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rückblick

FEBRUAR 2015 _ Reutlingen

Bosch: "Erfolgreiche Führung eines globalen Geschäfts bei dynamischen Marktveränderungen"

 

Alternativen sind alternativlos

Die Robert Bosch GmbH als Start-up - dieser Gedanke passt nicht allein zu den Anfängen des Unternehmens vor rund 130 Jahren, auf die Moderator Michael Rampf in seiner Einleitung zurückblickte. Wie sich der Weltkonzern spartenweise neu erfindet, berichtete beim Februar-Clubabend Markus Schmidt aus dem Bosch-Bereichsvorstand Automotive Electronics. Den automobilen Rahmen bildete die Fahrzeugschau des Audi-Zentrums Reutlingen. 

Schmidt, seit 1988 in verschiedenen Funktionen und Bereichen bei Bosch tätig, legte in seinem ausführlichen Vortrag die Position vieler traditionsreicher Großunternehmen dar: "Wichtige Veränderungen laufen derzeit viel dynamischer ab als in den letzten 25 Jahren." Produkte auf denen seit Jahrzehnten der Erfolg von Unternehmen fuße, könnten demnach in kurzer Zeit vom Markt verschwinden. Als Ursachen nannte er die Verdrängung  von "disruptiven Innovationen", ein geändertes Verbraucherverhalten wie der Trend zur geteilten Nutzung oder auch "lokale Dinge, die wir nicht vorausahnen können, wie Fukushima". Darum gelte es, nicht nur Ziele zu verfolgen, sondern ständig verschiedene Szenarien zu entwickeln.

Gerade für Unternehmen in der Größenordnung Bosch (laut Schmidt mit 26.000 Mitarbeitern im Bereich Automotive Electronics weltweit), gelte es, sich bei Standorten, Produkten und Kunden breit aufzustellen. Im Wettbewerb prallten derzeit die Unternehmen aus der "virtuellen" auf die Firmen aus der "physikalischen Welt", zog der Diplom-Ingenieur eine Frontlinie zwischen Google, Apple und Microsoft einerseits und Bosch, Siemens und General Electric auf der anderen Seite. Schmidt kam dabei immer wieder, quasi als Vorbild, auf Elon Musk zu sprechen. Vielleicht war schon Robert Bosch davon beeindruckt, wie sich Nikola Tesla gegen GE-Gründer Thomas A. Edison beim Thema  Reichweite der Stromversorgung durchgesetzt hatte. Jedenfalls bescheinigte Schmidt den Entwicklern bei Tesla Motors, das Elektroauto attraktiv gemacht und dabei "extrem weit nach vorne gedacht" zu haben.

Wichtigster Treiber der Elektromobilität sei immer noch die Batterietechnik, die alle anderthalb Jahre einen Satz nach vorne mache. Ähnlich schnell verlaufe die Entwicklung von Mikroprozessoren und Sensortechnik für autonomes Fahren - wobei Bosch mit der eigenen Fertigung eine "enorme Tiefe in der Wertschöpfung" erreiche. Ohne die  zuverlässige Anbindung an große Datenströme gehe der Autopilot allerdings nicht auf die Straße: Automatisierung spare zwar Sprit und an 90 Prozent der Unfalltoten weltweit seien die (menschlichen) Fahrer schuld, doch "wenn die Verbindung zur Cloud abbricht, dann wird's gefährlich", sagte Schmidt.

Die Markteinführung der Elektromobilität insgesamt geschehe "von unten". Der Smog in vielen chinesischen Großstädten habe Kleinkrafträder mit Verbrennungsmotoren abgemeldet, dort seien jetzt E-Scooter am Start, was sich wiederum auf die Lade-Infrastruktur auswirke. Bosch habe sich seit 2009 mit seinen E-Bikes in diese Richtung eingestellt, wobei er diese Sparte als Muster für ein neues Geschäftsmodell im Konzern vorstellte: Zunächst habe Bosch den Herstellern bei der Beratung der Händler geholfen, bis man schließlich den Kontakt zu den Endverbrauchern geschlossen habe. "Den direkten Vertrieb zum Endkunden hätte es bei Automobilen so nie gegeben", zwinkerte Schmidt in Richtung der Gastgeber Gisela und Bernd Heusel.

Mittlerweile sei Bosch bei E-Bikes zum  Weltmarktführer avanciert, was Schmidt auf die Herangehensweise als "Start-up" mit eigener Budgetverantwortung zurückführte. Der Schlüssel liege in einer Unternehmensführung, die delegieren könne: "Für so was muss man Teams zulassen, die schnell und flexibel und stark begeistert sind. Und man muss erkennen, wenn eine Idee scheitert und frühzeitig abbrechen", empfahl Schmidt, auch das Szenario Misserfolg vorauszudenken.

Hintergrund:

Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen. In Deutschland ist sie mit mehr als 80 Standorten und 105.000 Mitarbeitern vertreten.

1988 übernahm Markus Schmidt leitende Aufgaben in der Automobilzulieferindustrie bei Bosch und Valeo an verschiedenen Standorten in Europa. Seit 2005 ist er Mitglied im Bereichsvorstand in verschiedenen Geschäftsbereichen; seit 2011 bei Automotive Electronics und trägt dort die weltweite Verantwortung für das Geschäft mit Systemen und Lösungen sowie für Vertrieb und Marketing.

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