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rückblick

MAI 2015 _ Haigerloch

„Die Marke Marc O’Polo“

Anders und besonders

"Mit Losern im Wettbewerb zu sein, ist eine absolute Katastrophe": Scheu vor Vergleichen lag Alexander Gedat bei den Haigerlocher Schlossgesprächen des Marketing-Clubs Neckar-Alb fern.  Der Geschäftsführer der Marc O'Polo - Gruppe vertrat nicht nur den alten Grundsatz, wonach Konkurrenz das Geschäft belebt. Vielmehr liege es im vitalen Interesse der ganzen Bekleidungsbranche, dass sich die Firmen gegenseitig auch zu gewagten Ausgaben anstacheln: "Ein Unternehmen, das nicht investiert, ist tot."

Risiken seien ohnehin ein untergeordnetes Thema am Firmensitz im oberbayerischen Stephanskirchen: "Wir haben 2003 die Firma auf Chancenorientierung gedreht, die Schwächen weggelassen und uns auf die Stärken konzentriert." Dies funktioniere freilich nur durch die finanziell konservative Ausrichtung der Aktiengesellschaft und ihrer Töchter, die sich zum weit überwiegenden Teil im Besitz von Werner Böck befinden. Letzterer hatte Ende der 60er-Jahre das Deutschland-Geschäft der damals noch jungen schwedischen Lifestyle- und Mode-Marke aufgebaut und über die folgenden Jahrzehnte hinweg den Konzern übernommen und vergrößert. Investitionen erfolgten aus eigener Kraft , denn "wir wollen frei entscheiden, wo und was wir investieren", erklärte Gedat. Die Perspektive sei dabei langfristig ausgerichtet: "Unsere neuen Shops in Polen und den Niederlanden werden über den Erfolg in Deutschland finanziert. Wenn es mal in Deutschland schwächer wird, dann geht es anders herum."

Bis 2014 sei der Jahresumsatz auf gut 450 Millionen Euro angestiegen, so Edgar Lehmann in seiner Anmoderation, Den Zuwachs "in einem schrumpfenden Textil-Markt" erklärte Gedat damit, dass es bei den Verbrauchern neben "billiger" auch den Trend "wertiger" gebe. Das Segment  "Premium Casual", dem sich Marc O'Polo zurechnet, profitiere von dieser Entwicklung. Auf eine Definition des Marktsegments verzichtete Gedat, dafür  erklärte er, wessen Windschatten Marc O'Polo genutzt hatte - und dass es zielführend sein kann, die Marke erst einmal über eine einzelne Sparte einzuführen, um dann eine gesamte Produktpalette abzubilden: "Tommy Hilfiger hat uns den Weg bereitet, seine Marke hat er auf Parfum aufgebaut."  Mittlerweile  sei Hilfiger " bei den Herren noch besser, bei den Damen sind wir bereits vorbeigezogen", beschrieb Gedat die Konkurrenzbeziehung, die auf beide Unternehmen positiv wirke. Entsprechend mochte Gedat auch nicht schlimmes im Wandel der Vertriebswege sehen. "2016 wird Zalando unser größter Kunde sein, bislang ist es Breuninger", rechnete Gedat seine neuesten Zahlen hoch. Für den stationären Handel bedeute der Zuwachs des Online-Geschäfts indes nicht unbedingt einen Nachteil. Ebensowenig habe das Metzinger Outlet von Marc O'Polo den Franchise-Store und den Breuninger-Absatz in Reutlingen beeinträchtigt. Online, Fachhandel und Fabrikverkauf sprächen so unterschiedliche Zielgruppen an, dass im Gegenteil alle voneinander profitierten - "und außerdem durften wir zwischen den anderen Marken im Metzingen nicht fehlen und müssen irgendwo die Reste verkaufen." Lehmann, Leiter des Reutlinger Breuninger-Kaufhauses, lächelte dazu ohne weiteren Kommentar.  

Trotz aller Erfolgsgeschichte sei auch Marc O'Polo nicht vor Rückläufern gefeit. Habe man Anfang der 70er-Jahre als "Pionier" den eigenen Markennamen großflächig auf Sweatshirts "in 24 Farben" gedruckt und "von jedem 1000 Stück verkauft, davon träumt Werner Böck noch heute", so zeige sich die aktuelle Kollektion bewusst weniger farbenfroh, berichtete Gedat von einem Rückschlag aus der jüngeren Vergangenheit. Demnach habe der Handel 2013 eine breitere Farbpalette gefordert. Den Käufern sei dies aber zu bunt geworden. In der Konsequenz habe der Bekleidungshersteller seine Farbensprache neu definiert und in den Handel gebracht. Dies sei übrigens  auch der Weg, wie Marc O'Polo nach China komme: Vor Ort erhalten demnach die Verkäufer Schulungen zu Inhalten und Auftritt der Marke, zeigte Gedat auf, in welcher Richtung der Informationsfluss erfolgt. Änderungen am Design mit Rücksicht  auf regionale Märkte seien ohnehin nicht nötig: "Die Chinesen wollen sich europäisch kleiden und auch in Russland ist Bling-Bling vorbei. Die Welt wächst durch Mode zusammen."

Was Marc O'Polo und seinen füheren Lizenznehmer Sanetta, Gastgeber des vorangegangenen Club-Abends im Mai, auseinandergebracht hat, darauf wollte Gedat übrigens auch trotz Nachfragen nicht genauer eingehen. "Offensichtlich hat etwas nicht mehr gepasst. Aber wir reden noch miteinander und heute Mittag war ich mit Dr. Ammann essen," ließ Gedat erst gar nicht den Ruch aufkommen, es sei noch schmutzige Wäsche zu waschen.

Hintergrund:
MARC O’POLO steht für einen urbanen, lässigen Lifestyle mit gehobenem Anspruch. Charakteristisch für die Marke mit schwedischen Wurzeln ist die Vorliebe für natürliche Materialien.

Mit kreativen, hochwertigen Produkten hat sich MARC O’POLO erfolgreich im Premium Casual Segment etabliert.

Alexander Gedat ist seit über 20 Jahren für das Modeunternehmen Marc O'Polo tätig: Zunächst als kaufmännischer Leiter der deutschen Vertriebsgesellschaft und als Geschäftsführer des deutschen  Einzelhandels. Im Vorstand der Holding verantwortete er den Bereich Finanzen, dann zusätzlich den Bereich Vertrieb. 2005 wird er mit einem 5 Prozent Anteil Teilhaber an der Marc O'Polo AG. Seit Juni 2008 konzentriert er sich ausschließlich auf den Vertrieb im Groß- und Einzelhandel. Im Oktober 2012 erfolgte seine Ernennung zum CEO.

Die Haigerlocher Schlossgespräche sind ein besonderes Club-Ereignis, zu dem ausschließlich Mitglieder mit Ihrem Partner/ihrer Partnerin eingeladen sind. Die Gästekarten können nicht verwendet werden.

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