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OKTOBER 2012 _ IHK-Forum Reutlingen

Helios-Kliniken: Menschen bewegen durch Kommunikation

Für Evidenz statt Anekdoten

Krankenhäuser an sich sind eigentlich kein angenehmer Gesprächsstoff. Das beweisen nicht zuletzt die beliebten Arztserien im Fernsehen, deren Drehbücher Krankheiten oder Verletzungen meist nur als Vehikel für Beziehungsdramen, Intrigen oder bestenfalls hochtechnisierte Detektivgeschichten benutzen. Wer im Marketing-Club Neckar-Alb dabei sein will, lässt sich indes nicht so leicht verschrecken, selbst wenn es ansteckend wird. Das bewies schon allein die Tatsache, dass Vizepräsident Berthold Barth beim Clubabend im Oktober vor dem Vortrag über die HELIOS-Kliniken gleich zehn neue Mitgliedsnadeln zückte.

HELIOS-Geschäftsführer Prof. Dr. Francesco De Meo, selbst kein Halbgott in Weiß sondern Jurist,  war zwar aus Berlin angereist. Als gebürtiger Balinger, studierter Tübinger und ehemaliger Reutlinger Unternehmensberater bewegte er sich sicher auf gewohntem Terrain, zumal sich Präsident a. D. Dr. Klaus Adam in seiner Moderation daran erinnerte, wie er De Meo einst selbst für den Club gewonnen hatte. Dann schob Adam aber das Thema an, mit einem Zitat aus dem "Handelsblatt", wonach der regulierte Krankenhausmarkt organisches Wachstum kaum zulasse, weshalb Zukäufe das zentrale Element in der Expansionsstrategie privater Klinikkonzerne seien. De Meo, ehemals auch HELIOS-Gesellschafter, nahm hier gleich etwas Dynamik heraus: "Das klingt alles gleich nach Krieg, wir reden aber nicht vom Expandieren sondern lieber vom Integrieren." Der Fresenius-Konzern, dem Deutschlands größte Klinik-Gruppe  seit 2011 vollständig gehört, sei keine "Heuschrecke", sondern strategisch auf die Branche ausgerichtet: "Wir sind durch und durch ein Medizinkonzern - und Tranzparenzfanatiker." Außerdem gelte: "Wir machen keine Patienten, wir haben Patienten."   

De Meo ließ deutlich anklingen, dass es mit der Effektivität in Deutschland nicht zum Besten bestellt sei: "Das Gesundheitswesen ist mehr durch Irrationalität geprägt als andere Branchen." Speziell die Animositäten und das Kompetenzgerangel zwischen den unterschiedlichen medizinischen Fachgebieten seien für hohe Reibungsverluste verantwortlich: "In der Auseinandersetzung zählen Anekdoten statt Evidenz", die Akteure versteckten ihre monetären Interessen hinter scheinbar ethischen Vorwänden. Dass Medikamente in Deutschland teurer seien als anderswo und für die persönliche Zuwendung an die Patienten immer weniger Zeit bleibe, sei dem Strukturkonservatismus und auch in ihrer Wirksamkeit unklaren medizinischen Maßnahmen geschuldet. Medien und Politik sähen das Problem aber lieber in der  Profitorientierung privater Krankenhausträger. Grundsätzlich gehe es in seiner Branche aber darum, mit begrenzten Ressourcen die bestmögliche Qualität zu erzielen. Gerade dort, wo "politische Ränkespiele Investitionsstaus bis zur Insolvenz" verursachten, sei die Privatisierung der bessere Weg. Oft gebe es für gute Qualität schlicht zu viele Krankenhäuser, "weil 15 Kilometer Anfahrt politisch nicht durchsetzbar sind."  Hier legte De Meo eine konkrete Zahl vor: "Den Patienten geht es bei uns besser als in vielen anderen Kliniken. Wir erreichen die Standards von Unikliniken - und wenn alle in Deutschland unsere Standards hätten, müssten jährlich 20.000 Menschen weniger in Krankenhäusern versterben." 

Die hohe Qualität, die De Meo seinen Kliniken beschied, machte er an der Kommunikation fest. Deren Motto laute: "Die Wahrheit darf man immer sagen." HELIOS könne offen investieren, während Kliniken in der öffentlichen Hand ihre Gewinne verstecken oder Prestigeprojekte bezahlen müssten. Seit 2008 veröffentliche HELIOS die Qualitätszahlen und die Zahl der Haftpflichtfälle im Internet, was sich positiv ausgewirkt habe. Zudem reguliere das Unternehmen einen Teil der Schäden selbst, denn "wer selbst bezahlt, der muss nichts für die Versicherung verschweigen." Dank Checklisten bei Operationen und konsequent durchgesetzten Regeln bei der Hygiene hebe sich die Klinik-Gruppe weit vom Bundesdurchschnitt ab - "und wer die Patienten gut behandelt und keine Ressourcen verschwendet, dem geht es selber gut."  Voraussetzung dafür sei aber "mentale Flexibilität - nicht jammern, sondern Menschen finden, die andere bewegen", kam De Meo schließlich auf den Titel seines Vortrags zurück. Der Schlüssel liege in der Ansprache des geeigneten Personals: "Sie müssen nicht die Besten finden, sondern die Richtigen."

Fotos: Seliger

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