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rückblick

NOVEMBER 2012 _ Kress-Elektrik GmbH & Co. KG

Kress: Innovationsmanagement "Made in Germany"

Ein Bohrhammer als Türöffner

 

Der Blick in eine rosige Zukunft macht es einfach, Gäste fröhlich zu empfangen. Gute Ergebnisse lassen sich am leichtesten präsentieren. Umso beachtlicher war deshalb die Leistung von Dieter C. Kress als Gastgeber beim November-Clubabend in Bisingen: Der Geschäftsführende Gesellschafter der Kress-elektrik GmbH und Co. KG zeigte sich kurz vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens voller Zuversicht und  belegte die Gründe für seinen Optimismus mit dem technischen Erfindungsreichtum des Unternehmens.

Trotz der wenig erfreulichen Situation (die "Ideal-Lösung" mit dem Einstieg von Krug & Priester wurde erst viel später publik) war Miesepetrigkeit nicht angesagt. In ihren einleitenden Worten hatten schon Club-Präsident Prof. Dr. Gerhard Braun und Moderator Hubert Haizmann die Stimmung aufgehellt: Kress habe sich mit seinem Gang zum Gericht vorausschauend und ehrenhaft verhalten, lobte Braun den Unternehmer "aus Sicht des Wirtschaftsprüfers." Haizmann umriss anhand eigener Erfahrungen als Geschäftsführer von Krug & Priester die Schwierigkeiten im Export nach Süd- und Osteuropa: "Diese Märkte schwächeln, die Aufträge werden kleiner und die Zahlungsmoral sinkt."  Dieter C. Kress, gut aufgelegt und engagiert wie schon beim ersten Besuch des Clubs im Jahr 2006, verwies auf eine Exportquote von "70 bis 80 Prozent". Er prach mehrfach das zuletzt schleppende Geschäft in Russland an, wo seine Elektrowerkzeuge zuvor lange heiß begehrt gewesen seien. "Wir haben alles richtig gemacht, nur die Rahmenbedingungen haben nicht gestimmt", sagte Kress mit einem Lächeln - um dann doch recht unverblümt Stärken und Defizite des Betriebs einander gegenüberzustellen.

Was die Entwicklung neuer Produkte anbelangt, sei Kress oft "seiner Zeit voraus gewesen", reklamierte der Hausherr anhand einer ganzen Reihe von elektrischen Schneid-, Säge- und Multifunktionswerkzeugen aus den 70er- und 80er-Jahren die Ideen zu aktuellen Produkten von Mitbewerbern für sein Unternehmen. Teilweise sei zwischenzeitlich der Patentschutz abgelaufen, teils habe der "kleine Laden" Randsegmente aus der eigenen Produktpalette streichen müssen. Zunächst verdecktes Kernproblem sei indes von jeher das bescheidene Marketingbudget gewesen. "Wenn's die Welt nicht erfährt, ist die Idee nichts wert ", schüttelreimte Dieter C. Kress augenzwinkernd an die Adresse der schwäbisch-tüftelnden  Vorgängergeneration im Familienbetrieb.

Die Sparsamkeit beim Marketing habe sich anfänglich über die Vertriebswege auffangen lassen: In den 60er-Jahren, als das Unternehmen von Tübingen nach Bisingen umsiedelte und kurz darauf von Elektromotoren auf Bohrmaschinen umsattelte, habe Kress vornehmlich für den Versandhandel produziert. Die eigene Marke habe Kress dann erst in den 80er-Jahren in den aufkommenden Baumärkten platziert. Mit den zunehmenden Importen billigerer asiatischer Ware sei dieser Weg aber nach der Jahrtausendwende zur Sackgasse geworden. Was folgte, war ein Richtungswechsel hin zum Fachhandel. Die Orientierung auf das hochpreisige Segment hatte Dieter C. Kress bereits 2006 den Marketing-Club-Mitgliedern erklärt. Damals sollten der "Kress-Club" für Endanwender und der zusätzliche Ursprung "Made in Switzerland" den hohen Qualitätsanspruch unterstreichen. Beides gibt es mittlerweile nicht mehr. Vielmehr habe das Unternehmen versucht, sich am Standort Bisingen gesundzuschrumpfen, erklärte Dieter C. Kress, der - ganz in der über 80jährigen  Firmentradition - für die Zukunft auf neuartige Technologie setzt. "In den Premiumbereich reinzukommen, das ist die Schwierigkeit", beschrieb Dieter C. Kress die Aufgabe, sich im Fachhandel Präsenz zu verschaffen. Ein preisgekrönter Bohrhammer, der wahlweise mit Strom aus dem Akku als auch aus dem Netz arbeitet, soll's richten. Den meisten Club-Probanden lag das teure Stück beim abschließenden Test in der Demonstrationswerkstatt jedenfalls so gut in der Hand, dass Dieter C. Kress seinen Willen zum weitermachen bekräftigte: "Ich fühle mich stark genug, die blöde Situation zu überstehen."

Foto: Seliger

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