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APRIL 2014 _ Reutlingen

Olymp: Gegen den Trend – Wachstumsstrategien in der Bekleidungsbranche

Bügelfreiheit und Knitterarmut

Im April 2014 ging es beim Marketing-Club Neckar-Alb  im Porsche Zentrum Reutlingen um Männersachen - aber "alles über der Gürtellinie", wie Marc Fritz betonte. Trotz des Testosteron anregenden Ambientes zwischen den kräftig motorisierten Sportfahrzeugen war dem Marketingleiter der Oberbekleidungsherstellers Olymp das Hemd deutlich näher als die Hose.  

Die Verbindung  zwischen Olymp und Porsche stellte Moderator Edgar Lehmann über  den gemeinsamen Firmenstandort Bietigheim-Bissingen her. Tatsächlich hatte Olymp aber eine Geschäftsbeziehung zum anderen großen Automobilkonzern aus der Region Stuttgart, von der Fritz erzählte: "Die Idee war, dass es zu jedem Maybach ein Hemd von uns mit dem gleichen Namen geben sollte." Seitdem die Luxuskarossen wieder den Stern tragen, sei diese Nischenmarke mehr oder weniger eingeschlafen. Für einen Verkaufspreis von über 90 Euro für ein Hemd sei der Markt schlicht nicht groß genug. Die Position als "Hemden-Marktführer in Deutschland" behaupte Olymp, indem es das Preissegment "zwischen 50 und 70 Euro" besetze. "In der Preislage machen wir unseren Job perfekt. Darunter müssten wir unser Produkt schwächen", erklärte er, jedoch ohne ein böses Wort über tiefer angesiedelte Preissegmente zu verlieren. So ließ Fritz in dem ausführlichen Gruß des Kaufmanns, mit dem er die allgemeinen Marktbedingungen für seine Branche  beschrieb, auch den Satz fallen: "Im Discounter oder beim Kaffeeröster können Sie ganz attraktive Angebote finden." Wie er  dann später in anderem Zusammenhang anmerkte, produziere Olymp ein "überschaubares Segment an Handelsmarken." Damit stützte Fritz letztendlich seine These, dass es für die Modemarken zunehmend schwieriger werde, ihren Anteil vom Einkommen der Endverbraucher zu erheischen. An vielen Arbeitsplätzen habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Leistung nicht an Schlips und Manschetten hängt. Und die in der "Fußgängerzone zu beobachtenden Geschmacklosigkeiten" erregten nur noch selten Aufmerksamkeit. Ausgaben für Smartphones oder Unterhaltungselektronik sparten sich die Kunden vom Kleiderschrank ab.

Trotz allem galt auch im Vortrag von Fritz: Kein Trend ohne gegenläufige Entwicklung. "Die Menschen legen immer mehr Wert darauf, auch in der Freizeit ordentlich gekleidet zu sein", begann Fritz seine Ausführungen zur Stärke der Marke Olymp, die nur noch bedingt mit dem Kragen zu tun hätte. Dank moderner Textilausrüstung hätten Krawatten reinigen und Hemden bügeln ihre Schrecken verloren. Verschiedene Ärmellängen und Passformen bis hin zu "supertaillierten Schnitten, in denen sich der Körperwahn manifestiert", sorgten für immer noch perfekten Sitz nach längerem Tragen. Wenn auch nur im Ausland genäht werde, gebe es doch Dank ausschließlich hauseigener Designs immer den passend gemusterten Binder zum Hemd  - und seit einigen Jahren auch die Strickwaren für darüber. Durch den Kauf eines anderen süddeutschen Herstellers "konnten wir aus dem Stand eine eigene Kollektion auf den Markt bringen."

Dass die Kleidung den Kunden dann tatsächlich passt, liege in der Hand des Fachhandels. "Online haben wir praktisch nicht", sagte Fritz. Die 48 in Deutschland zum Teil mit Franchisenehmern betriebenen eigenen Geschäfte dienten lediglich dazu, "Lücken zu schließen." Ansonsten sei Olymp beflissen, dem stationären Handel möglichst Arbeit abzunehmen, etwa bei Kollektionswechseln und Reduzierungen. Damit die deutsche Zielgruppe von "16,8 Millionen Männern zwischen Mitte 20 und Anfang 60" überhaupt auf Angebot und Verkaufsstellen aufmerksam wird, fahre Olymp in den letzten Jahren eine "brachiale Werbekampagne", so Fritz, mit Beiheftern in auflagenstarken Magazinen. Wie er anhand eines hohen Heftstapels zeigte, gehören dazu auch Titel wie die "Gala". Die Begründung fiel Fritz nicht schwer: Zum Shopping zu gehen und dabei dem Partner etwas anzuziehen mitzubringen, das sei immer noch eher eine Frauensache.

 

Hintergrund:
„Männer im OLYMP“ sind erfolgreich, legen Wert auf modisches, qualitativ hochwertiges Aussehen und machen in jeder Lebenslage eine perfekte Figur. Dies ist der Leitslogan des insbesondere für hochwertige Herrenhemden bekannten Bekleidungsherstellers OLYMP Bezner GmbH & Co. KG aus Bietigheim-Bissingen.
OLYMP steht dabei, so die eigene Positionierung, nicht nur für kompromisslose Qualität - und ein optimales Preis-/Leistungsverhältnis, sondern auch für seine über-zeugende modische Aussage seiner Produkte. Wir dürfen sehr gespannt sein, was uns Marc Fritz über die Marketing- und Wachstumsstrategien der Marke OLYMP berichten wird.
Zu diesem Clubabend lädt unser Clubfreund Harald Ruff in das Porsche-Zentrum Reutlingen ein, damit auch die Technik-Freaks auf ihre Kosten kommen und damit die modischen OLYMP-Produkte in sportlichem Rahmen präsentiert werden können.

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