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rückblick

FEBRUAR 2016 _ Reutlingen

BMWi – im Rückspiegel – Wie wurde die neue Submarke eingeführt – wie geht es weiter …?

Brücke motiviert weitere Ideen

Manchmal hört man in Vorträgen beim Marketing-Club Neckar-Alb immer wieder ähnliches, ohne dass es an der Abwechslung fehlt: Im Januar hatte Raumfahrtexperte  Ernst Messerschmid auf lange Sicht den Durchbruch der Brennstoffzelle im irdischen Fahrzeugantrieb vorausgesagt. Batterien komme dabei die Rolle der Brückentechnik zu. Im Februar bestätigte Klaus Ahrweiler, Deutschland-Vertriebsleiter für die Elektroautos der Bayerischen Motorenwerke, diese Ansicht. Beim Club-Abend im Reutlinger Autohaus Menton legte Ahrweiler dar, wie BMW mit den i-Modellen die Brücke schlägt, die erste Strecke darauf zurücklegt und dabei den Automobilkonzern zu einer ganzen Reihe Nebenziele in Produktionsabläufen und Materialentwicklung  befördert. 

In der  Anmoderation von Hans Steiner war allerdings noch nichts von einer Brücke zu hören, wobei er als Bild auch eine gymnastische Figur wählte, nämlich den Spagat zwischen zwei grundsätzlich verschiedenen Erfahrungen mit BMW: Vom Fahrspaß, den kurze Tankstopps unterbrechen, hin zu "Autos, die nicht preiswert sind" mit langen Ladezeiten. Was den Fahrspaß des Elektroantriebs  anbetraf, wusste Menton-Geschäftsführer Frank Hindennach gleich gegenzusteuern: "Der Durchzug ist unglaublich, von 0 auf 60 wie im M3." Dass der aktuelle Entwicklungsstand  nicht der Weisheit letzter Schluss ist und noch ein großes Manko besteht, stellte Ahrweiler gleich am Anfang fest: "Elektrofahrzeuge haben die kleinste Reichweite, da reden wir erst gar nicht drum herum."

Der Kleinwagen i3, einziger rein elektrisch angetriebener BMW neben einigen Hybriden, sei für den Individualverkehr in der Stadt ausgelegt, für Strecken, auf denen die Nutzer nicht Gefahr laufen, das Auto nach knapp 200 Kilometern zur weit entfernten Steckdose schieben zu müssen. Für die Zukunft versprach Ahrweiler größere Batteriekapazitäten, wobei BMW lediglich die Zellen zukaufe, die für Reichweite mindestens ebenso relevante  Elektronik jedoch selbst entwickle und optimiere. Ahrweiler zog hier eine Parallele zu den Verbrennern: "Die Radioantenne kommt vom Zulieferer, aber der Motor ist ein Alleinstellungsmerkmal." Nach diesem Schlenker  zielte der Referent  auf einen ganz anderen Aspekt der urbanen Mobilität ab: "Für junge Städter ist das Benutzen nicht mehr gleich mit dem Besitzen eines Autos." Standkosten und knapper Parkraum verstärkten den Trend zum Teilen, kurzzeitigen Mieten und Kombinieren mit anderen Verkehrsmitteln.    

Wohl auch deshalb gibt es für den i3 keine Trägersysteme, die Fahrt mit der Dachbox  in den Skiurlaub ist im Konzept schlicht nicht vorgesehen. Vielmehr gehe die Reise mit dem i3 vornehmlich zu Zielen im Ballungsraum - und das gehe ohnehin bald nur noch ohne Abgase, wie Ahrweiler anhand internationaler Beispiele "richtiger Großstädte"  illustrierte: Die City-Maut in London sei im Elektromobil gerade noch einigermaßen bezahlbar, der Smog in Peking mache  Autofahren zum ungesunden Glücksspiel um Durchfahrtsberechtigungen  und ein Kennzeichen in Singapur koste so viel wie der Wagen selbst. Für den Stuttgarter Feinstaubalarm  hatte Ahrweiler da nur eine knappe Geste übrig. 

Scherzhaft, aber keinesfalls spöttisch sprach Ahrweiler vom Google Car als "elektrifizierte Isetta". Der selbststeuernde Zweisitzer, der kurz vor dem Club-Abend seinen Premieren-Rempler im öffentlichen Straßenverkehr von San Francisco  glimpflich überstanden hatte, sei ein Fingerzeig in Richtung "Megatrend automatisiertes Fahren". BMW kooperiere in diesem Bereich bewusst nicht mit den Unternehmen aus dem Silicon Valley , "die keine Ahnung von Autos, dafür aber von Daten haben", sondern schaffe sich eigenes Know-how. Datensicherheit, vielleicht sogar ein wenig der Selbsterhaltungstrieb des Münchener Konzerns, so ließ Ahrweiler durchklingen, seien Grund genug, auf Distanz zu bleiben: "Der gläserne Automobilist - das wollen wir nicht!"

Hintergrund:
Mit BMW i hat sich die BMW Group für einen gleichermaßen revolutionären wie innovativen Weg in das Zeitalter der Elektromobilität entschieden. Elektrofahrzeuge von Grund auf neu gedacht und produziert, die Nachhaltigkeit und Fahrspaß auf einzigartige Weise vereinen.

Nachhaltige Produktion in Leipzig, Nutzung von Wasserkraft, extremer Leichtbau, Nutzung natürlicher und recycelter Materialien, Eigenfertigung der Elektromotoren und Batteriesteuerung sowie Aufbau einer neuen Marke und eines neuen Vertriebssystems sind einige der vielen faszinierenden Aspekte dieser neuen Automobilmarke.

Klaus Ahrweiler, Leiter BMW i Vertrieb Deutschland, hat Project i von Beginn an begleitet.

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