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rückblick

MAI 2013 _ Schloss Haigerloch

Hansgrohe: Vorsprung vor Boom und Krise

Die Guten aus Schiltach

"Der Blaue aus Lahr, das ist der böse Grohe mit der Heuschrecke in der Hinterhand", ließ Siegfried Gänßlen gleich zu Beginn der Haigerlocher Schlossgespräche 2013 keinen Zweifel daran, dass sogar das Armaturen-Geschäft Möglichkeiten zum Polarisieren gibt - abseits von kalt und heiß. Der Vorstandsvorsitzende der Hansgrohe-Gruppe zeigte schon mit einem kurzen Exkurs in die an Familienstreitigkeiten reichen Unternehmenshistorie, dass sein Unternehmen weit mehr zu bieten hat, als die Erfindung der Duschstange vor rund 60 Jahren. Letztere hatte Club-Schatzmeister Thilo Schmid als raffinierte Provokation in seiner Anmoderation erwähnt. Gänßlen packte zu und nahm ordentlich Fahrt auf, gemäß dem Vortragstitel "Vorsprung vor Boom und Krise".

"Durch die Krise sind wir mit einem lilablassblauen Auge gekommen", blickte Gänßlen auf die letzten Jahre zurück. Auf eine einzige globale Strategie hätten sich die in 139 Ländern vertretenen Marken Hansgrohe-Armaturen und Axor-Bäder nicht verlassen: "One size fits all - das gibt es bei uns nicht." Schon innerhalb Chinas gebe es große Unterschiede "in Formensprache und Kaufkraft", weshalb das Unternehmen in Design und Ausführung auf regionale Lösungen setze. Die 800 Mitarbeiter in der chinesischen Hansgrohe-Fertigung produzierten deshalb auch nur für Russland und den asiatischen Raum. Werkzeuge für die eigene Produktion stelle Hansgrohe ohnehin nur in Deutschland her. Zur Begründung erzählte Gänßlen eine Anekdote, wonach von einem Designerstück allein in Shanghai 277 verschiedene Kopien zu finden gewesen seien.

Ideenklau sei ein echtes Problem, erklärte Gänßlen, denn schon "die Entwicklung einer kleinen Brause kostet 6 bis 7 Millionen Euro". Ideenmangel könne sich das Unternehmen indes gar nicht leisten. Ein Drittel aller Produkte sei jünger als drei Jahre, insgesamt habe Hansgrohe "rund 17.000 lebende Schutzrechte" inne. Design sei dabei ein wichtiger Aspekt. So mute sich Hansgrohe auch die Zusammenarbeit mit "launischen Stars zu", um den hausinternen Tunnelblick zu vermeiden. Den AXOR-Gestalter Philippe-Patrick Starck bezeichnete Gänßlen nicht direkt als Diva. An einem mitgebrachten Wasserhahn - fast wie eine Astgabel geformt - demonstrierte Gänßlen aber, dass es der große Designer-Name bedinge, dass eigene Produkt loszulassen, damit Neues entstehen könne.

Während sich Starck im französichen Fernsehen als klarsichtiger Futurologe geriert, richtet Hansgrohe den Blick auf die Zielgruppen der Zukunft. Mit den Baumärkten "ist es ein bisschen ein Teufelsding", sagte Gänßlen, "wir besetzen dort das oberste Preissegment". In den USA komme man an diesem Vertriebskanäle aber ohnehin nicht vorbei. Für die "Emerging Markets", etwa in Afrika, habe das Unternehmen die Linie "My First Hansgrohe" eingeführt. "Wir wollen nicht , dass jemand, der erst ins Geldverdienen kommt, uns nicht kennt", gab Gänßlen den einfacher gehaltenen Einsteigerprodukten ihre Daseinsberechtigung.

Was neue Entwicklungen anbelange, nehme Hansgrohe das Risiko auf sich, auch mal zu früh dran zu sein. Das Thema  Wasserrecycling in Privathaushalten habe sich beispielsweise nicht rentiert, nannte Gänßlen auch ein Negativbeispiel. Aktuell interessant sei die Wäremrückgewinnung aus Abwasser. Bewährte Serien und zukunftsträchtige Studien hätten sich zuletzt rund 60.000 Besucher pro Jahr im Schiltacher Bad-Museum angeschaut. Die Ausstellung werde deshalb erweitert und strebe jährlich 100.000 Besucher an. Insgesamt gelte jedoch für den Fortschritt in der Branche: "Armaturen hatten schon die Römer vor 2000 Jahren - und seitdem kommt nur Wasser heraus und kein Gold."

Hintergrund:

Die Hansgrohe SE mit Stammsitz in Schiltach/Schwarzwald hat sich in ihrer mehr als 111jährigen Firmengeschichte in der Sanitärbranche den Ruf als einer der Innovationsführer in Technologie, Design und Nachhaltigkeit erworben. Mit ihren Armaturen, Brausen und Duschsystemen schafft die Hansgrohe SE „die Originale, die das Bad funktionaler, komfortabler und schöner machen.“

Das Unternehmen Hansgrohe und seine Produkte wurden mit zahlreichen Auszeichnungen prämiert, zuletzt  mit dem „Umsicht Wissenschaftspreis“, dem „Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2012“ und dem „iF Gold Award 2012“.

Weltweit beschäftigt die Hansgrohe-Gruppe  mehr als 3.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon knapp zwei Drittel im Inland. Das Unternehmen produziert in sechs deutschen Werken sowie in Betrieben in Frankreich, den Niederlanden, USA und in China. Es geht international intensiv gegen Plagiate und Ideenklau vor.

Der Vorstandsvorsitzende Siegfried Gänßlen wird das Unternehmenskonzept der Hansgrohe SE und dabei insbesondere die Globalisierungs-, Innovations- und Designstrategie im Rahmen der Haigerlocher Schlossgespräche vorstellen.

Zu Siegfried Gänßlen: 

  • Ab Mai 2008: Vorstandsvorsitzender Hansgrohe AG, Schiltach (seit März 2012 Hansgrohe SE)

  • Ab Mai 2007: Vorstandsvorsitzender Internationalen Controller Verein eV, Gauting

  • Ab Sept. 1999: Nach Umwandlung in eine AG: Stellvertretender Vorstandsvorsitzender und CFO der Hansgrohe AG in Schiltach, sowie zuständig für das strategische Geschäftsfeld Amerika, Mittlerer Osten, Africa and India.

  • 1994 - 1999: Geschäftsführer Controlling, Finanzen und Personal bei der Hansgrohe GmbH & Co.KG.

  • 1990 - 1994: Kaufmännischer Geschäftsführer, Hydraulik Ring (Heller AG), Nürtingen

  • 1986 - 1990: Kaufmännischer Leiter, Karl Dungs, Urbach

  • 1975 - 1986: Controller und kaufmännischer Leiter, Cooper, Besigheim

  • 1974 - 1975: Assistant Manager, Price Waterhouse, Audit und Mergers & Acquisitions, Frankfurt

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