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JANUAR 2014 _ IHK-Forum

„Aus Social Media wurde Social Business. Aus Social Business wird Digital Business“

Kostenlos heißt nicht ohne Aufwand

"Schauen Sie sich in Ihrem Geschäftsumfeld nach digitalen Möglichkeiten um! Sonst bekommen Sie es bald mit Konkurrenten zu tun, die Sie bisher noch gar nicht auf dem Schirm haben." Markus Besch, Referent des ersten Clubabends im Jahr erhielt aus den gut gefüllten Reihen im IHK-Forum viel Lob für seine klaren Handlungsempfehlungen. Von Moderator Markus Berger als "erst kürzlich aus dem Silicon Valley zurückgekehrt" angekündigt, setzte der Vorstand des Nürtinger Social Media Institutes einen Schwerpunkt seines Vortrags auf einen Trend, der seit der Erfindung der Keilschrift in allen Medien immer wieder aufflackert: Relevante Inhalte.

Es lag schon fast in der Natur der Sache, dass der Unternehmensberater Besch nicht um das Aufsagen spektakulärer Zugriffszahlen in diversen Online-Plattformen herumkam. Auch entschuldigte er sich für so manchen schwammig definierten Fachsprech. Dennoch gewann die Begeisterung für die neuesten medialen Möglichkeiten in seinen Ausführungen zum "Digital Business" nur selten die Oberhand über die Substanz.

Besch begann mit einer punktuellen Social-Media-Einführung in einen "stark fragmentierten Markt mit vielen Kanälen." Dabei komme es vor, dass manche Anbieter von jetzt auf gleich verschwänden, obwohl bei ihnen Hunderttausende Benutzer registriert seien. Trotz des globalen Mediums gebe es feine Unterschiede bei Verbreitungsgebieten und Nutzergruppen.  Xing spiele beispielsweise nur im deutschsprachigen Raum eine Rolle, dafür aber  seien aber 80 Prozent der Inhaber kleiner und mittlerer Betriebe in diesem Personal-Netzwerk unterwegs. Für Manager größerer international aufgestellter Unternehmen  sei dagegen LinkedIn Pflicht. Gemeinsam sei allen Plattformen im Gegensatz zum bloßen Informationsangebot einer Internetseite die Schreibberechtigung aller Beteiligten. "Social" stehe für, die kommunizierenden Personen. Für Unternehmen bedeute dies, dass sie sich nicht mehr nur um bezahlte Werbung und selbst ins Netz gestellte Informationen zu kümmern haben. "Das Maximale, was Sie erreichen können, ist, dass Ihre Kunden ihre Inhalte weiter tragen. Kunden sind stolz auf Entdeckungen und tragen diese gerne weiter -  und wenn sich Bekannte für ein Thema interessieren, ist man gerne mit dabei." Die Zielgruppe, die sich nicht mit digitalen Medien erreichen lasse, gebe es  heutzutage nicht mehr, erklärte Besch. Entscheidend seien indes die Inhalte, mit denen sich ein Unternehmen an seine Zielgruppe wende. Kostenlose Weiterverbreitung setze einen hohen Aufwand voraus.

Der Unterschied zur analogen Mund-zu-Mund-Propaganda liege in Geschwindigkeit und Multiplikationsraten, wie Besch an einem - gleichzeitig warnenden - Zitat von Jeff Bezos festmachte. Demnach habe der Amazon-Gründer einmal vorgerechnet, dass ein unzufriedener Kunde in der realen Welt sechs Freunden vom Fehlkauf erzähle. In der digitalen Welt teile er seine Enttäuschung 6000 Kontakten mit. Angst vor negativen Reaktionen sei dennoch nicht angebracht. Den massiven Angriff von Veganern auf eine Bank-Werbung, in der ein Prominenter ein Rädchen Lyoner verzehrte, habe es zwar auf Facebook gegeben. Viel interessanter seien aber die "neuen Welten", die gerade die mobilen Kommunikationsmöglichkeiten eröffneten. Diese brächten in immer mehr Branchen "ganz neue Spieler" auf den Markt. Besch nannte als prominentestes Beispiel Google, das einerseits dem "Mobilitätsanbieter" Mercedes Konkurrenz mache, andererseits aber auch durch den jüngsten Zukauf des Haustechnikanbieter NEST in den Wettbewerb mit Bosch trete.  "Fühlen Sie sich nicht zu sicher in Ihren Angebotspaletten, stellen Sie ihre Marktbeobachtung breit auf und nutzen Sie digitale Potenziale", fasste Besch seinen Rat an die Club-Mitglieder zusammen. "Und machen Sie Social Media zur Querschnittsaufgabe im ganzen Unternehmen!"  Mit welcher Geschwindigkeit sich ein Betrieb in das Thema einfinden und eigenen Entwicklungen vorantreiben sollte, verdeutlichte Besch schließlich mit einer persönlichen Beobachtung bei seinen Kalifornien-Aufenthalten: "Jeder, der dort im Bereich Social Media tätig ist, hat einen Business-Plan über drei bis fünf Jahre  für die Bankfinanzierung. Nur glaubt daran keiner. Meist überschlägt sich alles innerhalb eines Jahres - und manchmal scheitert eine Sache mit Absicht, damit etwas Neues anfangen kann."

Hintergrund:
Markus Besch ist Vorstand der IT Advantage AG und leitet das SocialMedia Institute mit Sitz in Nürtingen und München. Die IT Advantage AG und das 2009 von ihr gegründete SocialMedia Institute beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der strategischen und operativen Anwendung von Social Media auf den verschiedenen Feldern des Marketings, wie zum Beispiel bei der Marktevaluation, bei der Kunden- und Partnerbindung oder für die Unternehmenskommunikation.
Markus Besch sieht bereits die Entwicklung vom Social Business zum Digital Business und wird auch darüber referieren.

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