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OKTOBER 2013 _ Rangendingen

Erbe Elektromedizin: "wERBEfeldzug" Besichtigung des neuen Werkes in Rangendingen

Ohne Blutvergießen Nerven schonen

Prostata- und Gebärmutterkrebs, Magengeschwüre und Lebertumore - bei Unternehmenspräsentationen im Marketing-Club Neckar-Alb ging es schon um heiterere Themen als im Oktober 2013. Auch wenn Krankheit und Tod  zu den Inhalten der Vorträge in Rangendingen gehörten, wusste Moderator Walter Herrmann daraus einen tröstlichen Schluss zu ziehen: "Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt, aber wenn ich mal operiert werden muss, dann bitte mit Geräten von Erbe Elektromedizin."

Eine Führung durch die Produktion konnte Erbe-Geschäftsführer Reiner Thede seinen Gästen nicht anbieten, denn am Ende  2011 vom Medizintechnikunternehmen Abbott übernommene Standort Rangendingen entstehen in einem über 800 Quadratmeter großen Reinraum sterile Einweginstrumente. Dafür entschädigte Thede, der zusammen mit seinem Schwager Christian O. Erbe die Unternehmensspitze bildet, mit zahlreichen Anekdoten aus der mittlerweile fünf Generationen umspannenden Geschichte des in Tübingen ansässigen Familienunternehmens. Darunter waren die unvermeidlichen Geschichten aus dem Krieg, etwa wie die auf Rüstung umgestellte Produktion in einem Obergeschoss in der Tübinger Altstadt in den Sanitärbereich einer benachbarten Wohnung durchbrechen musste, um die Maschinen mit eigentlich zu langem Material bestücken zu können. Oder wie Schwieger-Großvater Christian Otto Erbe Röntgengeräte vor der Auslieferung an sich selbst ausprobierte und dennoch über 80 Jahre alt wurde.

Weniger kurios aber dafür umso spannender waren die Einblicke ins aktuelle Geschäftsgeschehen. So erklärte Thede, dass sein Unternehmen  durch das Kartellrecht praktisch zum Direktvertrieb gezwungen sei. Zudem komme der Input für Neuentwicklungen praktisch ausschließlich aus der Ärzteschaft. In der Entwicklung sein auch zu beachten, dass auch Gesundheit ihre Preisgrenzen hat: "Wir brauchen für eine Blinddarmoperation keine neue Spitzentechnik anzubieten, wenn die pro Eingriff 1000 Euro kostet, die Kasse aber nur 300 Euro bezahlt."  Vor diesem Hintergrund biete Erbe Workshops mit internationalen Chirurgie-Koryphäen an, unterstütze wissenschaftliche Publikationen und lade zuweilen auch zu Kongress-Veranstaltungen in Las Vegas ein. Wichtig seinen aber auch die Repräsentanzen in Singapur oder in Beirut. Wegen der Reisebestimmungen habe letztere den großen Vorteil, dass sie auch Kunden aus Kliniken und Fachpraxen  im  Iran, im Irak oder in Afghanistan bedienen könne.

Zu den großen Verkaufsschlagern mit rund 200.000 verkauften Stück jährlich allein in den USA zählte Thede die VIO-Serie. Die Einsatzmöglichkeiten der über Jahre hinaus erweiter- und nachrüstbaren Chirurgiestationen demonstrierte Erbe-Marketingleiter Dr. Jochen Queck  zunächst anhand von Grafiken und - trotz der Vorwarnungen - eher unblutigen Videos. Queck zeigte anhand einiger Beispiele, wie etwa unterschiedliche Gewebeschichten voneinander isoliert behandelt werden können oder Narben und schwere Blutungen durch die Kombination von scharfem Wasserstrahl und präzisen Argon-Plasma-Blitzen vermieden werden. Anschließend gab es dann doch noch ein bisschen Metzgerei: Viele Club-Mitglieder nutzten die Gelegenheit, selbst mit den Hightech-Skalpellen Grillmuster in Schweineschnitzel zu brennen oder die Nervenbahnen in einer Rinderleber freizulegen. 

Auf endoskopisches Feingefühl allein setzt der Chirurgie-Ausstatter bei den Zunkunftsplanungen freilich nicht. Mit Blick auf Europa sprach Thede wenig zärtlich von zunehmend komplizierten Zulassungsmodalitäten, die wohl den Zweck hätten, die Vorschriften der amerikanischen Food and Drug Administration in einem bürokratischen Wettbewerb zu übertreffen. Und auch lokal habe die Firma der Stadt Tübingen schon - mit Erfolg - die Instrumente gezeigt. In den Verhandlungen um neue Flächen zum Ausbau der Zentrale habe der Erwerb des Werks in Rangendingen und der Brache nebenan Wirkung erzielt. Insgesamt verfüge Erbe nun über 40.000 Quadratmeter für seine Expansionspläne. 

Hintergrund:
Seit mehr als 165 Jahren erforscht, entwickelt, produziert und verkauft ERBE Geräte, Instrumente und Zubehör für Medizintechnik. In den vergangenen Jahren wurde von Tübingen aus die die weltweite Vertriebs- und Service-Organisation kontinuierlich ausgebaut.Heute ist ERBE in allen Kontinenten auf fast allen Märkten präsent. Der stetige Ausbau des Exports ließ den Verkauf von sterilen Einmalinstrumenten stark steigen. Die Produktionsanlagen reichten in Tübingen auch im 3-Schicht-Betrieb nicht mehr aus. Es war ein Glücksfall, dass ERBE vor Kurzem in Rangendingen ein voll funktionsfähiges Werk für Sterilprodukte erwerben konnte. Innerhalb kürzester Zeit lief die Produktion dort an.Reiner Thede, geschäftsführender Gesellschafter bei ERBE, wird uns den neuen Produktionsstandort in Rangendingen vorstellen und uns einen Einblick in die Welt der Medizintechnik und ihre Märkte geben.

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