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APRIL 2015 _ Meßstetten

„Sanetta-Gruppe – Wie sind wir aufgestellt? Markteinführung der Short-Stories“

Eine kurze Geschichte der Wäsche

Seit der Erfindung des Feinripps sind echte Innovationen bei Leibchen und Unterhosen eher selten. So war jedenfalls Gastgeber Dr. Steffen Ammann, Geschäftsführer des Meßstetter Textilherstellers Sanetta, beim Clubabend im April zu verstehen. Und da manche Kleidungsstücke von Sanetta auch mehrere Kinder überstehen - so berichtete Moderator Walter Herrmann aus seiner persönlichen Erfahrung als Großvater - gelte es, die bekannten Geschichten von Qualität, Komfort und ansprechendem Design neu vorzutragen.

In der neu auf den Markt gebrachten Kollektion "Short Stories" bietet Sanetta   erwachsenen Frauen im gehobenen Segment hunderte Kombinationsmöglichkeiten aus Strandmoden, Nacht- und Unterwäsche sowie elegantere Alternativen zu Pulli und Schlabberhose für daheim, genannt "Loungewear". Im Kaffeetisch-tauglichen Katalog liest sich eine der Geschichten dazu wie folgt: >>Die Tür ihrer Wohnung fiel hinter ihr ins Schloss. Der Tag war gut. Oder sehr gut? Trotzdem war sie froh, jetzt zu Hause zu sein. Stück für Stück fiel mit der Kleidung auch der Stress von ihr ab. Dann zog sie sich eine Hose und ein Shirt an, die genauso gut aussahen wie sie sich auf der Haut anfühlten. "Coming home", dachte sie.<<

Was Ammann dazu erzählte, ging dann deutlich mehr ins Detail: Dass in den Fotostrecken bislang nur ein einziges Gesicht die neue Produktlinie präsentiere, sei nicht nur eine Frage von Stil und Wiedererkennungseffekt, sondern auch der Model-Gage. Den Aufhänger für die Lifestyle- und Mode-Magazine habe man mit dem "Mix+Match-System" durchweg kompatibler Kleidungsstücke gefunden. Das muntere Kombinationsspiel habe es als Trendthema auf zahlreiche Titelseiten geschafft, wie Ammann an einigen Beispielen zeigte. Die Aufmerksamkeit der Redaktionen haben sich die "Short Stories" über die Anzeigenabteilungen gesichert, wie Amman unumwunden erklärte.  "Über unsere Agentur haben wir eine intensive  Fachpressekampagne mit Anzeigen und Advertorials gefahren, das hat viele redaktionelle Veröffentlichungen gebracht." Dazu gehörten auch Präsentationen in München und Hamburg, Morgen-Yoga mit Journalistinnen sowie ein stetiger Strom an Musterstücken und Geschenkchen. Letzterer wird so schnell auch nicht abreißen, denn jedes Jahr werden in der Produktlinie rund 90 Prozent der Stücke ausgetauscht. "Die Basics machen aber einen großen Teil an unserem Umsatz aus", sagte Ammann.

Was Messen und Showrooms betraf, bescheinigte Ammann den "Short Stories" einen gelungenen Start: "Mit eigens gebauten Möbeln und in den Stoffen der Kollektion bezogenen Sesseln haben wir die Markenwelt gut rübergebracht. Das wired in der Wäsche-Branche nicht von vielen gezeigt." Zumindest von der Bequemlichkeit der angesprochenen Sitze überzeugten sich einige Club-Mitglieder mit entspannten Minen selbst. Zur Situation in der angesprochenen Bekleidungs-Branche musste Ammann nochmals weit ausholen. Ein Problem sei derzeit, dass "der gut aufgestellte Handel" klare Präsentationskonzepte von der Industrie fordere. "Das haben aber nicht viele verstanden - und das verstärkt das Fachhandelssterben." Eigene Shops könnten indes auch nicht die einzige Lösung sein, es gelte vielmehr alle Kanäle zu bedienen und bei den Preisen die Nerven zu behalten: "Wenn der erste die roten Kleber zückt, dann rennen alle anderen hinterher." Im Fabrikverkauf sah Ammann übrigens weniger Konkurrenz zu den Handelspartnern als  eine Konsequenz aus den Bedingungen des Geschäfts: "Wenn die Industrie die nicht verkaufte Ware zurücknimmt, dann führt kein Weg daran vorbei." Andere Vertriebswege gestalteten sich derweil durch äußere Einflüsse holprig. So strebe Sanetta insgesamt zwar die Erhöhung des Exportanteils von derzeit 25 Prozent an, der wichtigste Auslandsmarkt mit mehreren eigenen Ladengeschäften sei indes Russland. Das politische Klima, vor allem aber Rubel-Wechselkurs erschwerten den Stand auf diesem Markt. Andererseits sei die Nachfrage aus China "wo selber die giftigsten Stoffe herkommen" nach Kinderkleidung aus Bio-Baumwolle relativ hoch. Insgesamt sei das Bio-Segment aber überschätzt.

Ein Punkt, in dem sich Ammann mit einem Vertragspartner nicht ganz einig zeigte, war der "polarisierende" Werbeträger Dieter Bohlen für die Marke "Camp David", die Sanetta in Lizenz fertigt: "Das ist Fluch und Segen, wir würden es nicht machen." Wie das Verhältnis zwischen Lizenzgeber und Lizenznehmern in der Modebranche anfängt und endet, das ist aber eine ganz andere Geschichte - vielleicht zu hören im Mai bei den Haigerlocher Schlossgesprächen, wenn sich Sanettas Ex-Partner Marc O'Polo den Clubmitgliedern präsentiert.               

Hintergrund:

Als familiengeführtes Unternehmen in der dritten Generation ist  die Sanetta Group seit über 50 Jahren erfolgreich am Markt und ein führender europäischer Hersteller von Wäsche für Damen, Herren und Kinder sowie für Kinderoberbekleidung.

Die Sanetta Group beschäftigt ca. 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im In- und Ausland und unterhält eigene Produktionsbetriebe in Rumänien, Bulgarien und Griechenland. Vor ca. 6 Jahren startete die Sanetta Group die Vertikalisierung  mit eigenem Retail und betreibt heute 12 eigene Stores und Outlets in Deutschland, 2 Onlineshops sowie 6 Franchisestores in Russland.

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