Für Mitglieder

rückblick

MAI 2012 _ Schloss Haigerloch

Mont Blanc - Vom Schreibgerätehersteller zur Luxusmarke

Beschäftigt sich der Marketing-Club Neckar-Alb mit purem Luxus, dann eignet sich Schloss Haigerloch bestens als Kulisse. Das war schon im Vorjahr so, als es um die Budapester Maßschuhe von Heinrich Dinkelacker ging und es bewahrheitete sich auch zur Fliederblüte in diesem Mai: Thomas Schnädter, Managing Director von Mont Blanc, berichtete, wie es das Hamburger Traditionsunternehmen in den vergangenen 20 Jahren geschafft hat, aus dem guten alten Füllfederhalter eine ganze Markenfamilie mit teils atemberaubend teuren Edelprodukten zu ziehen. Das Prunkstück bilde indes wieder ein Füller, besetzt mit Edelsteinen für 600.000 Euro.

Moderatorin Sabine Dörr wies in ihrer Einführung darauf hin, dass sich Wertigkeit nicht allein am Preis; sondern auch an der zu Papier gebrachten Wertschätzung bemesse. Ein handgeschriebener Brief hinterlasse großen Eindruck, sie selbst greife zumindest für die Anrede zur Feder.  Letztere sei nach wie vor mächtiger als die anderen Sortimentsbereiche, im Jahr 2010  habe der Anteil der Nicht-Schreibgeräte am Umsatz von Mont Blanc aber bereits bei knapp der Hälfte gelegen, umriss Schnädter den Wandel im Unternehmen, das 1992 überhaupt erstmals mit Schreibtischzubehör etwas außerhalb des ursprünglichen Kerngeschäfts angeboten habe. In diese Zeit sei auch die Übernahme durch den Luxusgüterkonzern Richemont gefallen. Seitdem folgten Lederwaren, Uhren, Lizenzvergaben für Brillen und Parfüms, Damenschmuck und ein eigener Diamantschliff. Durch alle Produktgruppen ziehe sich die gleiche "Design-DNA" auf der Basis des Federhalter-Modells "Meisterstück", das übrigens Aufnahme in die Sammlung des Museums of Modern Art in New York gefunden habe. Allerdings mache Mont Blanc, ursprünglich im Markenkern männlich geprägt, bei der Gestaltung und Farbegebung Konzessionen an die Kundinnen. Der Grund sei ganz einfach: "Frauen shoppen mehr".

Von Mode grenze sich Mont Blanc ab, erklärte Schnädter, "wir sind nicht Fashion, das wäre schnellebig." Dagegen stehe das Unternehmen für "Culture, Beauty and Mind", was sich auch in den Sponsoring-Aktivitäten ausdrücke. Sport fördere Mont Blanc nicht, dafür aber die Kunst und Musik, etwa als Gründungssponsor der Philharmonie der Nationen oder mit einer Kulturkarte, die den rund 1000 Mitarbeitern im Hamburger Raum den stark reduzierten Eintritt zu kulturellen Veranstaltungen ermögliche.

Mit der Konzentration auf Luxus habe Mont Blanc auch auf ein Segment verzichtet. "Wir richten uns auf Personen aus, die mit unserer Marke zum Ausdruck bringen möchten, dass sie etwas erreicht haben", sagte Schnädter. Der Schulfüller in der Lotto-Annahmestelle passe da nicht mehr zum Markenauftritt. "Wir haben die Welt der Produkte von Pelikan, Parker oder Lamy verlassen und bewegen uns jetzt in der Welt der Träume von Prada, Dior oder Bulgari ", fasste Schnädter fast poetisch den Wechsel des Markenumfelds zusammen. Das Schreibwarenfachgeschäft, eine europäische Besonderheit, sei ohnehin auf dem Rückzug. Den asiatischen Markt sei das Unternehmen gleich über Juweliere angegangen - und natürlich über die eigenen Boutiquen, von denen es derzeit 360 in 60 Ländern an den vorzüglichsten Adressen gebe. Als Beispiel nannte Schnädter den Flagship Store an der Madison Avenue in New York, dessen monatliche Miete 250.000 US-Dollar betrage. Derzeit erziele Mont Blanc über 90 Prozent des Umsatzes außerhalb Deutschlands. Von der Kundschaft in fernen Ländern wusste Schnädter nur Gutes zu berichten: "Asiaten würden niemals billige Plagiate kaufen, sowas machen nur Europäer."

Fotos: Seliger

© 2017 Marketing-Club Neckar-Alb e.V.