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rückblick

JUNI 2012 _ Paravan GmbH, Pfronstetten-Aichelau

Paravan: Fahrzeuge behindertengerecht umgebaut

Mobilität ist Lebensqualität
Einblicke in die Geschichte des Automobils hatten die Mitglieder des Marketing-Club Neckar-Alb erst im vergangenen Herbst beim Ausflug zu Audi in Neckarsulm erhalten. Maßgerecht umgebaute Autos, hinter denen tief berührende Geschichten stecken, gab es aber in diesem Sommer zu bestaunen: Der Club gastierte im Juni bei der auf behindertengerechte Fahrzeuge und Mobilitätshilfen spezialisierten PARAVAN GmbH.

„Was wir auf der Einladung nicht mehr erwähnen konnten, ist die jüngste Auszeichnung durch den Fernsehsender n-tv“, brachte Beiratsmitglied Ute Schall in ihrer Anmoderation die gut 60 Teilnehmer auf den neuesten Stand. Noch eine Urkunde mehr also, doch dass der Nachrichtenkanal das Aichelauer Unternehmen mit seinen 140 Mitarbeitern zum „Hidden Champion“ kürte, dürfte allein auf den Firmensitz in Pfronstetten-Aichelau gemünzt sein. Schon angesichts der langen Liste an Ehrungen und Wirtschaftspreisen, die in den letzten Jahren das Unternehmen und sein Gründer Roland Arnold erhielten, kann von verstecktem Erfolg nicht ernsthaft die Rede sein. PARAVAN hat genug Aufmerksamkeit erweckt, dass sich mittlerweile die Würth-Gruppe eingekauft hat.
 
Ob der Künzelsauer Konzernpatriarch die Abläufe bis zum Arrangement  „auf Augenhöhe“, so Arnold,  genau gleich darstellen würde, bleibt dahingestellt. Die Version von Roland Arnold war den Zuhörern jedenfalls ein Hochgenuss, denn er zirkelte den Spannungsbogen vom ersten Besuch Reinhold Würths in Aichelau über dessen zunächst zurückgewiesene Avancen bis hin zum Happy End in einer Partnerschaft, die PARAVAN alle unternehmerischen Freiheiten lasse. „Wir wachsen weiter in unserem eigenen Tempo und dabei steht uns die Infrastruktur von Würth mit den Auslandsniederlassungen und der eigenen Fluglinie zu Verfügung“, wies Arnold auf die praktischen Vorteile hin. Geknackt habe ihn Würth letztlich, indem er die Verhandlungen persönlich übernahm und sehr konkret wurde: „Er hat mir eine Zahl auf einen Zettel geschrieben. Hätte ich dieses Angebot nicht angenommen, gehörte ich jetzt noch geschlagen. Das hat aus einem gesunden einen sehr gesunden Mittelständler gemacht.“

Das Leitmotiv der Unabhängigkeit zog sich auch durch die anderen Geschichten, die der begnadete schwäbische Erzähler Arnold zum Besten gab, immer verbunden mit Witz und Chuzpe und dem klaren Blick auf die Geschäftschance. Etwa wie er sich nach seiner Lehre als Kraftfahrzeugmechaniker als Reifenhändler ohne Wuchtautomat selbständig machte: „Ich habe die Gewichte nach Gefühl drangeschlagen, das hat meistens gepasst.“ In der Wendezeit habe er dann einen Mähdrescher finanziert und in Ostdeutschland Felder abgeerntet. „Der Bank habe ich werweißwas erzählt“, berichtete Arnold mit vielsagendem Grinsen. Ernsthafter als die Räuberpistolen, aber dennoch frei von jeglichem Pathos - für praktisches soziales Engagement ist die PARAVAN-Stiftung da -  schilderte Arnold sein Schlüsselerlebnis: „Im strömenden Regen“ half er einer Frau, ihren Mann vom Rollstuhl ins Auto zu bugsieren. „Hinterher waren wir triefnass“, erinnerte sich Arnold daran, wie sich ihm aus pragmatischer Notwendigkeit ein neues Geschäftsfeld auftat, „mit eigenen Produkten, für die man auch Geld verlangen kann“.

Abgesehen von Arnolds Ohren für den Profit ist die treibende Kraft bei PARAVAN die Technik: „Wir müssen einzigartig sein und Visionen haben. Wenn einer in Stuttgart das gleiche anbietet, haben wir keine Chance.“  Wegen eines Drehknopfs am Lenkrad komme kaum jemand nach Aichelau. Für die „hautnahe“ Anpassung eines Fahrzeugs - auf einer Hebebühne stand übrigens ein Wohnmobil - mit Joystick-Steuerung, Mini-Lenkrad, Kopfschaltern, automatischen Rampen und Greifern oder einer Andockstation für den selbst entwickelten E-Rollstuhl, der auch als Fahrersitz für Autos zugelassen ist, nehme die internationale Kundschaft weite Wege auf sich. So seien Paravan-Fahrzeuge auch in Südafrika und Neuseeland unterwegs. Mit der firmeneigenen Fahrschule und einem Netz von 10 Lizenzpartnern in Deutschland biete das Unternehmen das komplette Paket „aus einer Hand und unter einem Dach“ an. „Mobilität macht ein Studium, die Arbeit oder die Teilhabe am Gemeinschaftsleben möglich“, fasste Arnold seine komplette Angebotspalette in einem Wort zusammen: Lebensqualität.

Fotos: Seliger

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