Für Mitglieder

rückblick

APRIL 2016 _ Reutlingen

iPoint-Systems: Von der Integration zur Nachhaltigkeit

Legalsoftware

An der Wand verkündete ein großes Poster die Vision 2050. Im Vortrag zeigte dann Jörg Walden, Geschäftsführer der iPoint-Systems GmbH, dass er weit in die Zukunft denkt und seine Überlegungen gerne teilt - im April mit den Gästen vom Marketing-Club Neckar-Alb. 

Mitte des 19. Jahrhunderts füllte Alexandre Dumas seiner Romanfigur Abbé Faria die komplette Gefängniszelle mit Wissen, das dann den Häftling Edmond Dantès in den Grafen von Monte Christo verwandelt. Und damit der Racheplan des Protagonisten überhaupt in Fahrt kommen kann, gibt es noch eine Schatzkarte obendrauf. Heute lassen sich Informationen ganz anders anhäufen, wie Walden in einem Ausblick erkärte: "Demnächst bekommt man für einen Euro in der Cloud soviel Speicher, dass es für das komplette Wissen eines Menschen reicht. In 30 Jahren gibt's für diesen Betrag Speicherkapazität für das Wissen der ganzen Weltbevölkerung. Die Frage ist: Was macht man damit?"  

 

Die Antwort gab Walden indirekt und ohne ganz tief in konkrete Details einzusteigen, aber die Botschaft kam an: Die Ressource Wissen benötigt Infrastruktur, ihr Fluss muss gesteuert werden und es braucht Spezialisten mit Erfahrung und Fachkompetenz, damit Unternehmen benötigte Daten schnell zusammenstellen und passgenau auslesbar an Behörden sowie Kunden weiterleiten können. Im Frühjahr 2016 hatte iPoint-Systems 111 Mitarbeiter am 2014 neu errichteten Firmensitz in Reutlingen und an zehn weiteren international verteilten Standorten. Die Belegschaft hilft der Industrie in 85 Ländern mit Software dabei, Informationen zu Rohstoffen, Herstellungsverfahren und Regularien so aufzubereiten, dass der Container nicht beim Zoll festhängt und der Lastwagen abgeladen aus der Fabrik zurückkommt. 

iPoint-Systems sei 2001 als "Vier-Mann-Betrieb gestartet" und "bis zur 2008 kontinuierlich gewachsen. Wir haben viel daraus gelernt", erklärte Walden, wie schnell es gehen kann - und auch, wie schnell es mittlerweile gehen muss. Global gesehen ändern sich Gesetze andauernd, speziell im Bereich Automotive, den iPoint-Systems neben Luftfahrt, Elektronik und Medizintechnik nach wie vor zum Kerngeschäft zählt. Moderator Thilo Schmid zog hierbei einen Vergleich zu seiner eigenen Branche und kam zu dem Schluss, dass die Automobilwirtschaft mehr Vorschriften zu beachten  habe als das Kreditgewerbe. 

Nachweise, Dokumentationen und Zertifikate auf elektronischen Registrierungsplattformen zu erbringen ist für Walden die eine Herausforderung, verschärft durch die immer höhere Entwicklungsgeschwindigkeit: "Wir diskutieren mit der DEKRA, was passiert, wenn Entwicklung und Produktion on the fly geschehen. Macht dann der Computer die Zertifizierung anhand von Simulationen?" Auf der anderen Seite stehe die Individualisierung in Produktion: "Massenfertigung in der Losgröße 1" gehe "nicht ohne Big Data. Die Anforderungen an die Lieferanten sind gewaltig", sagte Walden. So seien bei der Entwicklung eine Autos rund 2000 Einzelteile zu berücksichtigen, mitsamt deren chemischen Eigenschaften, deren Wechselwirkungen, dem kompletten Energieverbrauch und dem Entsorgungsaufwand. "Das Recycling von Carbon ist schwieriger als bei Stahlblech - das ist mittlerweile sogar in China stark reguliert", merkte Walden an.

Auch wenn der Firmengründer nicht den Eindruck erweckte, es jemals gemächlich angegangen zu haben, will er nochmals das Tempo steigern: "Wir sind noch zu langsam. Delegationszielführung frisst Geschwindigkeit." Deshalb skizzierte er zum Schluss seine Idealvorstellung von einer Firmenstruktur in Zellen - allerdings nicht abgekapselt und überwacht wie im Château d'If, sondern autonom und kundenorientiert. 

© 2017 Marketing-Club Neckar-Alb e.V.