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JUNI 2021 _ Online

Ravensburger AG: Digitale Transformation im deutschen Mittelstand

Was Kunden wollen

Die virtuelle Juni-Veranstaltung des Clubs begann mit eine Online-Beichte: Moderator Edgar Lehmann gestand ein, sich geärgert zu haben, wenn ihn seine Familie in "Das verrückte Labyrinth" gegen die Wand laufen ließ. Damit der Selbstbezichtigungen nicht genug: Christian Bulla, Marketing-Chef der Ravensburger AG, gab unumwunden zu, dass sein Unternehmen mit rund 20 Prozent Umsatzzuwachs  zu den Profiteuren der Corona-Pandemie zählt. Das zugeschaltete Publikum hatte damit kein merkliches Problem, tragen die Produkte mit dem blauen Dreieck doch wohl überwiegend zur Wahrung des häuslichen Friedens bei.

Dass es den Spieleverlag seit knapp 140 Jahren gibt, liegt sicherlich auch an immer neuen Generationen fünfjähriger Gehirne, die den Postpubertären beim Memory keine Chance lassen. Vor allem legte Bulla aber Wert darauf, dass sich das "familiengeführte Unternehmen" immer wieder mit neuen Produkten und Zukäufen breiter aufstellt. So seien flache Puzzles immer noch das stärkste Einzelprodukt. Das vor wenigen Jahren auf den Markt gebrachte Kugelbahn-System GraviTrax habe es mittlerweile aber schon an die zweite Stelle geschafft. Ein anderes scheinbar gegensätzliches Paar bilden der digitale tiptoi-Stift, der seit 2001 Kleinkindern die zugehörigen Bilderbücher erläutert und passende Lieder vorsingt, und die 2015 übernommene schwedische Holzspielzeug-Marke BRIO. Allen gemeinsam: Sie machen den Pandemie-bedingten Rückzug in die eigenen vier Wände erträglicher. Der stark gestiegenen Online-Handel habe bei Ravensburger die zwangsweisen Schließungen der eigenen Ladengeschäfte und des Spielelands mehr als ausgeglichen. Verlierer seien der stationäre Fachhandel und die Kaufhäuser gewesen.

Diese Offenheit in verschiedene Richtungen leitet Bulla vom Prinzip "Consumer First" ab, das er am Beispiel Puzzle verdeutlichte.  Deren Erfolg hänge stark von den ausgewählten Motiven ab. Es gehöre aber auch die Frage dazu "Was macht das mit dem Konsumenten, wenn er puzzlet?" Dem Wunsch nach Entspannung und Stressabbau werde nicht bloß durch mehr Puzzles entsprochen, vielmehr versetze sich Ravensburger bei der Suche nach weiteren Angeboten in die Lage des Kunden: "Was können wir sonst noch gegen Deinen Stress tun?" Diese Denke schaffe beim Kunden den Eindruck: "Die Marke versteht mich".

Darüber hinaus sei es nicht damit getan, Produkte zu verkaufen und dann damit alleine zu lassen. Der Kauf sei nur der erste Schritt, die Verbindung mit der Marke zu halten und zu stärken. "Wir sind immer mit Unternehmen außerhalb der Branche im Austausch", führte Bulla eine Fülle an teils traditionsreichen, teils erst in den letzten Monaten rasant gewachsenen Anbietern an, die nicht immer zwingend das technisch beste Produkt hätten, aber Lebensgefühl und Gemeinschaftserlebnis vermittelten. 

Großer Beliebtheit habe sich während des Home Schoolings das Online-Magazin Ravensburger Family and Friends", das Eltern - eigentlich Müttern, so Bulla - bei der Beschäftigung des Nachwuchses unterstützt. "Wir haben dadurch kein Puzzle mehr verkauft, aber eine ganz andere Verbindung, als wenn wir es nicht tun." Dass sich daraus weitere Geschäftsideen ergeben, schloss Bulla nicht aus. In der Überlegung befinde sich ein Abo auf Bastelprodukte, das mit den Entwicklungsschritten der Kinder mitwächst. Umgekehrt gelte es, den Verbrauchern Gestaltungspielräume zuzugestehen, in denen sie sich mit eigenen Ideen einbringen können. GraviTrax-Konstrukteure, deren Videos beachtliche Klickzahlen erreichen, werden von Ravensburger durch eine Community Managerin unterstützt.

Besonders begeistert zeigte sich Bulla von der Möglichkeit, in der Gestaltung der Protagonisten von Kinderbüchern individuelle Eigenschaften des jeweiligen Kindes einfließen zu lassen: "Ein auf mich abgestimmtes Produkt!" Als Lesempfehlung legte er den Club-Mitgliedern aber einen Autor aus einem anderen Verlag ans Herz: Der Brite Peter Fisk, der gleichermaßen Erkenntnisförderndes über Nachhaltigkeit, zukünftige Trends und Kunden-zentrierte Geschäftsmodelle verfasst habe.

Aus der Einladung:
Zielsetzung dieser digitalen Veranstaltung ist es, den Club-Mitgliedern einen Einblick zu geben, welche grundlegenden Veränderungen die Pandemie mit sich bringt und wie Ravensburger, als mittelständisches Unternehmen in der Spielwarenbranche, auf diese Herausforderungen reagiert. Einige dieser Herausforderungen und Herangehensweisen zu meistern, sind bestimmt auch für Ihr Unternehmen relevant. Auf einen spannenden Austausch mit den Mitgliedern des Marketing-Clubs freut sich Christian Bulla von der Ravensburger AG.

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