In Rottenburg haben wir nur eine sehr sehr kleine so genannte Produktion", gab Marketingleiter Jürgen Fitting bei seiner Vorstellung als neues Mitglied im Marketing-Club Neckar-Alb eingangs zu verstehen, dass es bei der Veranstaltung nicht unbedingt um funkgesteuerte Elektromotoren gehen werde. Tatsächlich bezeichnete Rilling den ersten Markisenmotor, den Somfy 1967 hergestellt hatte, als eher zufällige Auftragsarbeit: "Wir hatten nicht den Hauch einer Ahnung von Motoren und es gab auch keinen Markt." Eigentlich sei das Unternehmen damals Hersteller von Uhren-Kleinteilen und Angel-Getrieben gewesen. Dass es von dort in eine ganz andere Richtung ging, machte Rilling an der "DNA des Unternehmens" fest: "Wir probieren immer gerne neue Sachen aus." 

Die Freude an der Innovation erwies sich aber nur als ein Teil  des Grundgedankens, der sich durch Rillings Vortrag zog. Zur neuen Idee gehöre auch der Bruch mit dem Hergebrachten, erklärte Rilling am Beispiel der Digitalisierung: "Alles was man digitalisieren kann, wird auch digitalisiert. Sobald Industrien digitalisiert sind, werden sie angreifbar. Durch Crowd-Funding kommen dann mal kurz neue Firmen auf, die Dein ganzes Geschäftsmodell zerstören können." Statt sich von anderen auseinandernehmen zu lassen, sei es im Unternehmen notwendig, sich selbst zu kannibalisieren und eigene Produkte durch Neuerungen überflüssig zu machen. Während auf der einen Seite ein solides, bequemes, sicheres Zuhause für die Kunden stehe, bleibe auf der anderen Seite beim Anbieter kaum ein Stein auf dem anderen. Speziell die ausführenden Handwerker seien von der neuen Technik "zu maximal 20 Prozent begeistert". Skeptische Reaktionen aus dem Handwerk wie "Wie kann man damit Geld verdienen?", Wozu soll das gut sein?" oder "Das ist nicht gut genug!" seien kein Makel, sondern positive "Disruptionsmerkmale". Vielmehr sei es nötig schnell "mit nur 80 Prozent der gewünschten Features" in den Markt zu gehen, "sonst verlieren wir Zeit". Nachbessern sei dabei durchaus erwünscht, verglich Rilling das Smart Home mit der "Modelleisenbahn für ältere Herren": Zum günstigen Grundsystem gebe es immer neue Bausteine dazu, "die das Geld bringen." Der Beratungsbedarf sei dabei freilich enorm, sowohl bei den Handwerkern als auch bei den Endkunden. Für letztere habe Somfy in Deutschland 15 Mitarbeiter im Einsatz, was aber längst nicht ausreiche. Um den kompletten Prozess digitalisieren zu können, brauche es neben dem Webshop auch eine aktive Community. "Rund 50.000 Kunden monatlich helfen einander in unseren Foren", quantifizierte Rilling scherzhaft das Ausmaß des "Helfersyndroms" im Netz. 

Mit am wichtigsten sei es, sich nicht die Kundenbeziehungen "klauen" zu lassen. Dafür gelte es, der "Transformation der Aufmerksamkeit" auf Seiten der Endkunden Rechnung zu tragen, wie Rilling am Beispiel Sonnenschutz ausführte: "Gestern ging es noch darum, wie der Rolladen aussieht. Dann kam die Frage nach der Art des Sonnenschutzes. Bald entscheidet sich die Anschaffung daran, ob's zum Smart-Home-System passt." In Rottenburg seien deshalb eineinhalb Stellen mit Marktforschung beschäftigt, sagte Rilling, "wir haben immer den Radar an." Die Peilung geht dabei aktuell zum altersgerechten Wohnen. Somfy ist einer der Industrie-Partner im Tübinger Projekt LebensPhasenHaus, das jüngst  von der Robert Bosch Stiftung mit dem Deutschen Alterspreis ausgezeichnet wurde. Ein Tablet mit Touchscreen sei für Senioren keine Hürde, wenn sich die App so leicht einstellen lasse wie der Wecker auf dem Handy. Ein Nischenmarkt sei die technische Voraussetzung für betreutes Wohnen zuhause als Alternative zum Altersheim erst recht nicht. Die Installation der elektronischen Helfer rentiere sich schon in den ersten beiden Jahren, rechnete Rilling vor,  "und wenn's das in 1000 Häusern gibt, kann eine Antrag auf Kostenübernahme durch die Krankenkassen gestellt werden."

Hintergrund:
Die Somfy GmbH in Rottenburg, größte Auslandsgesellschaft der Somfy SAS in Frankreich, Weltmarktführer für Antriebe und Steuerungen rund um das Thema Sonnenschutz, hat es sich auf die Fahne geschrieben, einer der führenden professionellen Smart-Home Anbieter zu werden.

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