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JULI 2015 _ Alfred Gohm GmbH

„Mythos Ferrari“

Schön und schnell

"80 Prozent der Dinge,die Geld kosten, sind unnütz. Aber Spaß gehört zum Leben." Wo Thorsten Gohm, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses in Böblingen, die exakte Zahl her hatte, verriet er nicht. Spaß war jedenfalls bei der Sommerlounge des Marketing-Clubs bei all den schnittigen Fahrzeugen geboten: Gut 40Reservierungen für beschleunigte Beifahrten in "Renntaxis" zeugten von einem ansprechenden Programm.

Was Gohm ein wenig gestichelt hatte, war eine augenzwinkernde Bemerkung des Sportwagen-erprobten Club-Präsidenten Hans Steiner zur Alltagstauglichkeit eines von ihm getesteten Lamborghini. Immerhin schafften es alle Club-Mitglieder, die in die niedrigen Sitze der angebotenen Wagen stiegen, auch wieder selbständig heraus. Grundsätzlich machte der Autohändler aber keinen Hehl daraus, dass in seinem Geschäft Nutzwert und rationale Kaufentscheidungen kaum eine Rolle spielen: "Wir sind ein Unternehmen, das von Emotionen lebt."


Die Zielsetzung des Familienunternehmens mit Hauptsitz in Singen sei es, der führende Luxuswagenhändler in Baden-Württemberg zu sein. Dabei habe sich die Firmengruppe erst Anfang der 80er-Jahre italienischen und britischen Sportwagenmarken zugewendet, erinnerte sich Thorsten Gohm an die erste und gleichzeitig letzte Fahrt seines Vaters mit einem Ferrari: "Nachdem ersich auf Eis gedreht hatte, ist er nie wieder eingestiegen." Weitere Standbeine, teils mit Partnern, seien Vertretungen für Landmaschinen und Pkw von Volumenherstellern. Dass dieses Konstrukt funktioniere, liege daran, dass sich alle beteiligten auf ihre Sparten fokussierten: "Man darf sich als Gesellschafter nicht zu sehr ins Tagesgeschäft einbringen", sagte Gohm.    

Nummer 1 sei das Autohaus als Mieter auf dem neu erschlossenen Gewerbeareal am alten Flugfeld gewesen, erklärte Gohm. Nach dem Ende der militärischen Nutzung habe er 2007 den Vertrag unterschrieben. 2013 wurde das Ausstellungsgebäude fertig - mit viel Glas, um Lack und Chrom glänzen zu lassen, einer ordentlichen Akkustik für dieSaxophonfrau Helen Hofmann und einer großen Dachterrasse, auf der die Caterer von Targa Florio ihre Grillstation eingerichtet hatten.

 
Die Wahl des Standorts sei aber nicht allein der Autobahnnähe und den großzügigen Platzverhältnissen geschuldet, wie Gohm erzählte: "Erst hat uns die Stadt Stuttgart ein Grundstück auf dem Pragsattel angeboten. Dann kam aber die Umweltzone." Für so manchen kostspieligen Youngtimer habe eskeine grüne Plakette gegeben, "wir hätten den F40 auf Lastwagen an den Stadtrand ausliefern müssen." Einen generellen Fingerzeig für die Zukunft des herkömmlichen Verbrennungsmotors mochte Gohm in seiner eigenen Anekdote nicht erkennen. So bewertete er beispielsweise Tesla als "gutes Auto", das aber auch nicht mehr biete, als herkömmliche Fahrzeuge - "außer, dass man in den Ladepausen in Ruhe seine Mails checken kann.Vielleicht wird das was, wenn E-Autos fliegen können", spöttelte Gohm. Als Gegenentwurf enthüllte er gemeinsam mit Steiner in einer "Premiere für Händler in Europa" den neuen Ferrari 488 GTD. Was die Karosserieform anbelangt, lief diese Präsentation nach Gohms eigener Aussage dem globalen Trend im  Luxussegment aber entgegen: "Mit angestellten Chauffeuren und auf schlechten Straßen nehmen die Kunden in China und Russland lieber SUV."

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