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rückblick

SEPTEMBER 2015 _ Tübingen

Aufbau der Marke bulthaup

Ganz oben bei den Dritten

Am Anfang des Club-Abends im September stand ein Running Gag, der sich 2015 durch  alle Veranstaltungen zog, sobald es um Mode ging. Alt-Präsident Prof. Dr. Gerhard Braun bedankte sich in seiner Anmoderation bei Club-Beiratsmitglied Jochen Holy dafür, dass er seine Kontakte hatte spielen lassen und Gerd Bulthaup als Hauptreferenten verpflichtet hatte. Braun würdigte dabei Holys Leistungen beim Aufbau von "Hugo Boss", bei der Entwicklung der Outlet-City Metzingen und schließlich als Produzent der Marke "Tommy Hilfiger". "Das machen wir nicht mehr", korrigierte Holy den letzten Punkt der Aufzählung und lieferte damit ein weiteres Beispiel für die Endlichkeit von Beziehungen im Lizenzgeschäft. Wie stark Holys Verbundenheit dagegen zu Gerd Bulthaup ist, drückte sich in den wenigen Worten aus, mit denen er ihn vorstellte: "Er ist ein ganz toller Unternehmer"    

Im Durchschnitt kaufe man sich in Deutschland dreimal im Leben eine Küche, griff Gerd Bulthaup zu Beginn seiner Ausführungen in die Statistik-Schublade. "Von uns sind dann solche dritte Küchen, die man sich anschafft, wenn die Kinder aus dem Haus sind." Braun bestätigte dies  mit Blick auf seinen eigenen Haushalt. Mit der Ware aus den großen Möbelhäusern hat eine bulthaup-Küche wenig gemein, soweit war zu diesem Zeitpunkt schon klar. Bei der Position im Markt ging Gerd Bulthaup gleich ganz aus den Vergleichsmöglichkeiten heraus: "Unsere Wettbewerber sind die Innenarchitekten zusammen mit guten Schreinern." In Letzteren sieht bulthaup aber auch wieder seine Partner, was den Club überhaupt erst in die Ausstellung von Eveline und Frank Saur gebracht hatte.    

Seit 1995 ist HOLZ + FORM im Tübinger Provenceweg ansässig -"zunächst mit einem anderen Küchenhersteller", wie Gastgeber Frank Saur berichtete. "Wir waren nicht glücklich mit Designsprache und Qualität". 2000 kam es dann zur Zusammenarbeit mit bulthaup, die Saur als "Symbiose" bezeichnete. Der große Vorteil für HOLZ + FORM: "bulthaup hat über 100 Patente, das könnten wir als Schreinerei gar nicht leisten." Die Bindung muss aber auch für beide Seiten passen, denn bulthaup duldet bei seinen Partnern keine anderen Küchenhersteller neben sich.

"Franchise haben wir gar nicht", sagte Gerd Bulthaup als er Bilder von Ausstellungen in Europa, Amerika und Asien zeigte. 80 Prozent der 150 Millionen Euro Jahresumsatz generiere die in Aich bei Landshut ansässige bulthaup-Gruppe außerhalb Deutschlands. Die vier Standorte in Taiwan hob er dabei als "unglaublich guten Markt" hervor, während im italienischen Bari lediglich "drei Küchen im Jahr"  geordert würden, dann aber jeweils "für 150.000 bis 200.000 Euro", wie Gerd Bulthaup leise anfügte.         

Das Thema Exklusivität schlägt sich beim Thema Print-Werbung nieder. Frank Saur erklärte: "In Zeitungen machen wir gar keine Werbung, außer vielleicht mal für unsere Veranstaltungen,wenn wir Weinproben oder Koch-Abende geben - oder der Konzertflügel zum Einsatz kommt. Ansonsten sei das Umfeld in Kollektiven nicht adäquat." HOLZ + FORM stellt sich in einer ebenso handfesten wie edlen Broschüre vor. Gerd Bulthaup erzählte zum kompletten Verzicht seines Unternehmens auf Flyer und Prospekte eine ganz kurze Geschichte, deren Pointe sich durchschnitssverdienenden Ersteingerichteten nicht auf Anhieb erschließen musste: "Als ich heute morgen die Süddeutsche Zeitung hereinholte, da ist die Beilage eines Küchenstudios heraus auf den Boden gefallen."

Die Marke bulthaup teilt sich über ein Lifestyle-Magazin und vor allem ein jährlich neu aufgelegtes Buch mit. Dessen Gestaltung - wie auch der kleingeschriebene Schriftzug des Unternehmens - geht auf Otl Aicher, Mitbegründer der Ulmer Hochschule für Gestaltung, zurück. Aicher, für die Piktogramme der Olympischen Spiel von München bekannt und Schöpfer der Rotis-Schriftfamilie, habe großen Einfluss auf die Formensprache bei bulthaup gehabt, was Gerd Bulthaup in seinem Vortrag immer wieder zum Ausdruck brachte. Die gemeinsamen Exkursionen an die Arbeitsstätten der Spitzengastronomie hätten sich auf das Konzept der Küchenwerkbank, jedoch weniger auf die eigenen Kochkünste ausgewirkt: "Ich habe dabei vor allem gelernt, gut zu essen."  

Um gutes Leben ging es auch bei den Alleinstellungsmerkmalen von bulthaup: "Wir haben einen Lebensraum geöffnet - im Gegensatz zu den 15 Quadratmetern Frankfurter Küche mit ihrer Blickrichtung zur Wand." Als technische und ästhetische Innovationen aus der drei Generationen umfassenden Firmengeschichte  zeigte Gerd Bulthaup in seiner Präsentation genarbte Kunststoffe und große Edelstahloberflächen, die Privatleute mit Personal oder Putz-Fetisch glücklich machen. Ein zeitloser Wert sei eine "nur aufgestellten, nicht eingebauten" Aluminium-Küche, die auch in seine eigene Schweizer Berghütte passe. Zugeständnisse an regionale Geschmäcker und den Zeitgeist  mache das Unternehmen ohnehin nicht: "Es gibt nur eine Linie", stellte Gerd Bulthaup klar, was Braun abschließend aus eigener Erfahrung bekräftigte: "Und die muss man eben haben wollen."     

Hintergrund:

Als familiengeführtes Unternehmen in der dritten Generation ist die Bulthaup Group seit über 60 Jahren erfolgreich am Markt und ein führendes europäisches Unternehmen im Premium-Küchensegment (Zielgruppe Konsumenten).

Die Bulthaup Group beschäftigt ca. 650 Mitarbeiter/innen im In- und Ausland; Produktion ausschließlich in Aich/Landshut/Bayern. Der Exportanteil beträgt ca. 80 Prozent; der Vertrieb erfolgt über eine konsequente, selektive Struktur – weltweit.

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