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rückblick

SEPTEMBER 2020 _ Weinmann GmbH, St. Johann-Lonsingen

WEINMANN – Transformation eines Weltmarktführers im Maschinenbau

Hart zum Holz, weich zum Menschen

Der Zielort hoch auf der Alb unter schweren dunklen Wolken, belegte Brötchen in der Folie und neben dem verwaisten Kickertisch die Stühle weit auseinandergestellt - der Neustart des Marketing-Clubs nach einem halben Jahr Corona-bedingter Veranstaltungspause in Lonsingen nahm sich aus wie ein Klassenausflug mit Test. Abschreiben wäre nicht nötig geworden, denn was Geschäftsführer Sven Schempp nicht von sich aus über die Weinmann Holzbausystemtechnik GmbH erzählte, hing in Grafiken und Tabellen an den Wänden.

Die hohe Schule des Anlagenbaus sei es nicht, ausgeklügelte Maschinen zu liefern, sondern dass diese "machen, was der Kunde wirklich braucht", erklärte Schempp. Was Weinmann macht, schilderte der gelernte Zimmermann und studierte MBA anhand einer rhetorischen Frage zum ersten Großkunden des gastgebenden Unternehmens:"Kennt hier jemand den Schwörer?" Die Fertighaus-Fima aus Hohenstein habe in ihrer Produktion "alle Evolutionsstufen" aus 35-Jahren Weinmann-Holzbautechnik in Betrieb. Deshalb brauche man auch kein eigenes Werksmuseum, witzelte Schempp. 

Mit Standardprodukten sei es indes nicht getan:"Sägen, fräsen, bohren, schrauben, nageln - das macht jeder Kunde anders und Weinmann kann alles anbieten", stellte Schempp fest, dass es in seiner Branche nicht nur auf das "Was" sondern auch auf das "Wie" ankomme. Deshalb wolle man bei Weinmann auch "von der Idee wegkommen, dass die Maschine am wichtigsten ist". Bewusst überspitzt bezeichnete Schemppf die "Produktionsstraßen für 6 bis 10 Millionen Euro" als "Software-Plattform". Dabei gehe es nicht um Digitalisierung mit der Gewichtung von "70 Prozent Maschinenbau und 30 Prozent Softwarelösung" als Selbstzweck, sondern, um die Denke und Arbeitsweise der Kunden. Darum hospitierten Weinmann-Mitarbeiter auch regelmäßig in der Produktion ihrer Endanwender - zu deren Begeisterung, wie Schempp anmerkte, denn "Holzhausbauer sind offene Menschen, die keine Angst haben, Know-how an die Konkurrenz zu verlieren."

À propos "wegkommen": Der auch im Netz übertragene Vortragsabend trug die Überschrift "Transformation". Und bevor Schemp den Übergang zum "herstellenden Dienstleister" skizzierte, blickte Club-Vizepräsident Markus Berger in seiner Moderation kurz auf den Ausgangspunkt zurück. Demnach begann Weinmann als Ingenieurbüro, an das ein Entwicklungauftrag aus der Baubranche herangetragen wurde. Die nächsten 30 Jahre sei es als "klassischer konservativer Maschinenbauer" weitergegangen. Fundierte Kenntnisse über die Firmenhistorie hatte Berger parat, weil sein Beratungsunternehmen b_werk für Weinmann ein Leitbild gezeichnet und in den letzten Jahren auch mehrfach angepasst hat. Wenn auch sparsam mit Details, berichtete Schempp, der selbst noch frisch an der Unternehmensspitze stand, von einigen Zäsuren in der jüngeren Unternehmensentwicklung. Ein Beispiel war die vollständige Integration in die zum Dürr-Konzern gehörende Homag-Gruppe, die schon länger an Weinmann beteiligt war.

Ganz ohne Not war diese Übernahme nicht geschehen: "Wir waren bei Weinamnn einmal bei 180 Mitarbeitern und mussten auf 160 herunter", ließ Schempp deutlich erkennen, wo im Unternehmen immer noch der Holzwurm bohrt. Die Formulierung  "gehen lassen" verwendete Schempp nicht nur als Euphemismus, denn am Standort St. Johann-Teilort sei es nicht so einfach, wieder neue Mitarbeiter zu finden. Begriffe wie Disruption, Personalkosten oder Verschlankung erwähnte Schempp in diesem Zusammenhang gar nicht. Dagegen stellte er des konstruktiven Aspekt heraus: Die Zielsetzung "Hausbau geht nur mit Weinmann" sei ein Konto, auf das jeder Mitarbeiter einzahlen müsse. Um dies zu ermöglichen, brauche es im Betrieb Transparenz, die nötigen Ressourcen und Kapazitäten für Projekte. "Wenn sich Aufgaben ändern, ist Coaching nötig", sprach Schempp von der helfenden Hand der Geschäftsleitung. Wer nicht nur ausführen sondern selbst lenken und leiten solle, brauche Unterstützung in der Persönlichkeitsentwicklung. Ohne Vorwurf an die Vorgänger verdeutlichte er den Unterschied in der Führungsstruktur: War früher der gesamte Überblick dem Triumvirat der Gründer vorbehalten, könne sich jetzt jeder im sogenannten Leitbild-Raum informieren. "Es gibt Mitarbeiter, die waren da noch nie drin", räumte Schempp ein, er freue sich aber lieber "über die 80 Prozent, bei denen es klappt".     

Bei Weinmann beschäftige sich eine "aus dem ganzen Unternehmensquerschnitt" gebildete 16-köpfige Gruppe intensiv mit dem Leitbild. Dazu gehe es auch schon mal in Klausur ins Allgäu wegen des doppelten Abstands zu Arbeitsplatz und Tagesgeschäft. Auch der Betriebsrat sei extrem wichtig, denn Offenheit sei das beste Mittel gegen durch den Flurfunk geschürte Ängste vor Veränderungen. Und vor allem helfe es, die, Wirksamkeit der Pläne spürbar zu machen. Aus eigener Erfahrung riet Schempp: "Weniger säen - mehr ernten", also den Schwerpunkt auf die Umsetzung zu verlagern, "denn ich kann auch nur mit wenigen Bällen gut jonglieren." Mit einer Beschränkung auf Marktsegmente habe dies freilich nichts zu tun, spielte Schempp ein wenig Zukunftsmusik: Zwischen Balken aus dem fertigen Sägewerk und dem fertigen Gebäude gebe es für Weinmann einige Ansatzpunkte wie die in Skandinavien trendende Modulbauweise oder die noch mit viel Handarbet errichteten amerikanischen Holzständer. Den Bestandskunden in der Fertighaus-Branche wolle Weinmann helfen, den Preisvorteil von Massivhäusern auszugleichen - die in der Fabrik vorgefertigte  Qualität sei ohnehin schon besser. Bei Verschnitt und Abfall seien jedoch noch Hausaufgaben zu erledigen.    

Hintergrund:
Als führender Hersteller von leistungsstarken Maschinen und Anlagen für den Holzbau entwickelt
WEINMANN am Standort St. Johann-Lonsingen ebenso innovative wie bedarfsgerechte Lösungen.
Das ist unser Ziel, deshalb dreht sich bei uns alles um Kunden-Anforderungen. Dass wir sie erfüllen,
zeigt das Vertrauen unserer Kunden: Zimmerleute wie auch große Fertighaushersteller arbeiten
weltweit mit WEINMANN Anlagen und vertrauen auf die Qualität und Beratungsleistung.

Die 35-jährige Unternehmensgeschichte von WEINMANN ist geprägt von Transformationen. Das
erste Produkt, das WEINMANN herstellte, war eine CNC-gesteuerte Maschine zum Herstellen von
Holzpaletten. 1993 änderte sich das. Von dort an wurden Maschinen und Anlagen für den Holzbau
produziert. Seit 1998 ist WEINMANN Teil der HOMAG Group, was eine Chance der
Internationalisierung bot. Im Mai dieses Jahrs erwarb HOMAG die restlichen Anteile, wodurch sich
die Perspektiven das Engagement im Bereich Massivholz auszubauen vergrößern. Um nur ein paar
Beispiele der Transformation zu nennen.

Mitte 2018 ist WEINMANN einen weiteren Schritt der Transformation gegangen und hat begonnen,
sich aktiv mit den zukünftigen Herausforderungen und den damit verbundenen neuen Anforderungen
zu beschäftigen. Im Fokus steht dabei der Kunde und somit die Entwicklung hin zu einer kunden-
zentrierten Organisation. Grund dafür ist, dass sich die Welt heute schneller und dynamischer als
früher verändert. Gerade die letzte Zeit mit den Veränderungen durch Corona hat dies gezeigt.
Ein steigender Komplexitätsgrad und viele Einflussfaktoren erfordern klare und kurzfristige Ent-
scheidungen, aber auch die ständige Bereitschaft sich zu verändern. WEINMANN möchte diesen
Herausforderungen nicht nur gewachsen sein, sondern diese aktiv nutzen, um den Markt weiterhin
zu führen. Dazu ist es wichtig, den Mitarbeitern ein klares Zukunftsbild zu geben, damit jeder einzelne bei seinen täglichen Entscheidungen sich überprüfen kann, ob damit auf unsere Vision einbezahlt
wird.

Livestream:
Aufgrund der eingeschränkten Personenzahl gibt es den Vortrag auch im Livestream
über die Plattform "Microsoft Teams".
Sie können sich entweder über Microsoft Edge, per App oder ein Microsoft-Konto anmelden. Hier der entsprechende Link:
https://teams.microsoft.com/l/meetup-join/19%3ameeting_MDdiYmRhNTgtMGQwNS00YWFjLTlhOWMtMGRmNDkxYzBjYTE4%40thread.v2/0?context=%7b%22Tid%22%3a%2236515c62-8878-4f10-a7f4-561a4c17bef7%22%2c%22Oid%22%3a%22cdea30e8-9f1f-46bc-8261-d85f71f236ca%22%7d>

Baustellen-Hinweis für die Anfahrt aus dem Ermstal:
Die Hanner Steige zwischen Bad Urach und Bleichstetten ist gesperrt. Die Umleitung für die Verbindung Sankt Johan - Bad Urach führt über die L380 und die L249 ( Lonsingen / Upfingen / Sirchingen).

 

 

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