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MÄRZ 2012 _ Manz AG, Reutlingen

Manz: Marketing am Kapitalmarkt

Anleger interessiert die ganze Branche
Reutlingen als Silicon City zu bezeichnen, mag etwas hochgestochen klingen. Dem High-Tech-Werkstoff kommt aber mittlerweile eine Rolle zu, die sich immer wieder in den Aktivitäten des Marketing-Club Neckar-Alb niederschlägt. So stand beispielsweise im Herbst 2008 der Baustellen-Besuch der Halbleiterfabrik von Bosch auf dem Programm und in diesem März folgten die Clubmitglieder der Einladung der Manz AG. Obwohl das Unternehmen zu Demonstrationszwecken für die Besucher eine ganze Produktionsstraße für Solarmodule laufen ließ und anschaulich erklärte, blieb der technische Fortschritt nur ein Teilaspekt des Abends beim Anlagenbauer: Die börsennotierte Unternehmensgruppe verkauft nicht nur ihre Maschinen an Industrie-Kunden, sondern auch sich selbst am Kapitalmarkt.  

"Wir waren überrascht, wie stark der Kapitalmarkt auf Branchentrends reagiert - und wie wenig darauf, was das einzelne Unternehmen eigentlich macht", gab Firmengründer Dieter Manz seine Erfahrungen mit den Anlegern weiter. Der Aktienkurs habe nicht immer viel mit der eigentlichen Unternehmensentwicklung zu tun."Die Finanzmärkte nehmen die Peer Group in Sippenhaft. Da muss man sehen, dass es der ganzen Branche gut geht, ganz egal, ob man selber eigentlich gut dasteht und auch noch andere Standbeine hat." Damit erklärte Manz auch, warum er die persönliche Begrüßung und die Präsentation der 25jährigen Unternehmensgeschichte Clubvorstand Hans Steiner respektive Manz-Finanzvorstand Martin Hipp überlassen musste. Nach einem Termin zur künftigen Förderung der Photovoltaik im Stuttgarter Umweltministerium stieß  Dieter Manz erst etwas später zu den Gästen.       

Wie Hipp ausführte, liege der eigentliche Schwerpunkt der Manz AG auf Produktionsanlagen für elektronische Displays. Der Anteil des Bereichs Solar am Gesamtgeschäft sei deutlich kleiner. Viel Potenzial verspreche die Sparte Anlagenbau für die Batterieherstellung - sowohl mit Blick auf Elektrofahrzeuge als auch auf stationäre Anwendungen. Dennoch blieb das Gesprächsthema immer wieder an den Perspektiven für die Photovoltaik angesichts der gekürzten Einspeisevergütungen hängen. Dieter Manz gab sich hier optimistisch: Der Übergang vom geförderten zum ungeförderten Markt sei im Prinzip richtig, erfolge aber zu agressiv. "Das hat in Deutschland Opfer gefordert, aber wir fangen gerade richtig an", sagte Dieter Manz, der im Eigenverbrauch von selbst erzeugter Elektrizität mittels neuer Speichertechnik nicht nur Kostenvorteile aufzeigte. Vielmehr erfülle die Verbindung von Solarmodul und Batterie den Wunsch vieler Endverbraucher nach Unabhängigkeit von den großen Stromkonzernen.

Für LG oder Samsung habe die Erzeugung von Sonnenstrom jetzt erst ein interessantes Marktvolumen erreicht, so Dieter Manz, der seit 1994 in Asien aktiv ist. Zudem gelte, dass die Hälfte aller weltweit produzierten Photovoltaikmodule im schattigen Deutschland verbaut sei. "Der Rest der Welt mit weitaus lohnenderen Standorten hat noch Nachholbedarf", argumentierte Dieter Manz mit dem Blick auf die globale Entwicklung - ganz im Einklang mit der eingangs von Martin Hipp formulierten Strategie des Unternehmens, das an Standorten in Ungarn, Israel und in beiden Chinas forscht, entwickelt und produziert: "Wir konzentrieren uns auf Themen und treiben diese weltweit voran." Mit dieser Einmütigkeit zeigten die beiden Manz-Vorstandsmitglieder, wie die Kommunikation einer Aktiengesellschaft auszusehen hat. Hipp hatte die Anforderungen so beschrieben: "Wir müssen geschlossen auftreten, ein gutes Bild abgeben und aufpassen, dass wir immer allen das Gleiche erzählen."

Foto: Seliger

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